Shownotes
Warum eigentlich noch für Photoshop, Word und Co. bezahlen, wenn KI die Programme einfach nachbauen kann? Genau das probieren Entwickler gerade aus und stellen damit eine ziemlich grundsätzliche Frage: Wofür bezahlen wir künftig noch bei Software? Außerdem sprechen wir über einen österreichischen Behörden-Chatbot mit chinesischen Tabus, wieder mal kurz über Deutschlands digitale Abhängigkeit, das langsame Ende des Teletexts und eine gute Nachricht aus der Recyclingforschung, die leider einen giftigen Haken hat.
Transkript der Episode
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Caspar:
Hallo und herzlich willkommen zu Silicon Weekly. Ich bin Caspar und heute wieder mit mir moderiert Elli. Hallo Elli.
Elli:
Hallo, hallo.
Caspar:
Ja, schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Hier zu unserer Ausgabe jetzt dann im November der 1. Es wird langsam Ende des Jahres. Ich fahre im Dunkeln zur Arbeit und ich komme auch im Dunkeln zurück. Ich weiß nicht, wie es dir geht, Elli. Wahrscheinlich auch.
Elli:
Ja, morgens geht die Sonne auf und ja, doch. Dann abends ist auch wieder dunkel.
Caspar:
Das Jahr wird kürzer. Aber noch wollen wir nicht über unsere Weihnachtspause reden, die wir traditionell machen. Das ist noch ein bisschen hin und ein paar Ausgaben haben wir bis dahin noch. Wir wollen wieder über ganz viel Tech-News natürlich mit euch sprechen. Bevor wir das tun, wollen wir aber noch über eine andere Sache sprechen, nämlich über unsere Sendung vergangene Woche. Da hat uns nämlich Post erreicht.
Elli:
Ja, und da haben wir uns ganz arg gefreut. Wir hatten euch ja auch gefragt, dass ihr uns mal schreiben sollt, wenn ihr was zu sagen habt zum Thema Musik hören. Und wir haben Post bekommen unter anderem von Lea. Und Lea ist schon einen Schritt weiter als wir, die wir noch überlegen, wie wir das machen mit Musik wieder besitzen. Lea ist schon tief im Game.
Caspar:
Beachtenswert weit. Ich lese mal ein bisschen vor aus Leas Mail. Und dann werdet ihr gleich merken, was wir meinen. Für meine Eltern, die von der Musik der 80er Jahre geprägt wurden, schreibt sie, sind bestimmte Bands oder Songs fester Teil ihrer Identität. Die Schallplatten oder CDs werden immer wieder begeistert hervorgeholt und anschließend mit besonderer Vorsicht zurück ins Regal geräumt. Die Beobachtung fand ich so schön, dass ich meinen eigenen Umgang mit Musik hinterfragt und schließlich total verändert habe.
Elli:
Wie schön Lea das auch beschreibt, möchte ich an der Stelle mal kurz sagen.
Caspar:
Sprachlich ist das auch wirklich toll.
Elli:
Wirklich, sie zeichnet uns ein Bild.
Caspar:
Ja, sie schreibt, zuvor hatte ich auch ein klassisches Spotify-Abo, nicht so wie wir alle, also nicht Spotify, aber Abo, Musikabo haben wir irgendwie alle. Es lief entweder meine jeweiligen drei Lieblingssongs in Dauerschleife oder ich habe mich durch die vorgeschlagenen Playlists geswiped, oft ohne richtig zuzuhören. Das Angebot hat mich irgendwie erschlagen und ich habe mich gleichzeitig auch mehr mit der Kritik an Spotify beschäftigt. Ja, auch da fühle ich mich so ein bisschen gesehen, ein Angebot, was einer schlägt.
Elli:
Und Lea hat sich dann entschieden, sie ist jetzt wieder zurück bei einem Anbieter, wo man eben Songs auch kaufen kann als MP3-Dateien und auch ganze Alben kaufen kann.
Caspar:
Ja.
Elli:
Und genau, sie schreibt, ich wollte Musik wieder richtig wertschätzen lernen, mich mit KünstlerInnen beschäftigen und ganz genau hinhören, wieder aufgeregt sein, wenn die Lieblingsbands neue Songs rausbringen und dann entscheiden, welche mir am besten gefallen. Ja, sie schreibt auch noch, natürlich ginge das genauso gut über einen Streamingdienst, aber eine Oberfläche, die nur meine Lieblingssongs enthält als lokale Dateien, für die ich mich jeweils bewusst entschieden habe, ist irgendwie nochmal was anderes. Meine kleine kuratierte Sammlung an ganz persönlicher Lieblingsmusik ohne Ablenkung und generierte Vorschläge.
Caspar:
So ein bisschen wie das CD- und Schreibplattenregal ihrer Eltern und auch von meinen Eltern, was ich noch kenne, wo man reingreift und dann die Platte rausholt. Zum Schluss schreibt sie noch, bisher bin ich ganz überzeugt von meiner Strategie und der Spaßfaktor ist riesig. Neue Musik entdecken heißt jetzt nämlich noch viel mehr als zuvor. Recherchieren, Freundinnen fragen, Konzertplakate in der Stadt bewusst wahrnehmen, im Café genauer hinhören und einfach mal die Ohren offen halten.
Elli:
Das ist übrigens auch eine, also diese Strategie fahre ich auch gerne. Ich bin tatsächlich teilweise auch auf Social Media, wenn ich Videos gucke und da ist eine coole Musik im Hintergrund, dann gucke ich den Song nach und finde dadurch neue Musik. Das macht auch Spaß.
Caspar:
Ja, auf jeden Fall vielen Dank, Lea, für die tolle Mail. Und du bist, wir haben es gerade schon gesagt, drei Schritte weiter als wir. Ich glaube, ich muss jetzt über das Thema MP3-Player dann doch nochmal nachdenken.
Elli:
Ja, Weihnachten vielleicht, Caspar. Weihnachten kannst du dir wünschen oder so?
Caspar:
Haben wir ja gerade schon darüber gesprochen, dass es vor der Tür steht.
Elli:
Egal, ob ihr uns auf eurem MP3-Player hört oder über eine Streaming-App eurer Wahl, wir machen wie gewohnt weiter nach diesem kleinen nostalgischen Ausflug mit Updates. Wir haben ein What-the-Fuck dabei, einen Input, in dem wir uns fragen, müssen wir überhaupt noch Software kaufen? Oder kann halt alles die KI? Und dann gibt es noch eine Good News, die allerdings diese Woche ein dickes Aber mit sich bringt.
Caspar:
Ich bin gespannt. Aber fangen wir mit den Updates an.
Elli:
Vor zwei Wochen haben wir über das Thema Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche geredet. Genauer gesagt, was man sich so in deutschen Regierungskreisen dazu überlegt hat. Und jetzt gibt es quasi eine Gegenreaktion aus der EU-Ebene. Also nicht nur Deutschland hat sich überlegt, wir wollen gesetzlich festlegen, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter nicht oder nur eingeschränkt auf Social Media unterwegs sein dürfen. Auf der EU-Ebene wird aktuell auch an einer entsprechenden Gesetzgebung gefeilt. Und jetzt hat die EU, genauer gesagt die EU-Kommission, so ein bisschen ein Signal an ihre einzelnen Mitgliedsstaaten gesendet. Ich drücke es mal flapsig aus, so nach dem Motto, hey, kocht mal nicht alle euer eigenes Süppchen gefälligst.
Caspar:
Die nicht so flapsige, sondern die formellere Version lautet im Grunde, ein Sprecher der EU-Kommission hat bekannt gegeben, dass nationale Gesetzentwürfe, und das wäre ja der Deutsche, wäre ja so einer, die sich mit dem europäischen Plänen für eine Altersgrenze überschneiden, erst einmal um ein Jahr aufgeschoben werden sollen. Noch formeller gesagt, es gilt eine sogenannte Stillhaltefrist nach dem Motto, jetzt wartet doch erstmal, wir sind ja dabei, wir versuchen das jetzt hinzukriegen innerhalb von einem Jahr, dann braucht ihr dann nicht irgendwie noch jeder seinen eigenen Flickenteppich voranzutreiben.
Elli:
Die Begründung liegt irgendwie auch auf der Hand. Man will sich europäisch einigen und quasi eine Fragmentierung verhindern, sodass jedes Land so wirklich seine eigene Regelung hat, auch wenn die europäische Einigung vielleicht durchaus etwas länger dauern dürfte noch. Jetzt muss man sagen, ein paar Länder dürften trotzdem von der EU-Kommission gebilligt jetzt schon in den nächsten Monaten und in der nächsten Zeit ihr eigenes Ding machen, nämlich die, die ihre eigenen Gesetzesvorhaben, schon so lange, in der Vergangenheit eingereicht haben, dass das quasi noch vor dem EU-weiten Vorstoß war. Also zum Beispiel Frankreich, Italien und Griechenland, die waren einfach so früh dran mit ihren Ideen, dass die EU da noch gar nicht aus dem Quark gekommen war, einen gemeinsamen Vorschlag irgendwie zu suchen. Und dementsprechend gucken wir gerade nach dem Jahreswechsel vielleicht auch zum Beispiel mal in Richtung Griechenland. Da soll es nämlich schon 2027 losgehen, mit einer Einschränkung.
Caspar:
Auch mal gespannt, ob sich die Länder, die jetzt gerade erst darüber nachdenken, auch daran halten und auf die EU warten und was die EU dann da so weiter fabriziert. Aber ich sage mal so, auch aus Sicht der Social Media Anbieter wäre es ja nicht verkehrt, wenn es eine EU-weite Lösung gibt und man nicht jetzt für jedes Land einzelne kleine Dinge abändern muss. Naja, mal schauen. So, apropos jedes einzelne Land, wo es vielleicht doch ein bisschen hilfreicher wäre, um sich selber zu kümmern, ist die sogenannte digitale Souveränität. Und unser zweites Update, das dreht sich um den sogenannten Digital Dependence Index. Elli, worum geht es da?
Elli:
Ja, wir haben in dieser Folge ein paar Ausdrücke oder Wörter mit dabei, die ihr mal, falls ihr irgendwann mal betrunken seid oder sehr, sehr müde, sehr oft hintereinander sagen könnt. Sag dreimal schnell Digital Dependence Index. Ja, da muss man im Wort ein bisschen stoppen. Was ist das Ganze? Wir hatten es ja letzte Woche noch von BND und Co., die möglicherweise Cloud-Strukturen von Google nutzen wollen und sich damit nicht unbedingt im Sinne der digitalen Souveränität für eine technologische Lösung aus Deutschland beziehungsweise aus der EU entscheiden würden. Und das Center for Advanced Security Strategic and Integration Studies, kurz CASIS, wie das Johannisbeer-Aroma, von der Universität Bonn, hat zusammen mit dem Vodafone-Institut für Gesellschaft und Kommunikation einen sogenannten Digital Dependence Index entwickelt und auf verschiedene Länder angewendet. Dieser Index soll zeigen, wie abhängig ein Land zwischen 2010 und 2023, beim Hardwarehandel, bei IT-Dienstleistungen, bei Softwareplattformen und Technologie-Patenten von außereuropäischen Anbietern war. Man kann ja in der Forschung meistens nur zurückgucken, deswegen 2010 bis 2023. Besonders autonom.
Elli:
Auf Platz 1. Ihr könnt jetzt kurz drüber nachdenken, wer da besonders autonom sein könnte. Richtig, es sind die USA. Die haben die meiste Souveränität, weil eben ganz, ganz viel IT-Dienstleistung, Software, Technologie-Patente und so weiter bei denen liegt. Deutschland landet auf Platz 25, also im Mittelfeld des internationalen Rankings. Und die deutsche Abhängigkeit ist in den letzten Jahren gewachsen, so die Untersuchung. Wir verlinken euch einen ausführlichen Bericht der KollegInnen von Heise zu dieser Studie mal in den Shownotes, wenn ihr euch in die Details reinfuchsen wollt.
Caspar:
Ein drittes Update haben wir noch für euch und das ist jetzt also eine Technologie, von der ich weiß, es steht im Skript, dass du und ich sie eine Weile schon nicht mehr benutzt haben. Ich aber auch aus erster Hand weiß, dass es durchaus noch Menschen gibt, die die täglich benutzen. Worüber reden wir? Wir reden über den Teletext und es gibt eine Sendergruppe, die sich überlegt hat, naja, das lassen wir erstmal. Wann hast du zuletzt den Teletext benutzt?
Elli:
Ich glaube irgendwann in den 2010er Jahren. Wir sagen ja hier in der Sendung immer, wir verlinken euch Sachen in den Shownotes. Damals hieß es dann zum Beispiel das Rezept aus der Sendung finden sie im Teletext.
Caspar:
Auf Seite 338.
Elli:
Ja, genau. Oder Gewinnspielinfos oder Nachrichten.
Caspar:
Ich weiß auch, dass das TV-Programm da auch lief. Da habe ich das früher ein paar Mal benutzt, weil man dann halt schnell gucken konnte. Ja, ja, ja, ja. Gut, es gibt den aber offenbar noch. Also es ist ein bisschen so wie die MMS. Als wir hier verkündet haben, dass die MMS-Geschichte ist, wusste ich auch gar nicht, dass es die noch gibt. Aber beim Teletext, den gibt es auch noch. Und welche Sendergruppe, über wen reden wir? Wer hat sich überlegt? Teletext? Ach ja, das gibt es ja noch, das schalten wir jetzt mal ab.
Elli:
Das war die ProSiebenSat1-Gruppe oder ist die ProSiebenSat1-Gruppe. Man muss sagen, andere Sendergruppen und auch beim Öffentlich-Rechtlichen streichen schon auch so ein bisschen zusammen in den letzten Jahren, was den Teletext angeht. Also das Potpourri, was da mal war, das ist es schon längst nicht mehr. Aber die ProSiebenSat1-Gruppe hat jetzt eben gesagt, Anfang 2027 ist es vorbei mit dem Teletext. Und das gilt nicht nur eben für Sat1 und ProSieben, die schon im Namen enthalten sind, sondern eben auch so für Untersender Kabel 1, SIX, Sat1 Gold und so weiter und so fort. Und die Argumentation, der Teletext ist einfach zu wenig genutzt worden.
Caspar:
Ja, also es ist tatsächlich nicht nur wir so, die kaum noch reingucken. Es mag vielleicht noch ein paar Power-UserInnen geben, aber aktuell sind es halt zu wenig, um das zu betreiben. Ich weiß, dass es früher sogar ganze Teletext-Redaktionen gab, die nichts anderes gemacht haben, als diese Seiten zu füllen. Aber auch das wird dann wahrscheinlich bei Paul7, das hat einen schon eine Weile keiner mehr gemacht.
Elli:
Vielleicht noch ganz spannend, woran man ja erstmal nicht denkt, wenn man an den Teletext denkt oder ich zumindest nicht gedacht habe. In meinem kleinen eingeschränkten Weltbild, was das angeht. Der Teletext hat auch die Möglichkeit geboten, Sendungen mit Untertiteln zu gucken. Das ist zum Beispiel spannend für Leute, die nicht deutsch-muttersprachlich sind oder die vielleicht sich schwer tun mit dem Hören. Jetzt ist eben der Hinweis von der ProSiebenSat.1-Gruppe, naja, Teletext fehlt weg, aber, man kann ja immer noch mit Untertiteln gucken, nämlich wenn man die über die Einstellungen vom Fernseher oder vom Receiver eben aktiviert. Das heißt, die Art und Weise, wie Untertitel aktiviert werden, verändert sich aber so die Argumentation von ProSiebenSat.1, it is ja nicht ganz vorbei.
Caspar:
Ne, da gebe ich Ihnen auch recht. Inzwischen gibt es andere Technologien, die Sie Untertitel einblenden, die ja auch zum Beispiel, ich erinnere mich, bei Arte kann man das öfter mal machen, im Originalton einen Film sich angucken. Da muss man eine bestimmte Taste drücken und dann kann man entsprechend die Sprache wechseln und so kann man auch Untertitel ein- und ausschalten. Das stimmt, da haben Sie recht, das ist inzwischen anders möglich. Aber klar, wenn du das bisher immer so benutzt hast und nur so kennst, das ist halt glaube ich das, was so ein bisschen das Schade ist, wenn solche alten Technologien verschwinden. Es gibt viele Leute, die das seit Jahrzehnten so nutzen, zum Beispiel immer noch ins Programm so reingucken und da ist das jetzt dann irgendwann weg. Das könnte natürlich für die ein bisschen schade sein. Aber für alle anderen, die merken es vielleicht nicht mal. Außer wir erzählen es hier im Podcast.
Elli:
Ja, also guckt vielleicht Weihnachten, wenn ihr zu Hause den 300. Was läuft da immer? Herr der Ringe, Harry Potter.
Caspar:
Fast and Furious.
Elli:
Da wird ja immer diese ganzen E-Post-Dinge, stirbt langsam. Wenn ihr irgendwas davon anguckt, dann nutzt das vielleicht, um zwischendurch in der 500. Werbepause nochmal den Teletext euch anzugucken und Tschüss zu sagen. Und wenn ihr vielleicht auch gerade ältere Menschen oder so habt, wo ihr wisst, Die haben das vielleicht nochmal benutzt oder ihr fragt mal nach, wird das noch genutzt irgendwie, dass man da vielleicht sich auch kümmert, dass der Umstieg irgendwie gut funktioniert.
Caspar:
So, das war es mit den Updates. Wir kommen zu unserer nächsten Rubrik WTF und ich kann schon mal spoilern, es wird ein bisschen ländlicher, was es sonst hier ja auch nicht unbedingt immer im WTF wird.
Elli:
Wenn du sagst ländlicher, dann gehe ich irgendwie immer davon aus, es geht jetzt irgendwie um, keine Ahnung, Melkroboter oder Landwirtschaftsprognosen oder sowas.
Caspar:
Wir bleiben im KI-Bereich, aber anders als man das vielleicht in den ersten Moment denken könnte.
Elli:
Ja, leider keine Landwirtschaft für mich.
Caspar:
Nein.
Elli:
Ich bin ehrlich, wenn mir jemand sagt Ländle, dann denke ich an Baden-Württemberg.
Caspar:
Ja.
Elli:
Ist aber nicht der einzige Landstrich, der als Ländle bezeichnet wird, habe ich heute gelernt. Grüße gehen raus nach Österreich, denn wir gehen ins Vorarlberg. Auch da spricht man wohl vom Ländle.
Caspar:
Ja, und zwar besuchen wir genauer gesagt die österreichische Verwaltung, die nämlich genauso wie die in Deutschland sich überlegt hat, okay, KI könnte ja durchaus einen sinnvollen Charakter irgendwie bei uns haben, bei dem, was wir so täglich tun. Und im Vorarlberg gibt es deswegen die sogenannte VOKI, also oder VOKI, keine Ahnung, wie man es ausspricht, ist ja dieser typischen Namen, also VOKI. Und das ist ein Verwaltungs-Chatbot. Und der hat sich jetzt zum Einstand einen ziemlichen Fauxpas geleistet, indem er den Politiker Herbert Sausgruber das falsche Parteibuch angedichtet hat, als jemand mit ihm gechattet hat. Er hat ihn nämlich statt der FPÖ zur ÖVP zugewiesen. Und das ist natürlich ein bisschen doof, wenn so ein Verwaltungs-Chatbot solche Sachen nicht kann.
Elli:
Jetzt muss man sagen, dieser Altstand, der ist schon ein bisschen her. Das war nämlich im September. Sausgruber ist trotzdem weiterhin bei der ÖVP, wenn ich das richtig im Kopf habe.
Caspar:
Ich habe es genau falsch rum erzählt. Guck, ich darf auch nicht der Verwaltungs-Chatbot sein.
Elli:
Du hast es schon richtig rum gesagt. Du hast es schon richtig rum gesagt.
Caspar:
Er ist eben nicht bei der ÖVP.
Elli:
Er ist bei der ÖVP. Aber Sausgruber hin oder her, um den soll es hier gar nicht gehen. Wir gucken weiter nochmal auf die FOKI, den voralbergischen KI-Chatbot.
Caspar:
Danke.
Elli:
Und zwar gibt es jetzt einen neuen technischen Fauxpas. Man muss übrigens sagen, es ist auch nicht die einzige Behörden-KI, die in Österreich in den letzten Monaten für ein bisschen To-Wa-Bo-Hu gesorgt hat. Es gab unter anderem auch einen Justiz-Chatbot, der schon durchaus, Bockmist gebaut hat, sagen wir es mal so, der auch kritisiert wurde und so weiter. Aber wir bleiben jetzt mal im Vorarlberg. Wir gehen jetzt nicht auf die große nationale Ebene.
Caspar:
Die Kolleginnen vom ORF, die hatten Zugriff auf diese FOKAI und haben sich überlegt, okay, wir probieren mal was aus. Wahrscheinlich haben sie das mit einem Gedanken im Hinterkopf gemacht, da kommen wir gleich zu. Sie haben diesen Chatbot nämlich mal nach ein paar Ereignissen aus der chinesischen Geschichte befragt. Unter anderem nach dem Massaker vom Platz des himmlischen Friedens 1989. Ihr erinnert euch vielleicht, das ist diese Geschichte mit den Panzern, die dort die Demonstration gewaltsam überrollt haben. Und ja, dieser Chatbot, der hat keine richtige Antwort dazu gegeben, sondern lediglich die Auskunft, man könne keine Informationen bereitstellen, die in China als sensibel eingestuft werden, als Zitat. Und dieser gewaltsam der geschlagene Protest, der gehört wohl mit zu dem dazu, was man in China dann eben nicht ansprechen möchte.
Elli:
Übrigens auch zum Thema Taiwan will die Foki lieber nichts sagen. Heikle Angelegenheit, da lässt man lieber die Finger von. Jetzt fragen wir uns, woran hat es gelegen? Die Kolleginnen vom ORF, du hast es schon gesagt, werden da wohl mit dem ein oder anderen Hintergedanken schon reingegangen sein. Die Gründe für das Schweigen von der Foki sind nämlich schnell erklärt. Die Firma, die hinter den technischen Strukturen der Foki steht, ist aus Österreich und greift für den Chatbot aber auf die Large Language Model Familie Kuen zurück. Und die wiederum kommt vom chinesischen Konzern Alibaba. Ja, wenn es jetzt bei euch klingelt, was Online-Shopping angeht, das sind die gleichen. Alibaba macht Online-Shopping, Marktplatz und so weiter, aber unter anderem eben auch ganz viel Software und diese Large Language Model Familie Quen ist da mit dabei.
Caspar:
So wie Amazon ja auch eher für, also man weiß es, die sind für ihren Shop bekannt, aber eigentlich sind die ihren Webseitenbetreiber und Serverbetreiber. Gefühlt 80 Prozent des Internets laufen über Amazon-Server.
Elli:
Jetzt muss man sagen, es ist nichts Ungewöhnliches, dass zum Beispiel Anbieter von so einem KI-Chatbot, von auch so einem Verwaltungs-Chatbot auf externe KI-Modelle zurückgreifen. Also die arbeiten mit ChatGBT, mit Cloud, mit was es da draußen alles gibt an Large Language Models und benutzen die quasi als Basis, um dann einen eigenen kleinen Chatbot darauf aufzubauen. Das an sich ist nichts Ungewöhnliches. Allerdings hat man eben scheinbar auch die Regeln von Quen mit übernommen, die in China so geschrieben wurden.
Caspar:
Ja, und im Vorarlberg bzw. vom Land Vorarlberg heißt es jetzt auch zum ORF-Test, die FUKI läuft auf eigenen Servern. Die Daten blieben halt im Haus, was natürlich auch stimmt, wenn man lokale Modelle betreibt. Man habe bei der Modellauswahl auf Leistungsfähigkeit, Datenschutz und Informationssicherheit geschaut. Anders gesagt, man hat nicht geguckt, wo das Modell herkommt und ob das vielleicht entsprechende politische Grenzen vielleicht eingepflegt bekommen hat.
Elli:
Ja, wobei doch, man hat ja schon sehr genau darauf geguckt, wo es herkommt.
Caspar:
Ja, okay, gut.
Elli:
Nur hat man das dann nicht ganz angepasst, würde ich mal so sagen.
Caspar:
Ja, oder nicht den Fokus da drauf gelegt.
Elli:
Genau, also dass die Daten im Haus bleiben, dass das Ganze lokal betrieben wird, ist ja super. Nur hat da jetzt das ORF gar nicht so danach unbedingt gefragt, zumindest in der Causa jetzt. Sondern es geht eben um die Regeln, die offensichtlich auch im lokalen Betrieb übernommen wurden. Und ja, man hat sich da jetzt aber tatsächlich wohl darum gekümmert, diese entsprechenden Regeln zu entfernen. Also das Ganze hatte wohl eine Wirkung. Man sagt aber auch, diese KI, das ist ja nicht als Suchmaschine für Endverbraucher gedacht, so heißt es vom Land Vorarlberge, sondern als reines Hilfsmittel zum Zusammenfassen und Übersetzen von internen Akten, durch Angestellte des Landes, die wiederum extra geschult werden. Und Zitat, damit möchte ich dieses What the Fuck beenden. Die Letztverantwortung liegt immer beim Menschen.
Caspar:
Das ist fast ein Wort zum Sonntag. Ich möchte noch dazu sagen zum Abschluss, dass das ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass man egal welches KI-Modell man benutzt, auf genau darauf gucken sollte, wer hat es programmiert, wer hat es geschrieben, was hat das vielleicht für Grenzen, aber auch mit welchen Vorurteilen ist das gefüttert, mit welchen Biases. Das ist ja auch ein ganz großes Thema, aber es auch gerne mal vergessen wird, auch bei amerikanischen Modellen. So, jetzt bleiben wir so ein bisschen beim Thema KI, aber mit einem ganz anderen Aspekt. Vorurteile darum geht es nicht, Bias auch nicht. Wir gehen so ein bisschen in unserem heutigen Input in den Softwarebereich, in den Bereich der Programmierung, aber keine Angst. Wir werden uns nicht angucken, wie man Software selber programmiert oder zu tief in irgendwelche Nerd-Themen eintauchen, sondern wir werden uns einen ganz speziellen Aspekt angucken.
Elli:
Ja, aber du hast es schon angerissen, Caspar. Software programmieren könnte man jetzt theoretisch ja vielleicht auch mit KI und überhaupt. Man kann ja quasi mit KI alles bauen. Warum geben wir dann eigentlich noch Geld für irgendwelche Softwares aus, Caspar? Das gucken wir uns jetzt mal genauer an.
Caspar:
Das ist die Frage.
Elli:
Es geht um Macht und Zaster.
Caspar:
Ja, wie immer.
Elli:
Ich finde es doch super. Ja, wir gucken ein bisschen drauf, was so in der Softwareentwicklung gerade abgeht. Und natürlich die Frage, brauchen wir die Softwareentwicklung noch? Müssen wir Software kaufen in Zukunft? Oder können wir das alles bald selber machen?
Caspar:
Und für den Anfang, um in das Thema mal reinzukommen, schauen wir auf einen Spieleklassiker aus der Reihe The Land of Zelda. Genauer gesagt auf den Titel Ocarina of Time aus dem Jahr 1998. Der eine oder die andere erinnert sich vielleicht, dass es damals für den Nintendo 64 erschienen. Ich hatte keine N64, dementsprechend habe ich den Titel auch nie selber gespielt. Ich hatte den Game Boy, da habe ich die Game Boy Variante von einem der Zelda Titel gespielt. Aber das halt nicht mit weltweit rund 7,6 Millionen verkauften Einheiten ist das eines der erfolgreichsten Zelda-Spiele aus der Reihe, und gilt für viele auch heute noch, wenn man so Klassikerlisten so anguckt, so nach dem Motto, was sind die 100 Videospiele, die man gespielt haben muss, da ist Ocarina of Time in der Regel auch relativ weit oben mit dabei.
Elli:
Ja, aber Caspar, jetzt hast du gesagt, das kommt Jahr 1998 raus. Aber es kommt ja auch dieses Jahr raus, 2026. Was ist denn da los?
Caspar:
Weil das so erfolgreich war und ist, hat sich Nintendo überlegt, wir machen daraus einen Remake, den wir für die Switch veröffentlichen, inklusive neuer Grafik, inklusive ein paar neuer Inhalte. Und das ist dementsprechend etwas, was halt diesen Monat auch noch rauskommt. Genauso wie wir auch GTA 6 demnächst erwarten. Also spieletechnisch ist der November ein heißer Monat.
Elli:
Wer von euch mit Spielekonsolen nichts am Hut hat, die Switch, das ist eine Spielekonsole, die zu den sogenannten Handhelds gehört. Das heißt, die ist so groß, dass man sie gut im Rucksack mitnehmen kann. Und dann schön, ich mag so dieses Bild von, man sitzt da mit, hat das Ding in beiden Händen und daddelt dann so mit den Daumen. So ein Ding ist die Switch.
Caspar:
Wie früher beim Game Boy. Genau. So, wenn ihr sich jetzt die News rund um Ocarina of Time mal so ein bisschen anguckt, dann stößt man relativ schnell aber auch auf Artikel, die plötzlich von einer iPad-Version des Originalspiels sprechen und da fangen dann bei einigen schon an, die Stirn so ein bisschen zu runzeln.
Elli:
Ja, wir haben ja gerade gesagt, Nintendo produziert das Spiel neu oder legt es neu auf für die eigene Spielekonsole, die Switch. Das iPad gehört jetzt nicht zum Nintendo-Hardware-Imperium, sondern das ist eindeutig eine Apple-Causa. Und Nintendo hat tatsächlich mit dem Spiel fürs iPad nichts zu tun, sondern ein Entwickler mit dem Pseudonym Kares. Der hat das Spiel mit erheblicher KI-Unterstützung aufs iPhone und aufs iPad portiert, also quasi übertragen.
Caspar:
Es läuft dort als native Anwendung direkt auf dem Gerät. Das heißt, es ist wirklich auch eine Anwendung, die direkt da drauf ist. Es ist nicht emuliert oder gestreamt oder irgendwas. Und sie greift auch auf einige Apple-Spezialitäten zu, zum Beispiel die Grafik-Schnittstelle von Apple. Und man kann es auch mit Touch bedienen oder mit einem Controller, der dann angeschlossen ist. Also es ist tatsächlich komplett angepasst auf die jeweiligen Hardware und Software.
Elli:
Jetzt könnte man ganz verwundert sein, hat die KI sich das alles so zusammen ausgedacht, was Nintendo nie preisgegeben hat und sich das jetzt alles so zusammenfantasiert und es stimmt und funktioniert alles. Tatsächlich ist das teilweise so zu lesen, dass die KI das alles so aus dem Nichts rekonstruiert hätte. Aber tatsächlich ist die Grundlage ein seit Jahren bestehendes Community-Projekt namens Ship of Harkinien. Und da muss ich an eine der letzten Folgen zurückdenken, wo wir auch gesagt haben, so Spiele-Communities sind. Und die vollbringen ganz spannende Sachen online.
Caspar:
Bei dieser Community ist es so, dass dessen Entwickler, die hatten, oder EntwicklerInnen, die hatten aufwendige Arbeit bereits im Vorfeld geleistet, bevor jetzt diese neue Version von Ocarina of Time fürs iPad Car, die haben nämlich das Spiel dekompiliert. Das heißt, sie haben es quasi, vereinfacht ausgedrückt, bitte wer vom Fach ist, mich jetzt nicht erschlagen, aber quasi auseinander gedröselt. So ein bisschen wie wenn man, da sind wir wieder bei Papyrusrollen, die mal so auseinanderrollt. Zusammengerollt kann man sie halt nicht lesen und auseinandergerollt könnte man sie quasi dann lesen und sie für moderne Systeme schon mal im Grunde nutzbar gemacht. Also diese Hauptgrundlage, das ist tatsächlich noch eine sehr aufwendige menschliche Arbeit gewesen. Aber ich sage mal so, seit 1998 hatte man auch ein bisschen Zeit, das zu tun.
Elli:
Tatsächlich sagt Karis, also dieser Entwickler, das Pseudonym, zu den jetzigen iOS-Portierungen, also zu dem iPad- und iPhone-Spiel, auch in seiner Dokumentation auf GitHub, also da, wo er quasi seinen Software-Entwicklungsprozess dokumentiert. Er zahlt da sehr deutlich drauf ein, auf diese Community. Er macht deutlich, die ursprüngliche Aufdröselarbeit kommt nicht von mir, sondern aus der Community.
Caspar:
Jetzt könnte man sagen, okay, alles klar, da hat sich halt jemand was geschnappt, was es seit Jahren schon gibt, hat ein bisschen KI draufgeworfen und ein Spiel für eine neue Plattform portiert, auch noch ein sehr altes Spiel. Das ist ja jetzt eigentlich alles gar nicht so interessant. Warum reden wir jetzt hier drüber und warum machen wir da ein Input zu? Naja, ganz so einfach ist es nicht, weil die KI, die hat schon einen ganz entscheidenden Effekt gehabt. Bisher ist es so, dass man vor allem Kenntnisse von Programmiersprachen brauchte. Diese Apple-Grafik-Schnittstelle, die musste man kennen und sich gut damit auskennen. Man muss Infos über mobile Betriebssysteme haben. Und selbst für einzelne Entwicklerinnen und Entwickler heißt das, sich jahrelange irgendwas reinzuarbeiten. Wir sehen es ja auch daran, dass dieses Community-Projekt über Jahre dieses Spiel dekompiliert hat. Ja, und das Spannende ist halt eben, dass die KI sowas dann ermöglicht für eine einzelne Person innerhalb kürzester Zeit, zwar nicht auf Knopfdruck, das sicherlich nicht, aber doch in sehr viel schnellerer Zeit ein Jahrzehnte altes Videospiel zu portieren und in eine andere Software umzuwandeln.
Elli:
Wenn wir euch jetzt nicht beim Thema Videospiele hatten, dann kommen wahrscheinlich spätestens jetzt an diesem Punkt im Input Programme, mit denen auch die meisten von euch schon mal was zu tun hatten. Wir sprechen zum Beispiel über Photoshop, Premiere, aber auch über Word und Excel. Also Photoshop und Premiere kommen ja aus dem Hause Adobe. Die machen mittlerweile ganz viele Abo-Produkte, was so Grafik, Illustration, Videoschnitt, optisch-visuelle Aufbereitung von Inhalten angeht. Word und Excel, ihr kennt es, Microsoft und auch da mittlerweile Abo-Modelle.
Caspar:
Ja, und was alle diese Programme so ein bisschen vereint, da kommen wir ja gleich im Fazit auch noch so ein bisschen zu, ist, dass sie seit vielen Jahrzehnten existieren. Aber man sich so fragt, was hat sich eigentlich so in den letzten Jahren wirklich daran geändert, außer dass ich regelmäßig ein Abo dafür bezahle? Das hat sich vermutlich auch ein Entwickler namens Brandon Thomas gedacht und hat sein Projekt ArtCraft ins Leben gerufen. Und Thomas hat sich eben keine Spiele vorgenommen, die er portiert oder umwandeln möchte oder nachbauen möchte, sondern gleich die ganze Reihe von bekannten Softwareprodukten, die du gerade auch schon aufgezählt hast. Und es ist nicht so, dass er bloß eine Designstudie gemacht hat, sondern er hat funktionierende Programme gebaut und das Ganze mit KI-Coding-Werkzeugen und mit Hilfe von KI zusammen hat er entsprechend diese neuen Versionen, nachgearbeitet, die dann so Namen tragen wie Photograph, Filmcraft oder Gridcraft und was er mit Photograph nachgebaut haben könnte, da kann man vielleicht darauf kommen, wenn man an Photoshop denkt.
Elli:
Ja, und jetzt hast du gesagt, funktionierende Programme, da kommen wir gleich noch zu, denn es gibt natürlich ein großes Aber an der Stelle. Aber wir gucken vorher nochmal auf eine Sache, die besonders interessant ist, denn der gute Mann hat das nicht nur nachgebaut, sondern auch, den Quellcode von den von ihm gebauten Programmen kann man öffentlich einsehen. Und der steht unter freien Lizenzen, kann also theoretisch von Hinz und Kunz genutzt werden.
Caspar:
Kann man runterladen. Ich habe das auch schon gemacht, um mal reinzugucken testweise. Das funktioniert tatsächlich super einfach. Und das ist natürlich der große Unterschied zu den zum Beispiel Adobe Tools, die über die Creative Cloud monatlich teilweise für sehr sehr viel Geld bezahlt werden müssen und die auch einen hohen Kopierschutz haben und die man auch nicht auf mehreren Rechnern installieren kann teilweise und so. Und dagegen will er halt jetzt quasi eine kostenlose Alternative setzen, die dann auch von anderen weiterentwickelt werden könnte. Das ist nämlich auch nochmal ein Unterschied. Die Adobe-Programme kann ich jetzt nicht so einfach sagen, die nehme ich mir jetzt und baue sie weiter, so wie sie mir dann für mich passen. Bei Artcraft ist genau das der Gedanke, dass man sagt, okay, das passt schon zu 90 Prozent für mich, aber die letzten 10 Prozent baue ich dann vielleicht noch da dran. Also es ist, so, dass man jetzt dann vielleicht denken könnte, okay, toll, super, alles günstig, alles nachgebaut, dann kann ich ja jetzt meine ganzen Abos kündigen bei Adobe und Microsoft und muss in Zukunft für diese Firmen kein Geld mehr zahlen und kann lachend dabei zugucken, wie die dann langsam zugrunde gehen, und insolvent werden, so nach dem Motto.
Elli:
Uiuiui, na du baust ja jetzt Szenarien. Ganz so einfach ist es nicht, denn die Programme können zwar teilweise schon erstaunlich viel, aber es fehlen immer noch zahlreiche Funktionen, die professionelle NutzerInnen und Nutzer selbstverständlich erwarten. Und bei Photograph zum Beispiel, das ist noch eine frühe Alpha-Version, es gibt Probleme mit Funktionen, Dateiformaten, Stabilität. Das ist alles noch nicht so, wie man das gerne hätte, wie man das kennt von Programmen, die man vielleicht schon standardmäßig nutzt.
Caspar:
Genau, so ein Programm wie Photoshop quasi nachzubauen, sodass es dann auch alle Funktionen beherrscht, das ist eben was anderes Stück für Stück dann nachzubauen, als tatsächlich einen vollwertigen Photoshop-Ersatz dann direkt schon zu haben. Man muss auch dazu sagen, Adobe hat ja nicht ohne Grund Jahrzehnte an dem Programm geschraubt. Das kann man jetzt nicht innerhalb von wenigen Wochen dann einfach mal so nachbauen, auch wenn es auf dem ersten Moment so aussieht. Und nichtsdestotrotz will ich nicht schmälern, dass das, was dieser Entwickler da mit Hilfe von KI hermacht, schon relativ bemerkenswert ist in der Kürze der Zeit, weil wir reden hier eben nicht von einem Millionen schweren Softwareunternehmen, was hunderte EntwicklerInnen und Entwickler da draufsetzen kann, sondern von einer einzigen Person, die mit Hilfe von KI versucht, auch nicht nur eine App nachzubauen, sondern ja gleich eine ganze Reihe und auch nicht nur von einem Konzern, sondern auch gleich noch eine ganze Reihe von Konzernen. Es gibt ja nicht nur Word, es gibt ja auch zum Beispiel 3D-Cut-Programme von, anderen Herstellern. Es gibt Audioschnittprogramme. Also im Grunde ist diese Artcraft-Suite, die ihr da baut, ich weiß nicht gerade, wie viele es sind, aber 6, 7, 8, 9 Apps sind da sicherlich schon.
Elli:
Ja, du hast es schon so angerissen. Man merkt also, irgendwie wird es niedrigschwelliger, Software nachzubauen. Es verschiebt so ein bisschen, es macht Dynamiken in einer gewissen Weise. Also die Voraussetzungen für Softwareentwicklung verändern sich, weil KI eben bei den ganzen Schritten, die man braucht, Code analysieren, Programmfunktionen erklären, neue Funktionen implementieren, Fehler finden und so weiter, mithelfen kann. Coding-Agenten können teilweise sogar eigenständig Programme verändern, Tests ausführen und versuchen auch Fehler zu beheben, die sie dann wiederum finden. Ja, also es heißt nicht, dass man der KI einen Auftrag gibt und dann hat man am Ende den perfekten Klon. Aber es werden Dinge möglich, wo früher vielleicht ein ganzes Entwicklerteam beteiligt gewesen wäre, kann unter anderem unter Umständen jetzt schon eine einzelne Person einen ersten Prototypen zumindest mal basteln.
Caspar:
Ich habe das auch ausprobiert. Also es geht wirklich nicht auf Knopfdruck. Ich habe ein MS-DOS-Spiel genommen, ein uraltes, was ich früher als Kind gespielt habe und habe so einem KI-Agenten gesagt, bauen wir das mal so nach, dass ich das nativ auf meinem Rechner jetzt dann spielen kann. Und siehe da, selbst nach zwei Stunden war das immer noch nicht mal lauffähig. Also so einfach ist es dann halt doch nicht. Man muss dran doch noch Zeit dort rein investieren und versuchen, da sehr viel mitzudenken und mitzubasteln mit der KI.
Elli:
Ich wollte gerade sagen, von der Rechenleistung und den Ressourcen reden wir mal nicht, wenn das jeder selber macht. Ich würde mal behaupten, bevor das passiert, wird man von den entsprechenden Unternehmen als Person, die sich Software nachbaut, in Grund und Boden verklagt. Und das gucken wir uns jetzt mal an.
Caspar:
Ja, die rechtliche Frage, darf man das überhaupt? Und wie sieht es aus mit den Anwaltsgeschwadern von Adobe und Microsoft? Ja, also die Frage ist, darf man das überhaupt einfach so nachbauen? Die kurze Antwort lautet grundsätzlich ja schon, solange man keine geschützten Bestandteile unzulässig übernimmt. Und also jetzt zum Beispiel den Programmcode von Word sich schnappt und den einfach als Basis nimmt und das einfach ein bisschen ummodelt oder man zum Beispiel Patente oder Rechte von anderen verletzt. Solange man das nicht tut, dann ist das in Ordnung. Was meine ich damit? Adobe besitzt natürlich schon zum Beispiel die Rechte an seinem Programmcode. Die haben den geschrieben, die haben den entwickelt, die haben da viel Zeit rein investiert.
Caspar:
Die haben auch an einigen Dingen durchaus auch die Rechte dran, allerdings nicht an der grundsätzlichen Idee, dass man zum Beispiel Bilder, wie man sie ja in Photoshop bearbeitet, mit verschiedenen Ebenen, Masken und Werkzeugen bearbeiten kann. Das ist nichts, was Adobe alleine hat. Das sieht man auch schon daran, dass schon vor dem KI-Zeitalter es ja Alternativen wie zum Beispiel GIMP gab und gibt. Das ist eine Open-Source-Variante für Bildbearbeitung oder Affinity Photo, um nur zwei andere Bildbearbeitungsprogramme zu nennen. Die haben ja ein ähnliches Prinzip wie Photoshop, eben halt auch mit ebenen Masken, Werkzeugen, mit denen man Sachen bearbeiten kann. Das heißt, solange man nicht den Originalprogrammcode nimmt, sondern Funktionen quasi nachbaut, dann ist das rechtlich kein Problem. Es wird dann schwierig, wie gesagt, wenn man wirklich Sachen klaut aus anderen Apps.
Elli:
Ach schon, jetzt kommt eine persönliche Spekulation meinerseits, aber ich kann mir gut vorstellen, dass diese Firmen, wenn es dann eben um Klone geht, sehr, sehr genau hingucken werden und sehr, sehr genau abgleichen werden, was da vielleicht ähnlich sein könnte. Das ist ja jetzt auch schon gang und gäbe unter Konkurrenzproduzenten. Also wenn man Software hat, die von unterschiedlichen Anbietern kommt und da ist ein Konkurrenzverhalten notwendig. Gibt es durchaus schon den einen oder anderen Fall, wo sich Mitbewerber juristisch, ganz genau Details angeguckt haben und dann gesagt haben, hier, das ist aber quasi unseres, das könnt ihr so nicht machen?
Caspar:
Ja, da könnt ihr euch auch sicher sein, dass die entsprechenden Firmen das auch gerade schon tun. Ein bisschen komplizierter als jetzt bei Photoshop oder Word nachzubauen, ist es bei Videospielen wie zum Beispiel Zelda. Weil ihr dürft nicht vergessen, so ein Photoshop hat keine Musik, hat keine mitgebrachten Bilder in dem Sinne, keine Filme, keine Figuren, keine Grafiken. Das ist ja alles in so einem Spiel drin. Und da hat natürlich Nintendo schon die Rechte dran. Das sind beschützte Bestandteile. Ihr wisst es ja alle, auf Musik gelten Urheberrechtssachen, auf alles Kreative und Künstlerische. Und nur wenn man so ein Spiel jetzt technisch nachbauen kann, heißt das nicht, dass man einfach kostenlos die ganzen Musiken und sowas dann übernehmen kann aus dem Originalspiel. Das funktioniert natürlich nicht. Auch selbst wenn man es kostenlos verteilt, nicht? Da hat Nintendo aus gutem, Grund dann auch, kann man da sagen, das ist nicht in Ordnung. Kleiner Sidequest, der Entwickler von diesem Ocarina of Time, umgeht das übrigens damit, dass in dem, was man an Code runterladen kann, keinerlei Nintendo-Bestandteile sind. Ihr müsst selber das Spiel besitzen, um es umwandeln zu können für das iPad. So versucht er sich dann quasi so ein bisschen aus der Nummer zu ziehen, sodass Nintendo gar nicht sagen kann, du hast da was von uns geklaut oder geklont, sondern jeder muss quasi seine eigene CD oder was auch immer, wo das Spiel dann vorliegt, mitbringen, um das dann installieren zu können.
Elli:
Denn tatsächlich hat auch die Vergangenheit schon gezeigt, auch Nintendo hat eine große Rechtsabteilung und die guckt sehr genau, was im Internet so abgeht.
Caspar:
Ja, und die haben auch überhaupt keine Skrupel, jemanden zu verklagen. Also ihr seht, man darf nicht irgendwelche patentierten Funktionen nachbauen oder den ursprünglichen Programmcode irgendwie klauen oder kopieren. Man darf aber schon generell Apps bauen, die das gleiche Funktionsprinzip von Dingen zum Beispiel benutzen und das macht es dann wiederum auch wirtschaftlich so interessant.
Elli:
Also fragen wir uns jetzt, okay, es gibt Dinge, auf die man achten muss, nicht einfach irgendwelche Figuren aus irgendwelchen Videospielen übernehmen, nichts nachbauen, wo Originalkode von den Firmen mit drin ist. Aber wenn man jetzt sagt, das entwickelt sich alles noch ein bisschen besser und KIs können dann vielleicht auch tatsächlich irgendwann relativ gut, selber darauf achten, vielleicht, dass sie nichts übernehmen, was irgendwo Copyright-mäßig anderweitig involviert ist, wird dann alles Open Source und einfach zugänglich?
Caspar:
Ja, das ist an sich ein schöner Gedanke, den ich auch im ersten Moment hatte, als ich gesehen habe, wie jetzt gerade da sich eine riesige Welle an nachgebauten Programmen auftut. Aber auch das ist leider wieder nicht so einfach. Open Source bedeutet schließlich nicht immer, dass ein Programm kostenlos ist. Das ist oft so, aber nicht immer. Sondern es bedeutet nur, dass sein Quellcode unter einer bestimmten Lizenz genutzt werden kann, verändert werden darf und weitergegeben werden darf. Das kennt man ja auch von Creative Commons Lizenzen, diese CC-Lizenzen. Da ist es auch so, dass es unterschiedliche Formen gibt. Und wenn man jetzt einen Photoshop nachbaut, dann wird natürlich deswegen nicht plötzlich der Original-Photoshop-Code irgendwie öffentlich zugänglich. Und auch Adobe wird den jetzt nicht plötzlich dann einfach als, Und dann sagen die, ja gut, dann machen wir jetzt halt alles Open Source. So ist es dann tatsächlich auch nicht.
Elli:
Auf Spendenbasis.
Caspar:
Genau, auf Spendenbasis. Zahlt, was ihr wollt.
Elli:
Vielleicht noch einen kleinen Soli-Beitrag für alle.
Caspar:
Die es nicht leisten können. Das ist eine schöne Idee. Aber was natürlich schon so ist, dass es immer mehr Funktionen in Zukunft geben wird, die bislang in teurer Software irgendwie drin war. Und die wird dann auch in kostenlosen Alternativen, wie zum Beispiel ja auch GIMP einer ja ist, haben wir ja eben schon erzählt, in Zukunft dort dann landen und vor allem auch schneller landen, weil es einfacher ist, sowas dann zu entwickeln.
Elli:
Bleibt natürlich die Frage, so als Softwareunternehmen, ich nehme diese Entwicklung wahr, womit könnte ich denn in Zukunft werben? Ich würde ja sagen, Support, Schutz, Sicherheit. Bei uns als dem imaginären Softwareanbieter, der wir jetzt sind, bekommt ihr natürlich den Service dazu. Den habt ihr nicht, wenn ihr euch das ganze Zeug irgendwo einfach aus dem Internet holt. Für umsonst. So nämlich.
Caspar:
Ja, weil so jemand wie Adobe muss natürlich sich schon überlegen, okay, was kann ich denn den Kundschaften noch verkaufen? Und wenn man überlegt, wir haben auf der einen Seite Adobe mit auch, weiß ich nicht wie vielen Support-MitarbeiterInnen, aber schon ein paar. Und dann haben wir auf der anderen Seite einen einsamen Solo-Entwickler, der mit KI vor sich hinzimmert. Und wenn ich jetzt eine Firma bin, die aktuell jetzt auf Kreatives setzt und zum Beispiel Videoschnitt macht, meinetwegen, und ich muss für Kunden Videomaterial schneiden, setze ich dann aktuell noch auf die Adobe-Variante, die mir Supporter und ähnliches anbietet? Oder sage ich, ich gehe zu dem Solo-Entwickler? Und ich glaube, dass viele Firmen aktuell noch in eine Richtung sich entscheiden und auch sowas wie Sicherheitslücken schließen, Fehler beheben, Updates anbieten. Das ist ja etwas, das kann natürlich auch aus einer Open-Source-Community kommen. Und das will ich überhaupt nicht in Frage stellen, vor allem, wenn man sagt, es ist gar nicht mehr ein Entwickler, der da arbeitet, sondern eine ganze Community.
Caspar:
Aber natürlich kann sich eine professionelle Softwarefirma schon noch hinstellen und sagen, okay, wir verdienen unser Geld damit und dafür bekommt ihr halt entsprechend auch sofort solche Lücken geschlossen. Allerdings muss man auch sagen, das erhöht auch den Druck auf professionelle Softwarefirmen, sowas dann auch zu tun. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber es gibt durchaus große Softwarekonzerne, die sich gefühlt so ein bisschen seit vielen Jahren auf dem ausruhen, dass sie, erfolgreiche Programme haben und sowas wie neue Funktionen oder Wünsche der Kunden ernst nehmen, ist da viele Jahre nicht so richtig passiert. Und man hat es halt abonniert, weil es keine Alternative gab. Und ich glaube, die Zeiten, die sind jetzt dann wahrscheinlich demnächst schon vorbei.
Elli:
Also wir ziehen ein Fazit. Gerade für Firmenkunden und Profis dürfte in Zukunft das Thema Verlässlichkeit und eben Support, schneller Support, umfassender Support, durchaus ein Thema werden, warum man sich dann vielleicht doch für eine Bezahlvariante von Software entscheidet. Gleichzeitig verändert KI gerade so ein bisschen die Art und Weise, wie Software an sich entstehen kann und was es für Möglichkeiten gibt, professionelle Software nachzubauen.
Caspar:
Aber die rechtlichen Fragen verschwinden nicht einfach. Ich habe gerade schon gesagt, es ist entweder ein Spagat oder man muss genau gucken, was man macht. Aber es wird tatsächlich, das habe ich eben auch schon angedeutet, eine ziemlich grundlegende Veränderung für den Markt bedeuten und auch generell Dinge beschleunigen und vereinfachen. Und für uns Nutzerinnen und Nutzer heißt das, glaube ich, erstmal was Positives. Für die Softwarefirmen vielleicht nicht unbedingt. Für einzelne Entwicklerinnen und Entwickler unter Umständen muss man auch mal gucken. Aber für uns Nutzerinnen und Nutzer, das ist meine Hoffnung, vielleicht ist es naiv, könnte es aber auch bedeuten, dass die Auswahl steigt, dass wir mehr kostenlose Alternativen bekommen, mehr Open-Source-Projekte und dass auch die teuren Software-Abos, in Zukunft mehr Support anbieten, mehr Funktionen anbieten, mehr für ihr Geld anbieten, damit sie eben gegen die steigende Konkurrenz aus dem Open-Source-Lager oder dem KI-Software-Lager noch ein bisschen gegenankommen.
Elli:
Damit verändert KI also möglicherweise nicht nur, wie wir Software an sich entwickeln, sondern vor allem auch, was Software wert ist bzw. was eine Software wertvoll macht am Ende des Tages.
Caspar:
Und auch da werden wir weiter drauf gucken, was sich so tut und was als nächstes groß nachgebaut wird. Und ich werde die Tage nochmal versuchen, ob ich mein Spiel nochmal lauffähig kriege. Ich würde schon mal gerne nochmal wieder anspielen. Aber wie gesagt, das war leider kein Knopfdruck. Ich hatte das so ein bisschen gehofft. Schmeiß das da mal rein, warte zehn Minuten und dann läuft das. Nee, nee, leider nicht.
Elli:
Ist vielleicht auch besser so nicht, dass du doch auch noch irgendwie verklagt wirst wegen irgendwas.
Caspar:
Das stimmt, das stimmt. Ja, aber in dem Fall besitze ich das Spiel sogar noch. Zwar auf einem Medium, was ich nicht mehr irgendwo abspielen kann, aber ich besitze es immerhin noch. Naja, es ist eine wilde Zeit, die sich da gerade auftut und ich glaube, es ist sehr spannend, das in naher Zukunft auch weiter zu beobachten.
Elli:
Ja, und wenn es dann irgendwann soweit ist, dass ihr merkt, ah, da tut sich was, dann habt ihr bei uns zuerst gehört, warum es so ist. Ich würde sagen, wir machen den Deckel drauf für diese Woche auf die Sendung. Was fehlt dazu? Die gute Nachricht. Und damit der Deckel auch dicht hält bis nächste Woche, machen wir doch eine Silikondichtung rein.
Caspar:
Ui, ui, ui, ui, was für eine Überleitung.
Elli:
Ich freue mich so. It is Silicon Weekly und wir sprechen endlich mal über Silikon.
Caspar:
Es war überfällig. Es war über zwei Jahre haben wir gebraucht und über 110 Episoden haben wir gebraucht. Wir sind, glaube ich, bei Episode 115.
Elli:
Ja, das ist gut möglich. Ja, warum Silikon jetzt diesmal? Wir sprechen über Silikon. Ihr kennt es zum Beispiel als Dichtung, wenn ihr Tupperdosen habt, die richtig dicht sind oder Dosen von irgendeiner anderen Marke als Tupper. Backformen, Verpackungen, alles mögliche. Silikon ist praktisch, aber fällt auch wieder in die Rubrik ist echt scheiße zu recyceln.
Caspar:
Ja, das hat sich auch die TU Berlin und die, rheinischen Friedrich-Wilhelm-Uni in Bonn gedacht und die haben jetzt erste Tests gemacht, vielversprechende Tests, die ein bisschen die Hoffnung schüren, dass sich das ändern könnte.
Elli:
Genau. Und sie haben sogar schon ein Verfahren in die Patentanmeldung geschickt. Also sie sind da auch relativ confident, würde ich mal sagen. Relativ selbstbewusst. Im Labor haben die Forschenden Silikonen über verschiedene Reaktionen fast vollständig in seinen Grundbaustein. Und jetzt kommt wieder ein Wort, was man sehr müde sehr schnell sagen kann.
Caspar:
Ich bin sehr froh, dass du es versuchst.
Elli:
Dimethylchlorosilan.
Caspar:
Silikon.
Elli:
Das ist der Grundbauschein von Silikon und aus diesem gewonnenen Dimethyl-Dichlorosilan, könnte man künftig wieder neue Silikonprodukte herstellen. Das ist die Idee.
Caspar:
Die Recyclingquote, die in diesem Test erreicht wurde, sind tatsächlich immerhin 90 Prozent. Jetzt kommen wir aber, du hast es schon am Anfang der Sendung angeteast, zu einem ziemlich dicken Aber und noch zwei kleineren obendrauf. Wollen wir mit dem kleineren Abers anfangen?
Elli:
Ja, es ist nur ein kleineres, aber es ist eben ein zweites kleineres.
Caspar:
Ach so, ah, okay, gut.
Elli:
Das habe ich im Skript ein bisschen wuselig geschrieben. Aber wir fangen tatsächlich mit dem kleinen Aber an. Das kleine Aber. Zum einen ist es noch nicht ganz klar, ob das Verfahren auch industriell im großen Maßstab funktionieren würde. Das haben wir ja häufiger mal, dass wir hier sagen, okay, ist im Labor schon getestet worden, aber mal schauen, wie das dann in der Industrie aussehen würde. Und jetzt kommt das große Aber obendrauf, das dicke Ende. Für das erforschte Verfahren braucht es nach aktuellem Stand noch Fosgen. Das ist ein Gas und es ist hochgiftig. Es wird zwar in der Industrie auch aktuell durchaus genutzt, aber es liegt dabei ziemlich streng in Sicherheitsauflagen. Ist also nicht ganz unaufwendig und wenn man ein hochgiftiges Gas irgendwo vermeiden kann, dann tut man das doch eher gerne, würde ich mal meinen.
Caspar:
Deswegen wird jetzt auch genau in den nächsten Schritten daran geforscht, eine Alternative zu finden, zu vorgehen und nach Möglichkeit, das zerlegte Silikon dann so zu reinigen, dass am Ende wirklich für den Recyclingprozessen keine giftigen Stoffe in den neuen Produkten übrig bleiben. Das wäre auch relativ schlecht, dass man sagt, hier, recyceltes Silikon, aber es ist leider hochgiftig, aber mein Gott.
Elli:
Ja, aber ihr seht schon, da werden sich jetzt Gedanken drum gemacht. Man liest natürlich dann auch die Pressemitteilung der Unis dazu und da gibt es ein Zitat vom Projektleiter Professor Dr. Martin Österreich, was ich ganz spannend finde, weil es so ein bisschen Einblick gibt, wie Forschung manchmal funktioniert. Passieren kann, funktionieren kann. Denn Prof. Dr. Martin Österreich sagt, unser Erfolg ist ein Beweis dafür, dass sich Grundlagenforschung irgendwann in ganz konkreten Anwendungen auszahlen kann, an die vorher niemand gedacht hat. Und jetzt kann man sich fragen, okay, was meint der gute Mann denn damit? Er hat tatsächlich mit seinen Forschenden, also je nachdem, die werden nicht alle so lange dabei gewesen sein, aber die Grundlagenforschung zu diesen Sililiumionen, also zu dem, was auch in Silikon drin ist. Die Grundlagenforschung geht seit 15 Jahren bei ihm und erst seit etwa fünf Jahren, Zitat, haben wir mit dem Recycling von Silikon plötzlich ein wichtiges Anwendungsziel dieser Forschungen vor Augen. Also 15 Jahre lang erstmal geguckt, okay, was geht da so insgesamt? Was ist das alles überhaupt? Und jetzt so, ha, da können wir was draus machen.
Caspar:
Zeigt aber auch, Grundlagenforschung kann durchaus sinnvoll sein. Und zeigt auch, dass man auch dafür die Förderung nicht streichen sollte, was ja in manchen Ländern und manchen Regierungen auch immer mal wieder besprochen wird, so nach dem Motto, da kommt ja 15 Jahre lang nichts bei rum.
Elli:
Und es zeigt auch, dass man in der Forschung manchmal sehr viel Geduld braucht oder auch einfach die Hoffnung daran, dass das, was man da gerade an Grundlagenforschung macht, auch irgendwann mal Früchte bringt im Sinne von, dann hat man einen konkreten Fall dafür, den man auch bei Edeka mal kurz jemandem nebendran im Regal erklären kann. Also Früchte bringt ja die Grundlagenforschung an sich auch schon, aber ihr wisst, was ich meine. In diesem Sinne.
Caspar:
Ja, das war's für heute. Das war wild. Vielen Dank fürs Zuhören, für einen sehr unterschiedlichen Mix durch die verschiedensten Themen, aber das ist ja bei uns öfter mal so. Wir hoffen, dass ihr Spaß hattet und nächste Woche wieder einschaltet. Und ja, ich werde jetzt mal ins Bad gehen und mir das Silikon da angucken. Das müsste vielleicht auch mal erneuert werden.
Elli:
Ah, ja. Ja, dazu fällt mir jetzt wirklich überhaupt gar nichts mehr ein. Deswegen sage ich einfach, macht das gut, passt auf euch auf und bis nächste Woche.
Caspar:
Bis dann.
Elli:
Tschüss.
Caspar:
Das war es schon wieder für diese Woche. Folgt.