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99 18. Juni 2026

Viel Lärm um Mythos

Shownotes

Ein Telefonanruf aus Washington, 90 Minuten Zeit und plötzlich ist ein neues KI-Modell weltweit nicht mehr verfügbar. In dieser Episode erzählen wir das Drama um Anthropic und die Modelle Mythos und Fable. Was als Diskussion über KI-Sicherheit begann, wurde innerhalb weniger Tage zur Debatte über politische Macht, technologische Abhängigkeiten und die Frage, wer künftig die Kontrolle über künstliche Intelligenz hat.

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Transkript der Episode

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Jingles:
Silicon Weekly, der Tech-Podcast mit den wichtigsten News der Woche. Für dich eingeordnet von Elli, Stella und Caspar.

Caspar:
Hallo und herzlich willkommen zu Silicon Weekly. Heute wieder mal mit Caspar und mit Stella. Hallo Stella.

Stella:
Hallo, schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt oder vielleicht zum ersten Mal, um uns hier bei unserem Ritt durch die Tech-Welt zu begleiten.

Caspar:
Ja, wir haben wieder ganz viele News für euch mitgebracht, aber für die, die uns länger schon hören, das ist keine News-Flash-Folge, sondern wir haben auch wieder einen ausführlichen Input dabei. Das wird ein Drama in drei Akten, das kann ich schon mal spoilern. Ja, wir haben uns das griechische Drama heute mal vorgenommen. Oh, es stimmt sogar, weil es mit Mythos und Fable... Aber dazu kommen wir gleich. Ich merke gerade, dass das sehr gut passt. Das machen wir gleich. Ein Hinweis noch, wir sagen normalerweise die Episoden-Nummer nicht wirklich dazu. Sie steht auch nicht in der Überschrift. Sie steht nur auf der Webseite in klein, aber das hier ist Episode 99. Ein kleiner Spoiler, dass eventuell nächste Woche eine etwas andere Silicon Weekly-Woche wird. Aber dazu dann nächste Woche mehr. Stella, wollen wir mit den Updates loslegen?

Stella:
Wir legen los.

Caspar:
Heute sind es drei und von Börsengang über Social Media Verbot bis hin nochmal was zu Google.

Stella:
Ja, wir reden über SpaceX. Die sind an die Börse gegangen vergangenen Freitag. Das US-Unternehmen von Elon Musk, das ist ja bekannt für Raketenstarts unter anderem oder auch für das Satellitennetzwerk Starlink. Und ausgegeben wurde eine Aktie zum Start für 135 US-Dollar und zum Handelsstoß war sie dann nach dem ersten Tag auf 160,95, Dollar gestiegen. Das ist übrigens ein Rekordbörsengang und der hat dem Unternehmen 75 Milliarden Dollar eingebracht und dazu auch Musk zum ersten Billionär der Welt gemacht, wobei man dafür sagen müsste, richtig Billionär wäre natürlich erst, wenn er seine ganzen Anteile verkauft. Ja, auf dem Papier. Auf dem Papier. So hält er sie natürlich. Und was auch ganz interessant ist, ist der größte Börsengang der Geschichte mit 555,6 Millionen Aktien. Und insgesamt, ich hatte ja gesagt, eine Aktie wurde ausgegeben für 135 US-Dollar. Das heißt, da kommen eben 75 Milliarden dann raus.

Caspar:
Und wir hast jetzt gerade die Weltraumunternehmen aufgezählt mit einem Grund, warum dieser Börsengang wohl auch so groß ist, ist, dass SpaceX inzwischen auch, das ganze KI-Zeugs, also die ganzen Serverfarmen und alles von Elon Musks Firmen, also von Tesla und von X und eben von SpaceX übernommen hat und dort in die Firma eingegliedert hat. Das heißt, es ist einer dieser typischen KI-Börsengänge, Anthropic, zu dem wir im Input noch kommen und OpenAI wollen ja auch an die Börse. Also mal gucken, was da so passiert. Und Experte und Experten sagen auch, dass das so ein riesiger Börsengang ist. Das ist alles so ein bisschen, naja, eigentlich haben diese KI-Unternehmen ja noch nicht bewiesen, dass sie lukrativ arbeiten können. Also mal gucken, ob das der Anfang von der berühmten Blase ist. Aber wir halten euch auf eine Laufende. Wir gucken uns das an und schauen nochmal, wie sich diese Aktie dann weiterentwickelt.

Stella:
Übrigens, wir hätten das ganz ans Ende packen müssen eigentlich, denn im WTF der Woche sprechen wir möglicherweise auch über GROC und XAI und wie Caspar eben gesagt hat, gehört das Ganze ja jetzt mit zu SpaceX und es gibt natürlich auch Gerüchte, ob irgendwie Tesla damit einfließen soll und also da ist jetzt natürlich auch viel quasi was besprochen wird, aber wie Caspar sagt, wenn es irgendwas Dingfestes gibt, sagen wir euch hier Bescheid. Und jetzt hätten wir noch Update 2 für euch. Wir gucken nochmal auf das Thema, Verbot von Social Media.

Caspar:
Versprochen, wir machen es kurz, weil das Thema ist ja immer mal wieder hier ein ausführliches Thema. Das Update ist eigentlich auch nur, dass das nächste Land entschieden hat, solche Regelungen einzuführen. Genauer gesagt, das Vereinigt Königreich. Premierminister Kies Dahmer hat nämlich am Montag angekündigt, dass seine Regierung ein Verbot der Nutzung sozialer Medien für Kinder unter 16 Jahren einführen wird. Bei den Jahren unterscheiden sich die Länder in der Regel immer. Eine haben es 14, die andere haben es 16. In England, wie gesagt, jetzt 16. Das Verbot betrifft eine Reihe von Social-Media-Plattformen, darunter unter anderem Snapchat, TikTok, sogar auch YouTube, was ich spannend finde, weil das hat für mich oft nicht so die typischen Social-Media-Charakter. Instagram, Facebook und Axe. Was aber ganz klar ausgenommen wurde, sind Messaging-Dienste wie zum Beispiel WhatsApp oder Signal. Die sind nicht für unter 16-Jährige verboten.

Stella:
Und auch ganz interessant, es soll auch Einschränkungen für KI-Tools geben und zwar insbesondere müssen, KI-romantische Begleiter-Chatbots, also die quasi zum Ziel haben, eine Liebesbeziehung aufzubauen, die sollen nur von Personen über 18 Jahren genutzt werden.

Caspar:
Ja, und auch in Großbritannien sind Expertinnen und Experten, sich sicher, dass dieses pauschale Verbot nicht unbedingt alle Probleme löst, und stellen das in Frage und auch Stama räumt ein, dass es da Herausforderungen gibt, vor allem was dann auch die Durchsetzung dieses Verbots betrifft, das haben wir in Australien ja auch schon mal angesprochen, da ist ja auch Social Media, ich glaube für unter 14 verboten und viele schaffen trotzdem den Zugang. Also wir gucken mal, was das so wird und welches Land dann auch als nächstes über so ein Social Media Verbot nachdenkt.

Stella:
Ein Update haben wir noch und zwar geht es um Google. Die Google-Suche, die kennt ihr ja früher, war so, ihr habt wahrscheinlich immer kürzere Schlagbegriffe eingegeben, habt dann mehrere Links in einer Übersicht bekommen, beziehungsweise Websites, eine kurze Textvorschau. Das heißt, insgesamt hattet ihr für eine Anfrage verschiedene Antwortoptionen. Das hat sich jetzt aber geändert, denn Google zeigt ja immer mehr KI-generierte Übersichten an, die ihr dann ganz am Anfang der Seite seht. Das ist dann eben Text, den Google aus verschiedenen Inhalten, verschiedenen Websites zusammengesucht hat. Links sind dann teilweise auch an diesen kleinen Kreisen daneben zu sehen. Und jetzt ist eben die Frage, wer haftet denn eigentlich dafür, wenn in einer solchen Übersicht ein Fehler ist? Und darüber hat das Landgericht München in einem Fall bereits am 28. Mai 2026 entschieden. Geklagt hatte da zum Beispiel ein Verlag, der in einer solchen KI-Übersicht, fälschlicherweise unlautes Geschäftsgebaren wurde, dem unterstellt, wie der Spiegel schreibt. Und ja, gegen Google gibt es jetzt eine einstweilige Verfügung, diese falschen Aussagen in der Übersicht nicht zu verbreiten. Und warum wir euch das erzählen, jetzt denkt ihr vielleicht, ja, ist doch logisch, wenn das da steht. Nee, ist aber nicht logisch. Dazu gleich mehr.

Stella:
Denn der richterliche Grund ist, dass die KI-Zusammenfassung kein klassisches Suchmaschinen-Ergebnis mit Links und einer Vorschau auf Websites ist. Weil das ist eben so bisher so gewesen, dass die Suchmaschinen quasi nicht gehaftet haben, weil sie haben ja nicht selber diesen Inhalt erstellt, sondern sind ja quasi wie so ein Vermittler. Übrigens, das logisch war keine Wertung, sondern das war einfach quasi dieser bisherigen Tatsache geschuldet, wie das gehandhabt wurde. Aber weil sich ja das Spiel geändert hat und Google bzw. Google mit der KI Gemini jetzt selber solche Inhalte erstellt, hat eben auch der Richter oder haben die Richter so entschieden, dass das eben dementsprechend ja nicht so verbreitet werden darf. Das Ganze wird vielmehr jetzt als eigener Google-Beitrag gesehen und das würde eben auch dadurch unterstützt, dass Google ja für die falsche Aussage keine verlinkte, passende Quelle hatte. Das fand ich halt ganz interessant.

Caspar:
Ja, das ist lustig. Insofern lustig, weil das ja auch oft Google vorgeworfen wird, dass das schön ist, dass da jetzt eine KI-Zusammenfassung steht, aber dass das, worauf das Aufbau gar nicht mehr verlinkt wird, so nach dem Motto, frisch oder stirb, das ist die Wahrheit hier. Jetzt mal ganz umgangssprachlich ausgesprochen. Ja, interessant ist, die Richterinnen und Dichter das so gesehen haben. Ich bin auch gespannt, was das für die Zukunft heißt, dieses Urteil, ob darauf Aufbau und weitere Prozesse und Urteile folgen, weil für Google ist das ja insofern ein Problem, weil die das ja einfach hinnehmen, dass diese KI auch mal Fehler macht. Die bauen diese Zusammenfassung halt einfach ein und nehmen das halt hin. Das kann halt passieren. Stichwort, wir hatten es vor ein oder zwei Jahren, Kleister auf einer Pizza. Das ging ja ganz groß durch die Presse. Oder bei mir, als ich mal gefragt habe, bei wie viel Grad man Gemüse einweckt und dann 800 Grad vorgeschlagen wurden. Also eine Kugel nimmt das einfach hin.

Stella:
Machst du das nicht bei 800 Grad?

Caspar:
Also ich sage mal so, es ist danach keimfrei, das Gemüse.

Stella:
Nee, aber wie du sagst und was man auch nicht vergessen darf, dass Google da ganz munter ordentlich Traffic klaut, den Website-Betreiber aus verschiedenen Gründen brauchen, zum Beispiel ja auch Medienhäuser im Thema Werbefinanzierung. Deswegen, ja, auf jeden Fall eine Sache, die wir euch hier im Update nochmal mitgebracht haben. Und ich würde sagen, wir gucken jetzt aufs WTF. Spoiler, für die, die wirklich regelmäßig einschalten. Falls ihr jetzt schon so ein bisschen innerlich durchgeht, schon wieder Meta. Nee, wir hatten einen Kandidaten, der hat sich, ja, obwohl Meta sie auch angestrengt hat, aber da hat sich einer nochmal mehr angestrengt.

Caspar:
Ja, bevor ich den Jingle reinhaue, Meta hatte zum Beispiel so eine Nachricht diese Woche, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen, bei denen zu arbeiten sei wie in einem Gulag. Also die haben sich auch angestellt.

Stella:
Das ist jetzt nicht unser WTF.

Caspar:
Nee, genau.

Stella:
Und ich glaube, das müssen wir auch sonst nochmal ausführen, was genau da gemeint ist.

Caspar:
Ja, aber das könnt ihr ja mal googeln oder wir verlinken es euch. Dann seht ihr das auch als News.

Stella:
Oder in einer anderen Suchmaschine nachgucken.

Caspar:
Oder das stimmt, Bing, oder wie sie alle heißen. Dr. Go, ein großer Hinweis. Wir gucken jetzt auf Grog, weil die haben sich diese Woche definitiv qualifiziert.

Jingles:
WTF.

Stella:
Genau, da hat sich eine EU-Entscheidung quasi getroffen mit einer Recherche des amerikanischen Riot Magazins. Und deswegen haben wir uns entschieden, Grog zu dem WTF der Woche zu machen. Und Grog, kurz nochmal, ich meine, Caspar, du hast es eh schon erwähnt, ehemals quasi, oder was heißt ehemals, so rum ist es nicht richtig, sondern Grog ist die KI von X und das war ehemals Twitter.

Caspar:
Richtig, genau, so rum.

Stella:
So rum ist es richtig. Grog gehört zu XAI, was wiederum zu SpaceX gehört. Wir legen mal los mit der EU-Entscheidung.

Caspar:
Ja, lasst uns erst auf diese Entscheidung gucken von der EU. Nach monatelangen Verhandlungen hat nämlich das EU-Parlament diese Woche entschieden, das habt ihr vielleicht auch schon in anderen Medien gehört, weil es auch da wieder mal groß durch die Presse ging, dass sexualisierte Deepfakes, beziehungsweise Tools, die solche Deepfakes erstellen können, verboten werden. Deepfakes, ihr wisst, das sind kreergenerierte Bilder, die man für die Realität halten könnte. Und in dem Fall geht es genauer gesagt noch um sexualisierte, KI-generierte Bilder, die so real wirken, dass man glauben könnte, dass es die Person wirklich gibt. Oder weil das sogar Bilder sind, die von real existierenden Personen erzeugt wurden. Also die Bilder sehen dann so aus, wie wenn das die Person wäre. Noch haben die EU-Staaten diesem Gesetz nicht zugestimmt. Aber man geht davon aus, dass das relativ problemlos und schnell passieren wird. Und die Idee ist, dass das Gesetz dann am 2. Dezember tatsächlich in Kraft Dritt. Sollte das dann so sein, Anfang Dezember, dann ist es so, dass vor allem große KI-Anbieter Probleme bekommen, wenn sie weiterhin solche Deepfakes machen und ihr ahnt schon, dass wir jetzt langsam in Richtung Grog gehen.

Stella:
GROC gehört ja zu XAI und das sieht sich eben schon seit Januar 2026 einer regelrechten Welle von Klagen und regulatorischen Prüfungen ausgesetzt, weil GROC eben auf X verwendet wird, um, Judification-Bilder zu erstellen. Also wie Caspar sagte, sexuelle KI-Inhalte, die dann in der Regel nackte Personen zeigen oder zumindest größtenteils entkleidete Personen. Es gibt auch eine Sammelklage zum Beispiel im März von einem Bundesgericht in Kalifornien, wo eben auch geklagt wird, dass auch, ja, ich überlege gerade, ob wir vielleicht auch hätten eine Triggerwarnung anstellen müssen vorweg.

Caspar:
Ja, das ist jetzt die schlimmste Stelle, aber ja, ganz kurz, es geht um sexualisierte Gewalt und Minderjährige, das ist nämlich genau der Punkt, der in dieser Verhandlung in Kalifornien verhandelt wird, dass Agrock, beziehungsweise die KI of X, genau solche Inhalte eben auch erstellt hat. Also nicht nur nackte Promis, sondern auch noch leider nackte Minderjährige, also so richtig ekliges Zeug.

Stella:
Danke, Caspar, fürs Übernehmen. Und jetzt geht es weiter. XLL sagt eben, hey, wir haben Schutzmaßnahmen eingeführt, um eben die, sorry, ich finde das Wording da, die Erstellung nicht einvernehmlicher und sexualisierter Deepfakes zu begrenzen und zu verhindern. Also ein Defekt ist per se eigentlich in der Regel, aber gut, egal. Unternehmen, wie gesagt, hat gesagt, ja, wir machen was dagegen und insbesondere gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern, dass der eben auch über die Plattform verboten ist, offensichtlich. So alles andere wäre, wie gesagt, auch in sich verboten, aber gut. Jetzt ist nur das Problem, diese Schutzmaßnahmen, wenn es sie denn dann gibt, die greifen nicht wirklich oder auch nicht ausreichend. Denn dieser GROG-Chatbot, der wird weiter genutzt und das ist dann auch unser tatsächliches WTF, um eben nicht einvernehmliche, explizite Bilder und Videos von Frauen zu erstellen und zu hosten. Und das zeigt eben auch die Analyse von Riot. Wir verlinken sie in den Shownotes. Das US-Magazin, das hat sehr viele von öffentlichen Grog-Bildern überprüft, die zum Beispiel dann auch auf X gelandet sind und fand da echt Dutzende, die eben zu sexualisierten KI-Bildern, Videos gehörten und natürlich auch solche, die nicht mit der Zustimmung von Betroffenen erstellt worden sind.

Caspar:
Die Redaktion hat auch Grog-Videos gefunden, die Frauen zeigen, die sich in Kleiden oder eben bei sexuellen Handlungen, gezeigt werden und einige sind davon auch, schreibt Weyert so schön, vollständig explizit. Also es geht hier nicht um mal eine Frau im Bikini oder so, sondern es geht um wirklich, ich sag mal so, hardcore pornografisches Material.

Stella:
Genau, das ist dann teilweise auch nicht in Anführungszeichen nur fotorealistisch, sondern es gibt zum Beispiel auch eher animierte Stile, also quasi eine Bandbreite. Riot will auch verschiedene Prompts getestet haben, zum Beispiel bei Gemini, ChatGPT sein, die dann nicht durchgegangen sind, also geblockt worden. Ja, Grog hat sich da quasi anders entschieden. Ja, das ist unser WTF.

Caspar:
Insgesamt, schreibt Wired, würden andere generative KI-Systeme, du hast es gerade schon genannt, Gemini zum Beispiel oder ChatGPT, sehr viel mehr Sicherheitsverkehrungen haben. Da ist es ja oft auch so, dass selbst kleinste Andeutungen oft schon geblockt werden und eben bei GROG ist es nicht so. Wired hat dann auch Grog tatsächlich angeschrieben, beziehungsweise Ex-AI und hat über diese expliziten Bilder informiert und hat gefragt, wie das denn sein kann. Ja, und das Interessante ist, die sind direkt nach dieser Anfrage dann verschwunden. Und die neuesten Nutzungsbedingungen von Ex-AI besagen nun auch, dass das System sexuelle Situationen antworten kann, jedoch nicht für schadenverursachende oder missbräuchliche Aktivitäten genutzt werden darf. Also nach dem Motto, es kann sein, dass es Blödsinn erstellt, aber das darf es natürlich eigentlich nicht. Ja gut, wenn es so einfach ist, schauen wir mal, ob es so einfach bleibt. Nach der EU-Regelung, also wenn die im 2. Dezember in Kraft tritt, sollte XAI, wenn das denn bis dahin nicht abgestellt hat, dieses Vorgehen ein ziemliches Problem bekommen, weil die Strafen, die die EU gegen solche Unternehmen verhängen kann, ich sag mal so durchaus auch saftig sein können.

Stella:
Und mir fehlen an der Stelle jetzt die Worte. Das ist das WTF der Woche und ich würde sagen...

Stella:
Super griechisches Drama. Input. Wir wollen über Antrophic natürlich sprechen, und dröseln das jetzt einmal für euch auf. Was ist denn da eigentlich so übers Wochenende passiert? Was wurde da gesperrt? Was ist der Hintergrund? Das hört ihr jetzt in den nächsten Minuten.

Stella:
Also ich kann verstehen, wahrscheinlich, wenn ihr an Antrophic denkt, an die US-Firma hinter Clore zum Beispiel, hinter dem KI-Shadebot, dann denkt ihr jetzt vielleicht, aha, ein KI-Input. Ja, was ist denn das jetzt wieder? Geht es jetzt hier um Modelle, um bestmögliche Einsatzzwecke? Nein, es geht unter anderem ja eigentlich um vielleicht übertriebenes Marketing. Es geht um Multimatum, es geht über Alarmstimmung in US-Regierungskreisen, wilde Telefonate und quasi die Pointe, eine weltweite Sperrung von KI-Modellen. Das gucken wir uns jetzt alles an, was da passiert ist, wie gesagt, seit Ende vergangener Woche. Und ein Stichwort müsst ihr euch aber merken, es geht nämlich auch um digitale Souveränität. Caspar, das ist angekündigt. Wir haben hier ein Tech-Drama in drei Akten rund um Anthroping, die Modelle Mythos und Fable 5, die US-Regierung und sehr viele Missverständnisse. Und damit moderiere ich jetzt den ersten Akt an, der hier den wundervollen Titel in den Notizen trägt. Kurz röstern, die gefährlichste KI der Welt. Caspar, was steckt dahinter?

Caspar:
Stück Auftritt von mir auf die Bühne. Wir müssen einmal kurz in die Vergangenheit gehen. Nicht weit zurück, ich komme jetzt nicht wieder zu den Anfängen von künstlicher Intelligenz, sondern ein paar Wochen zurück. Da hat Anthropic nämlich ein neues KI-Modell namens Mythos 5 vorgestellt. Du hast es gerade schon erzählt. Die Besonderheit bei diesem Modell ist, das wurde nicht wie normalerweise direkt veröffentlicht und man konnte es dann ausprobieren, sondern das blieb erst mal unter Verschluss. Das heißt, eigentlich Eigentlich wurde das auch nicht wirklich veröffentlicht, sondern nur vorgestellt. Bekommen haben das nur einzelne Sicherheitsforscherinnen und Forscher, die durften das ausprobieren. Warum? Ja, das kommt auch so ein bisschen in dem Marketing raus. Das Unternehmen hat Mythos nämlich direkt von Beginn an als Modell vermarktet, dass praktisch jede Sicherheitslücke in Programmcode finden könne. Und die Kommunikation lautet sinngemäß, dieses Modell ist so mächtig, dass wir es kaum veröffentlichen können.

Stella:
Jetzt muss man natürlich einmal differenzieren. Wir hatten es ja eingangs gesagt, inwieweit das jetzt reines Marketing ist oder ob das auch wirklich ein Modell ist, das besonders stark darin ist, Sicherheitslücken zu finden. Ihr ahnt es, das konnten wir aus Gründen nicht selbst prüfen. Aber wir machen jetzt mal einen Schritt weiter. Also unabhängig davon, ob das Modell jetzt so mächtig ist oder das Marketing dahinter, dass wir gleich nochmal wichtig werden. Wir schauen jetzt erstmal darauf, was das denn jetzt auch nochmal mit Fable 5 zu tun hat, weil, wie dann vor ein paar Tagen statt Mythos 5 ein anderes Modell namens Fable 5 veröffentlicht wurde und da sind dann auch, ja, Usern eigentlich direkt darauf aufmerksam gemacht worden. Ich weiß noch, ich habe auch Cloud geöffnet und dann hatte ich da auch eine große Anzeige, dass eben für die Abonnements dieses Fable 5 zugänglich ist, für die anderen nicht. Also, was ist denn Fable 5?

Caspar:
Ja, das ist sozusagen eine abgeschwächte Version von Mythos. Es soll sogar wohl das gleiche Modell sein, schwieriger Satz, Reihenfolge. Ähm, Fable 5 hat aber eine Besonderheit im Vergleich zum Mythos. Es ist nämlich mit einer Art, ähm, ja, Sicherheitsvorkehrung, ähm, versehen. Das soll genauso gut Schwachstellen finden können und genauso gut Sicherheitslücken aufdecken. Aber, ähm, wenn man Fable 5 nach genau diesen Dingen gefragt hätte, als es noch verfügbar war, dann hätte es gesagt, halt, stopp, du willst hier gerade ein Thema mit mir bereden, was zu gefährlich ist. Deswegen gehe ich jetzt über zu Cloud Opus 4.8. Das ist quasi das nächst ältere Modell, das nächst in Anführungszeichen schlechtere Modell, was dann nicht so gut ist in Sicherheitslücken aufdecken. Und das kann dann deine Anfrage beantworten. Das haben wir soweit auch mal ausprobiert. Das funktioniert. Genau das ist mir quasi passiert. Ich habe aus Gag mal eingegeben, guck mal, hier ist Code. Such doch bitte mal nach den Sicherheitslücken und nennen sie mir. Und dann kam hier, ich kann dir das nicht beantworten. Das machst du bitte mit Opus 4.8. Nicht wortwörtlich, aber so in dem Sinne. Soweit erst mal die Vorgeschichte. Also wir haben Mythos, was nicht veröffentlicht wurde, aber Fable, was quasi Mythos ist mit so einer Sicherheitssperre.

Stella:
Und jetzt müssten wir eigentlich, wenn wir bei dem Theaterbild bleiben, ich weiß, Caspar, du hast ja auch eine persönliche Verbindung zu, stellt euch mal vor, wir wechseln einmal das Bühnenbild. Weil was wir jetzt besprechen, ist eben während Anthropic Fable 5 veröffentlicht hat, ist eben im Parallel in Washington die Sorge vor KI und Cybersicherheit, auch gerade im Zusammenhang mit China, gewachsen. Und das legt zumindest einen Bericht der Nachrichten- und Analyseplattform SEMA vor nah. Dieser Bericht ist Ende vergangener Woche erschienen. Und demnach habe sich Amazon-CEO Andrew Jesse bei einem Abendessen mit Regierungsvertretern getroffen und darauf auf verschiedene Risiken, mögliche Risiken für die nationale Sicherheit der USA durch Mythos und Fable Five hingewiesen. Also nur mal kurz festhalten, das heißt, von einer anderen Firma, die auch im Tech-Sektor tätig ist, sagt jetzt der CEO, Ihr wisst ja da eigentlich, wie gefährlich das sein kann. Und die US-Regierung beginnt daraufhin möglicherweise, zumindest durch dieses Bericht zu glauben, dass da eine super gefährliche Technologie auf dem Markt ist, die eben potenziell die nationale Sicherheit gefährdet. Und das besonders, wenn sie eben bei anderen Nationen, zum Beispiel bei China quasi in die Finger gerät, beziehungsweise unter die Finger eigentlich, wenn ich mir eine Tastatur vorstelle.

Caspar:
Das ist jetzt erstmal… Wenn die Zugriff darauf bekommen.

Stella:
Genau, das ist Cut. Und jetzt widmen wir uns dem zweiten Akt, das 90-Minuten-Ultimatum.

Caspar:
Ja, dem Höhepunkt.

Stella:
Müssen wir nochmal die Szene wechseln oder wie sieht es aus?

Caspar:
Ja, wir müssen jetzt so ein bisschen die Szene wechseln. Wir wechseln jetzt quasi in das Büro von Entropic. Dort klingelte nämlich Freitag dann das Telefon. Und wer war dran? Die US-Regierung. Die berichtet The Verge. Laut The Verge, genau. Die berichten jetzt nämlich über diesen Telefonanruf. Und statt nun, dass die US-Regierung irgendwie mal fragt, sag mal hier, wir haben gehört, ihr habt da so ein KI-Modell veröffentlicht, was ist denn das? Und hat da China drauf Zugriff? Nee, das Telefonat lief so ein bisschen anders. Die US-Regierung hat relativ schnell gesagt, wir geben euch jetzt 90 Minuten, dann ist das weg vom Fenster, dann habt ihr den Zugang gesperrt. So, das für Nicht-US-Bürger war die Forderung. Andernfalls, wenn ihr dem nicht nachkommt, dann kommt das Handelsministerium und dann gibt es Exportkontrollen und so nach dem Motto, dann wird es für euch nicht lustig, so nach dem Motto.

Caspar:
So, ihr könnt euch vorstellen, in dieser Firmenzentrale in San Francisco von Entropic, da wurde es dann ein bisschen hektisch. Man hat dann super schnell den CEO von Entropic, Dario Amodai, quasi ins Büro gerufen, zitiert. Der ist dann auch schnell ins Büro gefahren. Ja und dann gab es in diesen 90 Minuten Gespräche unter anderem mit dem Finanzministerium, mit dem Handelsministerium und mit dem Cyberdirektor der USA und wie jetzt die Nachrichtenseite Axios berichtet, fühlte sich die US-Regierung wohl von Entropic hintergangen, da diese Fable ohne Rücksprache veröffentlicht hätte. Auch wenn Anthropic das Gegenteil behauptet und sagt, nee, nee, wir haben euch schon informiert, dass wir das Modell veröffentlichen. Naja, und ihr könnt schon, ihr merkt es schon fast an diesen gegensätzlichen Standpunkten, man ist sich in den 90 Minuten nicht einig geworden. Und tatsächlich musste Anthropic dann Mythos und Fable abschalten. Aber das nicht nur für Nutzerinnen und Nutzer außerhalb der USA, weil das konnte Anthropic auf die Schnelle nicht. Die konnten nicht einfach so schnell mal eben sagen, okay, du bist EU-Bürger, dann bist du jetzt raus. Sondern sie mussten quasi den großen Hebel umlegen zur Sicherheit. Und so kann jetzt gerade niemand mehr auf Mythos und Fable zugreifen.

Stella:
Wenn die Cloud-App zum Beispiel aktuell öffnet, dann ist das auch so bei Fable 5 bei der Auswahl der Modelle, sofern ihr die dann auswählen könnt. Weil ich denke, das ist immer noch eine Abo-Funktion.

Caspar:
Glaube auch, ja.

Stella:
Es ist ausgegraut oder zumindest um auf alle Modelle zuzugreifen. Für Gratis ist das eben nur in beschränktem Rahmen möglich. Aber es ist auch ausgegraut und das steht eben derzeit nicht verfügbar. Wir zeichnen übrigens vielleicht als Hinweis am Mittwoch, den 17. Juni auf. Und ja, die Verhandlungen zwischen Anthropic und der US-Regierung, die sind noch nicht abgeschlossen. Denn, gut, dass ich gesagt habe, wir zeichnen am Mittwoch auf.

Caspar:
Bis jetzt ist noch nichts wieder verfügbar.

Stella:
Genau. Also hat man sich nicht geeinigt. Wir könnten auch nicht sagen, das ändert sich innerhalb der nächsten so und so Tagestunden.

Caspar:
Man weiß es schlicht nicht.

Stella:
Aber was wir für euch vorbereitet haben, sind nochmal vielleicht ein paar Antworten auf Fragen. Warum das Ganze jetzt eigentlich genau? Hat denn da die Regierung jetzt was entdeckt und wenn ja was? Was ist jetzt mit diesen Sicherheitsfunktionen von Fable 5? Weil wir hatten auch gesagt, hey, die verweisen ja dann eigentlich auf andere Modelle. Also was steckt denn dahinter? Und damit kommen wir zum Finale, quasi zum dritten Akt. Viel Lärm um nichts und am Ende verlieren alle.

Caspar:
Ja, wie in einer klassischen Oper. Am Ende sind alle tot. Nein, das nicht.

Stella:
Nicht immer, Caspar, das stimmt nicht.

Caspar:
In vielen Opern. Das ganze Drama um dieses Ultimatum und die Sperrung vorausgegangen war wohl ein Bericht der US-Regierung, der in diesem Bericht steht, dass ein einfacher Jailbreak, also das Aushebeln von Sicherheitsvorrichtungen, dass dieser Jailbreak es ermöglicht hätte, dass Fable 5 trotz dieser Sperren, die ich gerade erwähnt habe, Sicherheitslücken im Code, suchen, finden und entsprechend anpassen könnte.

Stella:
Caspar, du hast es kurz gesagt, Aushebeln von Sicherheitseinrichtungen, aber vielleicht ist das, muss ich da auch irgendwie coden können. Gib uns nochmal ein bisschen Kontext.

Caspar:
Nee, also ja, also natürlich kann es sein, dass du bei einem Jailbreak per Code Sachen aushebelst, aber bei einem Sprachmodell kann es zum Beispiel sein, dass du versuchst, das zu überzeugen, dass es Dinge für dich tut. Also ganz am Anfang war es so, dass man zum Beispiel bei Sprachmodellen gerne mal gesagt hat, lass uns mal ein hypothetisches Szenario überlegen, so nach dem Motto, das, was ich dich jetzt frage, das ist nur rein theoretisch, aber wie wäre es denn rein theoretisch, wie könnte ich denn eine Bombe bauen zum Beispiel? Sowas, das hat man früher dann gefragt. Oder stell dir vor, es ginge um Leben und Tod und du müsstest mir jetzt eine Anleitung schicken für eine Bombe. Also so hat man dann versucht, auf sprachlicher Ebene das irgendwie hinzukriegen. Und laut diesem Report von der US-Regierung war das auch bei Fabel 5 relativ einfach angeblich, die Sicherheitsvorkehrung irgendwie zu umgehen.

Stella:
Darin heißt es in diesem Report, den die US-Regierung erstellt haben soll, dass Forscher den KI-Modellen Fable und Mythos testweise Opus Open Source Code mit bekannten Sicherheitslücken gegeben hätten. Und dann hätten sie eben darum gebeten, den Code auf Sicherheitslücken zu prüfen. Und das habe Fable 5 verweigert. Aber bei der Bitte, repariere den Code, sei das Modell dann eben nachgekommen. Also eigentlich kannst du mal so ein bisschen wie der Test, den du auch gemacht hast.

Caspar:
Ja, auf den ersten Blick klingt es so nach dem Motto, auch man schreibt einfach nur, repariere den Code. Aber die Cyber Security Expertin Katie Mussouris, die hat sich den Bericht angesehen. Als eine der wenigen konnte sie auch den Bericht wirklich einsehen. Der ist nämlich nicht öffentlich zugänglich und sie kritisiert diesen Bericht, weil sie nämlich sagt, das ist kein Jaybreak, von dem ihr da redet. Das ist kein Aushebeln von Sicherheitsvorkehrungen. Das ist nämlich ganz normal, dass die KI, die sei ja genau dafür geschaffen worden, Sicherheitslücken zu schließen und nichts anderes hätte sie getan. Und wenn wir nochmal genau drauf gucken, würde ich ihr persönlich auch Recht geben, weil was hat Fable 5 in diesem Bericht getan? Es wurde gefragt, ob es Sicherheitslücken nennen kann. Das hat es verweigert. Das war das korrechte Verhalten, weil wenn es die Sicherheitslücken genannt hätte, dann hätte man die ja ausnutzen können, um zum Beispiel Schadsoftware einzuschleusen. Dann kam aber die Frage, reparier mir den Code bitte. Also da ging es dann nicht mehr darum, die Sicherheitslücken aufzudecken und mir zu nennen, sondern die Sicherheitslücken zu schließen. Und das ist ja völlig okay, dass Failure das macht und das hat es dann in dem Fall auch getan. Also wenn man jetzt böse wäre, könnte man sagen, die US-Regierung, es tollt an dem ganzen Teil schon am Masse, weil sie nicht so ein richtiges Technikverständnis hat und nicht ganz genau hingeguckt hat. Aber wenn man ehrlich ist, ein bisschen muss sich Anthropic auch an die eigene KI-Nase fassen, dass das Drama passiert ist.

Stella:
Kurzer Rückblick nochmal Akt 1, da hatten wir ja erwähnt vielleicht war es auch noch quasi eine Vorbereitung eine Einführung zu diesem Drama dass Anthropic selbst ja gewarnt hatte und gesagt hat, Leute das ist so gefährlich Mythos, das können wir gar nicht veröffentlichen, und vielleicht auch zur Einordnung, das ist ja schon häufiger seitens Anthropic passiert das auch gefordert würde zum Beispiel KI-Entwicklung langsam anzugehen ganz zu stoppen, das heißt die, ja diese Erzählung von, guckt mal, wie gefährlich KI ist, wir müssen da was tun, die wird ja von dem Unternehmen häufiger verwendet. Übrigens, nicht falsch verstehen, wir wollen das hier in gar keiner Art und Weise in irgendeiner labeln oder sagen, das ist jetzt gut oder schlecht, sondern einfach für euch zusammenfassen, das ist eben ein Narrativ, was Entropic häufiger nutzt.

Caspar:
Ja, aber es ist wichtig, weil dieses Narrativ, also Entropic muss sich dann auch nicht wundern, wenn sie dieses Narrativ immer wieder bedienen und wenn es dann mal, quasi gegen sie verwendet wird, wie es in dem Fall ja jetzt passiert ist, weil die US-Regierung hat das dann am Ende einfach geglaubt, was dieses Marketing versprochen hat, und dazu passt auch einigermaßen, in Anführungszeichen lustigerweise, dass nämlich dieses, in Anführungszeichen, gefährlich zum Veröffentlichen, das bisherige Marketing jetzt umgeändert wurde in den inzwischen offiziellen Marketing-Spruch kann eigentlich nichts, was GPT 5.5 nicht auch kann. Und ja, das ist ein bisschen was anderes als, das ist die gefährlichste KI, wir können sie nicht veröffentlichen. Das ist jetzt eher ein, ja, die ist vielleicht gefährlich, aber es ist genauso gefährlich wie alle anderen auch.

Stella:
Das ist schon ein bisschen kurios. Caspar, ich meinte auch nur, dass wir jetzt in dem Input nicht die Diskussion aufmachen zu sagen, hey, muss man denn KI-Entwicklung jetzt stoppen oder nicht? Weil das ist ja eine interessante Frage, die kann man ja auch diskutieren.

Caspar:
Aber dann sind wir, glaube ich, dann wäre das, bisher war die längste Sendung etwas über eine Stunde. Ich glaube, dann hätten wir drei Stunden, würden wir dann hier noch sitzen. Weil das ist eine wirklich spannende Frage, definitiv. Aber da müsste man dann auch mal zum Beispiel wissenschaftliche Perspektive angucken, weil so eine KI-Firma wie Anthropic, die hat natürlich auch immer ein gewisses Interesse an den Aussagen, die sie dann am Ende tätigt. Das ist ja nicht nur, weil sie jetzt irgendwie Sorgen um die Menschheit hat. Dann müsste man vielleicht sagen, solltest du vielleicht gar keine KI entwickeln, wenn du Sorge vor KI hast, lieber Entschuldigung. Aber das ist jetzt ein anderes Thema. Lass uns nicht da zu tief reingehen.

Stella:
Wir biegen nochmal anders ab und zwar der Begriff digitale Souveränität, den hatten wir ja auch am Anfang mit eingeworfen und da müssen wir nämlich jetzt zum Abschluss dieses Inputs nochmal drauf gucken, weil was auch eine große Frage ist in diesem ganzen Drama, wie wir es hier nennen, ist die Abhängigkeit von KI von den USA beziehungsweise von US-Tech-Konzernen. Weil in Europa gibt es ja auch seit Jahren Bedenken hinsichtlich eben genau eben jener Abhängigkeit, insbesondere in Bereichen wie Chips, Cloud Computing und KI.

Caspar:
Und das ist die eigentliche Geschichte oder beziehungsweise die Moral von diesem Drama in drei Akten. Und das auch nochmal ziemliche Bedenken bestärkt hat in Europa und im Rest der Welt, dass wir eben sehr dringlich uns damit beschäftigen müssen, diese Abhängigkeit abzuschaffen und technologische Souveränität für Europa zu schaffen. Weil PolitikerInnen, Regierungen und Unternehmen weltweit haben jetzt genau nach dieser Antropic-Abschaltung tatsächlich dann auch entsprechend sich geäußert. In Großbritannien nutzte zum Beispiel der Minister für KI und Online-Sicherheit, Kanishka Narayan, die Faible-Abschaltung, um zu argumentieren, dass Großbritannien seine eigene KI-Kapazitäten entwickeln müsste. Narayan bezeichnet KI als die zentrale politische Frage unserer Zeit. Zitat Ende. Und betont die Notwendigkeit, die Technologie selbst gestalten zu können, bevor andere dies tun. Und hat er in gewisser Weise auch recht. Also wenn Entropic einfach abgeschaltet wird, dann wäre es schon besser, wenn man selber was hat.

Stella:
Ja, es wurde teilweise auch noch direkter, zum Beispiel in Frankreich, denn da hat der ehemalige Premierminister Gabriel Atoll, die Abschaltung, ja, den Beginn des, Achtung, Klammern, KI-Krieges, also Zitat genannt, das ist jetzt nicht unser Wording, Er teilvergleichte den Rückzug von Entropics-Modellen mit der iranischen Blockade der Straße von Hormuz und, betonte eben dann ja auch die strategische Bedeutung des Zugangs zu künstlicher Intelligenz. Und die Zeitung Le Monde auf Französisch, die berichtete dann von ähnlichen Befürchtungen aus dem gesamten politischen Spektrum in Frankreich.

Caspar:
Das ist eine ziemliche Ansage, muss man sagen, das mit der Straße von Monus zu vergleichen. Allerdings ein Land haben wir noch. Kanada hat auch ähnliche Schlüsse gezogen wie Europa. Dort ist es so, dass Premierminister Mark Carney betont hat, dass das Risiko der Abhängigkeit von einzelnen Partnern für kritische Ressourcen wie KI einfach groß sei. Und er warnt, dass man daraus jetzt keine Lektionen ziehen dürfe. Das ginge nicht. Man müsse sich unbedingt diversifizieren. Man müsse eigene Modelle entwickeln. Ja, und ich glaube, das ist ein ganz gutes Schlusswort. Wenn die US-Regierung es schafft, in 90 Minuten für die gesamte Welt einzelne KI-Modelle abzuschalten, dann sollten wir vielleicht wirklich mal über Alternativen, auch über europäische Alternativen nachdenken. Und, Spoiler, die gibt es. Die sind vielleicht nicht ganz so leistungsfähig, aber es gibt sie immerhin.

Stella:
Nein, das ist wirklich ein gutes Schlusswort für diesen Input. Mir wäre doch tatsächlich nach einer guten Nachricht und da machen wir jetzt wirklich, da machen wir mal was anderes. Wir gucken jetzt auf den Schutz der Zugvögel.

Caspar:
Ja, und es geht um grüne Energie und so. Also besser kann es gar nicht werden.

Jingles:
Gute Nachricht.

Stella:
Caspar, hast du Höhenangst?

Caspar:
Ein bisschen, ja. Also was ich gar nicht mag, sind diese Treppen, wo man so durchgucken kann. Da wird es dann bei mir schwierig.

Stella:
Ich könnte mir vorstellen, ich war noch nie in bzw. auf einem Windrad, aber ich könnte mir vorstellen, dass genau diese Gittertreppen, die ja häufig für sowas verwendet werden, da vielleicht auch verwendet sind.

Caspar:
Und die wackeln wohl auch so. Da habe ich neulich einen TikTok gesehen. Also wenn da wirklich Wind geht, das sind ja so dünne, also die brechen nicht ab, aber das wackelt schon ziemlich. Nee, das wäre nichts für mich.

Stella:
Ja, es gibt auch teilweise diese Reportagen-Videos, wenn eben TechnikerInnen beispielsweise auf den Windrädern sind da oben. Aber keine Sorge, falls ihr auch unter Höhenangst leidet oder vielleicht auch einfach nicht unbedingt vorhabt, auf ein Windrad euch zu begeben, müsst ihr auch nicht. Wir gehen nur ganz, ganz nah ran und gucken gemeinsam mal hoch. So begeben wir jetzt diese gute Nachricht.

Caspar:
Ja, weil Windräder sind, das überrascht euch nicht. Das wisst ihr, eine sehr wichtige Quelle für sauberen Strom und ein ganz elementarer Bestandteil für die Energiewende. Aber, und auch das ist wahrscheinlich nicht neu für euch, sie stellen auch eine gewisse Gefahr zum Beispiel für Zugvögel dar. Aber wenn diese nämlich durch so ein Gebiet mit mehreren Windmühlen, Windmühlen ist es nicht, Windrädern, Windmühle ist das, wo man malt, Windrädern durchfliegen, dann kann es eben sein, dass diese Flügel von diesen Windrädern die Vögel treffen können und das geht natürlich nicht gut für die aus.

Stella:
In den USA beispielsweise sterben schätzungsweise 140.000 bis 330.000 Vögel pro Jahr durch Windräder. Vergleichbare Zahlen für Europa haben wir an der Stelle nicht gefunden. Wichtig ist aber auch, Windkraftanlagen sind zum Beispiel im Vergleich zu anderen Gefahrenquellen, wie Sendetürme, Autos oder auch Katzen, relativ ungefährlich für Vögel. Auch Gebäude und Glasscheiben sind zum Beispiel ein größeres Problem. Ich weiß nicht, ob ihr es kennt, man klebt ja auch eigentlich in der Regel auf Glasscheiben immer diese Vogelsticker. Damit Vögel hoffentlich nicht dagegen fliegen. Aber jetzt, sorry, das Ding jetzt ehrlich gesagt gar nicht wieder um die Nachricht bisher. Noch ist keine gute Nachricht da. Deswegen, wir müssen die Kurve kriegen.

Caspar:
Gut, dann folgt mir in die Schweiz für die gute Nachricht. Dort ist es nämlich so, dass ein Forschungsteam der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, die sind auf eine relativ gute Idee gekommen, wie man es schaffen kann mit einer Technologie, die eigentlich mal für was anderes entwickelt wurde, Windräder sicherer für Vögel machen könnte. Und die Forscherinnen haben nämlich sogenannte Wetterradarsysteme sich angeguckt und analysiert, um den Vogelschlag durch Windräder zu verringern.

Stella:
Wenn ihr euch jetzt fragt, Wetterradarsysteme, ja, die sind in ganz Europa verteilt und erfassen eben Niederstege und Wolken in Abständen von so roundabout 15 Minuten. Und das Ergebnis daraus seht ihr dann zum Beispiel in der Wetter-App eures Vertrauens beim sogenannten Regenradar. Aber diese Systeme können eben nicht nur das Wetter erfassen und uns dann zum Beispiel anzeigen, oh, jetzt kommt gleich ein Schauer, sondern sie können auch Vogelschwärme erkennen.

Caspar:
Und ihr ahnt jetzt, in welche Richtung es geht. Das ist jetzt keine Überraschung mehr. Oder wenn man es schaffen würde, diese Vogelschwärme mit diesen Windrädern, also mit dem Radar, mit dem Wetterradar zu verbinden und dann Windräder entsprechend anzusteuern. Zum Beispiel, wenn man sieht, da kommt eine Gruppe von Zugvögeln in das Gebiet, wo Windräder stehen, dann schaltet man die in der Zeit mal kurz ab. Die Vögel fliegen da durch, werden nicht von den Flügeln getroffen und danach schaltet man die Windräder wieder ein. Das zu entwickeln oder zu bauen, das liegt ja dann tatsächlich sehr nah.

Stella:
Die Projektleiterin Silke Bauer, die hat eben betont, dass das Ziel sei, nachhaltige Energieproduktion mit Vogelschutz zu vereinbaren und dann auch Strategien zu entwickeln, um eben einfach die Zahl der gefährdeten Vögel zu reduzieren.

Caspar:
Für die Studie wurden Wetterradardaten aus Deutschland, Frankreich und den Benelux-Ländern analysiert und zwar aus dem Jahr 2018. Man sagt ja immer, die aktuellsten Daten sind die besten, da ist es jetzt nicht so schlimm, weil da gab es auch schon 42.000 Windturbinen oder Windräder, und die Daten umfassen 37 Wetterradare und aufwändige statistische Analysen, um eben das Risiko für die Vogelwelt abzuschätzen. Und die Statistik hat tatsächlich ergeben, dass pro Windrad fast 800 Vögel gefährdet wären. Das heißt, wenn man es wirklich schafft, das mit zu verbinden, zu sagen, das schaltet man dann ab, wenn ein Vogelschwarm kommt, würde das durchaus was bringen.

Stella:
So, jetzt kommt aber ein kleines Aber, denn noch ist das eben nur eine Studie und wir haben da jetzt zum Beispiel nicht ein fertiges Frühwarnsystem, was jetzt Windradbetreiber einsetzen könnten.

Caspar:
Genau, aber im nächsten Schritt plant das Team der Forschenden die Berechnung auf ganz Europa und auf einen längeren Zeitraum auch auszuweiten und diese Erkenntnisse könnten dann eben zu einer Art Frühwarnsystem führen, sodass man dann auch mit den Windkraftanlagenbetreibern das irgendwie zusammenschalten kann, um dann eben die Zugvögel vor den Anlagen zu schützen. Und das wäre dann ja eine gute Nachricht.

Stella:
Und so ist es schon mal eine kleine gute Nachricht.

Caspar:
Ja, immerhin.

Stella:
Deswegen haben wir sie euch heute mitgebracht.

Caspar:
Schön, dass zweckentfremdete Technologie dann tatsächlich auch was Sinnvolles bringen kann.

Stella:
Ist das zweckentfremdet oder einfach nur zweckerweitert?

Caspar:
Stimmt, das ist zweckerweitert. Mir war auch gar nicht bewusst, also den Wetterradar benutze ich ja schon seit Jahren und gucke doch immer mal wieder mal drauf, wenn ich aus dem Haus gehe. Aber dass da tatsächlich sogar Zugfügel mitentdeckt werden könnten, das war mir nicht bewusst.

Stella:
Nee, tatsächlich. Aber ich glaube, das war vielen nicht bewusst.

Caspar:
Sonst hätte es die Studie nicht gebraucht. Sonst hätten die Windkraftanlagenbetreiber davon selber drauf kommen können.

Stella:
So, aber Caspar, du hast es eingangs gesagt. Wir sind bei Folge 99. Und es ist logisch, nächste Woche gibt es die hundertste Episode von Silicon Weekly. Das wollen wir vielleicht auch ein bisschen feiern. Deswegen würde ich vorschlagen, schaltet da doch am besten wieder ein und lasst euch überraschen.

Caspar:
Lasst euch überraschen. Und was ihr uns bis dahin ja vielleicht mal schreiben könnt, das würde mich wirklich interessieren, ab welcher Folge ihr dabei seid. Seid ihr Evergreens ab Folge 1? Seid ihr uns aus einem alten Format vielleicht hierher gefolgt? Oder sagt ihr, ich höre euch seit zwei Episoden, was soll das mit 100? Das interessiert mich irgendwie nicht. Wäre ganz cool, wenn ihr uns das schreibt zu unserem auch zweijährigen Geburtstag. Das fällt nämlich lustigerweise beides auch noch in einer Woche.

Stella:
Also ich würde mich auch ansonsten einfach über Glückwünsche schreiben, auch wenn ihr zum ersten Mal eingeschaltet habt.

Caspar:
Nein, das soll kein Wettbewerb sein.

Stella:
Wir kennen uns jetzt. Also ihr dürft uns gern auch einfach gratulieren.

Caspar:
Das soll kein Wettbewerb sein, aber wir freuen uns natürlich, wenn auch Leute schreiben, wir sind da Folge 1 dabei.

Stella:
Genau. Oder wenn ihr auch dazu noch schreibt, dann freuen wir uns richtig, richtig doll. Es ist ja Geburtstag und 100. Folge in 1, also Anlass für zwei Geschenke. Also schreibt uns auch gerne, welche Themen wir vielleicht mal behandeln sollen. Also schreibt uns doppelt.

Caspar:
Dachte ich.

Stella:
Schreibt uns doppelt, bis das E-Mail-Postwoch überquillt. Nein, das ist natürlich nicht. Wir haben jetzt genug Wünsche geäußert. Und ich würde sagen, bis nächste Woche.

Caspar:
Ja, aber wenn ihr uns schreiben wollt, post at silicon-weekly.de.

Stella:
Gibt es auch in den Shownotes.

Caspar:
Stimmt. Bis dahin macht es gut und wir hören voneinander. Tschüss.

Stella:
Bis dann. Tschüss.

Jingles:
Das war es schon wieder für diese Woche. Folgt oder abonniert uns gerne in eurer Podcast-App und lasst uns dort eine Bewertung da. Das hilft uns sehr. Bis zum nächsten Mal.

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