Shownotes
In dieser Episode schauen wir auf die Eröffnungskeynote von Googles Entwicklerkonferenz I/O und sprechen über KI-Suche statt Linkliste, Agenten in Gmail & Kalender, Deepfake-Prüfung mit SynthID und stellen die große Machtfrage dahinter. Was passiert, wenn Google nicht mehr nur zum Internet führt, sondern selbst das Interface für das Internet wird?
Links zur Episode
- Den Newsticker mit allen Artikel von The Verge zum Fall Musk vs. Altmann findet ihr hier
- Falls ihr selbst nervige Bürokratie melden wollt, könnt ihr das hier tun
- Den Artikel von heise zu den neuen KI-Modellen von Google findet ihr hier
Transkript der Episode
Jingels:
Silicon Weekly Der Tech-Podcast mit den wichtigsten News der Woche. Für dich eingeordnet von Elli, Stella und Caspar.
Elli:
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Silicon Weekly von zweien, die sich gerade noch grinsend auf die Lippen gebissen haben. Ich weiß nicht, warum wir so vor dem Mikro saßen. Ich bin Elli und wenn ihr erst vor zwei Wochen angefangen habt, Silicon Weekly zu hören, dann kennt ihr mich noch gar nicht. Ansonsten, hallo, ich bin auch mal wieder da. Hallo Elli. Daher gerade ein bisschen unregelmäßiger Podcast, weil beruflich viel bei mir gerade sich tut. Aber ich bin wieder da. Dafür ist Sella diesmal nicht da. Und dann haben wir noch eine Konstante, diesmal sogar im Silicon Weekly Pullover.
Caspar:
Ja, den seht ihr nicht, aber den habe ich zur Feier des Abends angezogen. Hallo, Caspar hier. Schön, dass du mal wieder da bist, Eddie. Freut mich.
Elli:
Ich freue mich auch. Ja, ich bin ganz gespannt, was wir heute alles dabei haben. Ich habe so drum, um den Input rum in unserem Doc gearbeitet. Ich habe natürlich den Input auch gelesen, aber Caspar hat ihn vorbereitet hauptsächlich. Und ich habe sowas wie eine gute Nachricht und what the fuck und so. Ja, das heißt, wir haben ein buntes Potpourri. Es geht um Tierversuche, es geht um Google, es geht um Beef zwischen zwei Giganten. Und es geht um eine Sache, wo ihr alle mitmachen könnt, wenn ihr mögt.
Caspar:
Ja, der Mitmach-Podcast. Aber lass uns mit dem Beef anfangen, das ist vielleicht keine schlechte Idee.
Elli:
Ich wollte schon fast sagen, es treffen sich zwei Kolosse des Tierreichs, aber naja, es sind Säugetiere.
Caspar:
Sehr seltsame, komische Äffchen, die wir da versammelt haben.
Elli:
Ja, oder so. Also ihr könnt euch das so vorstellen wie so ein Nashornstreit, ein Nashornkampf zwischen Elon Musk auf der einen Nashornseite und Sam Altman auf der anderen. Also wir haben einmal Tesla X SpaceX gegen OpenAI. Und warum treffen die sich und haben sich gezofft? Weil sie Streit um OpenAI haben.
Caspar:
Auslöser ist Elon Musk. Der wirft nämlich OpenAI vor, dass sie ihre ursprüngliche gemeinnützige Idee inzwischen verraten hätten. Also OpenAI ist mal angetreten als Firma, nachdem sie gegründet wurden, zu sagen, sie sollen irgendwie gemeinnützig die ganze Sache voran entwickeln, was KI betrifft und wohltätig quasi für die Menschheit sein. Und Musk wirft jetzt in den Unternehmen vor, dass das schon lange irgendwie nicht mehr der Fall ist, weil OpenAI inzwischen stark gewinnorientiert sei und zum Beispiel auch von Investoren wie Microsoft profitieren würde, die ja in OpenAI tatsächlich auch schon viel Geld investiert haben.
Elli:
Also Elon Musk gibt sich als Verfechter der Gemeinnützigkeit in diesem Fall auch eine spannende Position für ihn. Als Gutmensch. Ja, und der Gutmensch, wie er ist, hätte er gerne gehabt, dass Sam Oltman und Greg Brockman, zwei der hohen Tiere bei OpenAI, ihre Posten verlieren und dass die Unternehmensstruktur von OpenAI geändert wird. Das waren so seine Ziele mit dem Ganzen.
Caspar:
OpenAI sagt natürlich, ja, das stimmt alles nicht. Der gemeinnützige Kern, der ist weiterhin quasi der Kern der gesamten Organisation und kontrolliert das. Es gibt aber eine gewinnorientierte Tochter und die sei quasi nötig gewesen, um die ganzen Milliardeninvestitionen, die zum Beispiel auch Microsoft getätigt haben, überhaupt einwerben zu können, um die KIs weiterentwickeln zu können. Ohne das Geld sei das quasi gar nicht möglich gewesen.
Elli:
Also ihr seht schon, die Argumentationen von beiden Seiten sind höchst spannend. Und noch spannender ist jetzt eben der Beschluss der Jury, die ja in so einem Verfahren in den USA auch was zu sagen hat. Die kommt nämlich zu dem Schluss. Ist eigentlich auch egal, wer jetzt recht hat. Auf alle Fälle hat Elon Musk zu spät geklagt und deswegen Pech.
Caspar:
Genau, die Dünne sagt nämlich, dass da eine Verjährungsfrist gegriffen hat. Musk hat OpenAI nämlich schon 2020 nicht mehr unterstützt. Der ist, da kommen wir gleich noch zu, übrigens auch ein Gründer oder ein früherer Geldgeber von OpenAI gewesen. Und wie gesagt, seit 2020 eben nicht mehr und erreicht die Klage aber jetzt erst 2024 ein. So lange hat es gedauert, bis jetzt das Urteil da ist. Und in Kalifornien ist das Problem, eigentlich verjähren solche Geschichten nach drei Jahren. Das heißt, er hätte spätestens 2023 es einreichen müssen. In dem Fall dann leider zu spät.
Elli:
Ja, also Elon Musk hatte eben auch persönliches Interesse an der ganzen Geschichte, weil er eben da in den Anfängen bei OpenAI selber mit dabei war. Inwiefern ihn das mit der Gemeinnützigkeit jetzt wirklich in seiner Seele moralisch getroffen hat, das sei mal dahingestellt. Ihr seht schon, also die Jury hat gesagt, naja, ist halt verjährt und tatsächlich hat auch die Richterin Yvonne Gonzalez-Rodgers diese Einschätzung bestätigt oder ist ihr gefolgt? Damit ist die Klage von Elon Musk vorerst gescheitert und die Geschworenen haben sich tatsächlich nicht inhaltlich dazu geäußert, ob Musks Vorwürfe jetzt berechtigt sind oder nicht.
Caspar:
Es sind aber im gesamten Prozess sehr viele Beweismaterialien aufgetaucht, E-Mails interne von OpenAI, von Elon Musk und so weiter und so fort. Falls ihr euch mal so ein bisschen für dieses Drama, was da so rumherum entstanden ist, interessiert, die Kolleginnen und Kollegen von The Verge haben das sehr gut aufbereitet, auch sehr lange Geschichten dazu gemacht, weil das ja ein US-amerikanischer Prozess ist, haben die US-Kollegen da auch ein bisschen mehr drauf geguckt. Ja, also falls euch das interessiert, verlinken wir das auch nochmal in den Shownotes und du hast es gerade schon erzählt, Elon Musk war früher Geldgeber, er hat unter anderem rund 38 Millionen Dollar irgendwie beigesteuert, das gehört zu den frühen Investoren, hat sich dann aber relativ schnell zurückgezogen aus der Firma.
Elli:
Genau. Also das mal zum Rosenkrieg im Silicon Valley wollte ich schon fast sagen. Nicht ganz.
Caspar:
Ein bisschen war es schon so. Wenn man den Prozess verfolgt, was da sich gegenseitig vorgerufen wurde, was in E-Mails drin stand. Also so ein kleines bisschen Rosenkrieg war es schon.
Elli:
Wir kommen deswegen erstmal zurück aus den USA nach Deutschland und jetzt zu der Sache, wo ich angekündigt habe, da könnt ihr alle mitmachen im Update Nummer zwei.
Caspar:
Das Ganze ist, du hast es so schön geschrieben, unser Schiff soll schöner werden. Es geht nicht um ein Schiff, sondern es geht um den Staat, der soll moderner und schöner werden. Und zwar hat sich das Bundesdigitalministerium etwas ausgedacht mit der Bundesagentur für Sprunginnovation zusammen. Ich wusste gar nicht, dass es die gibt. Die wollen nämlich dafür sorgen, dass Verwaltungsprozesse in Deutschland schlanker werden, was an sich ja eine sehr gute Idee ist. Aber Elli, was ist daran jetzt eine Mitmachaktion? Und bisher glaube ich nicht, dass man viel beim Bundesdigitalministerium mitmachen konnte.
Elli:
Ja, tatsächlich gibt es jetzt aber für diese Aktion, über die wir gerade sprechen, eine Online-Seite, also eine Internetseite und auch ein Telefon, wo man anrufen kann und mitteilen kann, wenn man irgendwelche Probleme in Verwaltungsprozessen hatte, die irgendwie... Krass bürokratielastig waren oder wo man erst Formular A380 ausfüllen musste, um dann Formular A480 ausfüllen zu dürfen, um dann, ihr wisst schon, der Durchschlag und so weiter.
Caspar:
Da fallen da einige Prozesse ein aus der Vergangenheit.
Elli:
Kannst du dich gleich hinsetzen und das online mal abtippen. Die Idee ist nämlich mit dieser Schwabenintelligenz, im Fachbegriff auch Bürgerbeteiligung genannt, möchte man eben gucken, wo sind Probleme. Bis zum 14. Juni kann man Sachen einreichen und dann gibt es einen öffentlichen Prozess zur Abstimmung, welche Themen besonders wichtig sind, also priorisiert werden.
Caspar:
Ich finde das auch eine schöne Idee, das andersrum anzugehen. Man hätte jetzt auch die Behörden gehen können und sagen können, was seht ihr denn für Verwaltungsakte, die irgendwie sehr umständig sind? Man wird ja relativ schnell betriebsblind, wenn man den ganzen Tag damit zu tun hat. Wenn ich jedes Mal Passierschein A38 abhandle als Behörde, dann ist das für mich das normalste Formular der Welt. Weil wenn ich das als Bürgerinnen und Bürger zum ersten Mal sehe und nicht weiß, was man in Feld 73 eintragen soll, weil es genauso klingt wie Feld 72, dann ist es gut, die Seite mal abzufragen. Ja, ich bin gespannt, was daraus wird. Es soll irgendwie auch noch ein Prototyp dabei entstehen. Was ist damit gemeint, Elli?
Elli:
Ja, es soll nicht nur ein Prototyp entstehen, sondern für die Themen, die dann quasi als besonders wichtig erachtet werden, können sich dann Fachteams bewerben, die sagen, wir wollen eine Anwendung bauen, die das Ganze leichter macht, löst, wie auch immer. Und die bekommen dann finanzielle und personelle Unterstützung beim Bau von einem Prototypen eben für so eine Lösung. Die vielversprechendsten Prototypen wiederum sollen dann auch wirklich in der Bundesverwaltung integriert werden. So ist zumindest das Versprechen jetzt. Also wir sind ganz gespannt, was dann da so gebaut wird. Das ist eine relativ ausgeprägte Struktur, was so die Zusammenarbeit von BürgerInnen und der Tech-Community und dem Staat angeht. Und da hat man sich jetzt eben gedacht bei der Bundesagentur für Sprunginnovationen und dem Bundesdigitalministerium, das probieren wir doch auch mal aus. Übrigens, Name der ganzen Aktion Deutschland, was geht? Und so heißt dann eben auch die Webseite, auf der ihr eure Probleme mit Passierscheinen A1350 eintragen könnt.
Caspar:
Und Deutschland, was geht? Über den Namen müssen wir nochmal sprechen, aber sonst fände ich die Aktion eine gute Sache.
Elli:
Ich glaube, Deutschland, was geht ist so ein klassischer Projektname, der vor zwei, drei Jahren schon entstanden wurde, als man noch gesagt hat, was geht. Und der halt jetzt auf dem Projekt drauf ist, wo es dann tatsächlich an die Öffentlichkeit gekommen ist.
Caspar:
Ja, oder es war so ein Name, den man sich erstmal gegeben hat, so nach dem Motto, wir suchen dann nochmal den richtigen Namen für das Projekt und jetzt ist es halt der Name geblieben.
Elli:
Wir gucken mal, was geht. Also ich finde ihn gar nicht so schlecht.
Caspar:
Wie gesagt, das Projekt finde ich ja gut. Also schauen wir mal, was geht.
Elli:
Ja, und du kannst ja von den 500 Sachen, die dir jetzt auch eingefallen sind, kannst du ja auch direkt mal was wütend in die Tastatur tippen.
Caspar:
Nein, wütend nicht. Wütend nicht. Ich werde das sehr konstruktiv und ehrlich machen, weil das ist ja auch der Appell wirklich an alle Leute, nicht immer nur meckern über Bürokratie, sondern in dem Fall sich mal hinsetzen und es wirklich aufschreiben. Vielleicht wird es ja dadurch dann leichter.
Elli:
Und jetzt hatten wir es von Dingen, die gehen. Beim What the Fuck kommen wir zu Dingen, die aus der Sicht von Mitarbeitern eines großen Unternehmens so gar nicht gehen.
Caspar:
Ja. WTF In Hannover streikt gerade in den Nahverkehr. Darüber wollen wir aber gar nicht reden, sondern wir wollen über einen anderen Streik reden. Meta streikt. Wer streikt da?
Elli:
Wobei, gestreikt wird noch nicht. Es wird nur protestiert. Es gibt Flyer und es gibt eine Online-Petition. Das hat die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Und zwar wird bei Meta protestiert gegen eine Software, die kürzlich auf den Rechnern der US-Angestellte von Mark Zuckerbergs Konzern installiert wurde.
Caspar:
Genau, da geht es nicht irgendwie um eine lustige Spielesoftware alias Candy Crash. Es geht um kein neues Mail-System, was irgendwie Dinge vorsortiert oder irgendwelches Nützliches hätte und das irgendwie aussieht wie von 1978, sondern es geht um eine sogenannte Click-Tracking-Software. In dem Namen steckt schon ganz viel drin, was diese Software tut. Sie zeichnet nämlich auf, welche Bewegungen die Leute bei Meta mit ihrem Mauszeiger machen und worauf sie klicken. Ich hätte jetzt ja sofort vermutet, dass es darum geht, zu gucken, wer denn arbeitet und dass so ein bisschen Arbeitszeitüberwachung ist. Darum geht es aber gar nicht.
Elli:
Ja, also tatsächlich hätte diese Click-Tracking-Software vor ein paar Jahren definitiv so ein Kontroll-Tool sein können oder auch zu Zeiten von Corona, wo alle dachten, im Homeoffice arbeitet ja eh niemand.
Caspar:
Genau, ja.
Elli:
Das ist ein Punkt, an dem alle Meta-Mitarbeitenden unseren Modellen helfen können, in ihrer täglichen Arbeit einfach besser zu werden.
Caspar:
Das ist im Grunde eigentlich, trainier bitte eine KI, so wie du arbeitest, damit sie dich dann in ein, zwei Jahren ersetzen kann. Also das lese ich da unterbewusst raus und verstehe auch, warum das die Mitarbeitenden nicht so geil finden und jetzt protestieren.
Elli:
Ja, man könnte jetzt auch noch einwerfen. Man findet es auch nicht geil, weil man da natürlich sensible Daten mittrackt wahrscheinlich. Da sagt Meta natürlich, ja, da sind wir ganz streng. Wir kontrollieren den Umgang mit diesen sensiblen Daten und wir schützen die natürlich auch. Aber es gibt auch keine Möglichkeit, ein Opt-out zu wählen. Also quasi zu sagen, bitte, meine Maus soll nicht verfolgt werden. Das geht nicht.
Caspar:
Also die amerikanische Arbeitsschutzgeschätze sind, eigentlich müsste man Arbeitsschutz her in Anführungszeichen setzen, die sind sowieso immer schon besonders. Aber manchmal bin ich ganz froh, dass wir in Deutschland oder in Europa sowas wie Betriebsrebe hätten. Ich glaube, manch ein Personalrat wäre zu Recht in Ohnmacht gefallen, wenn man das vorgeschlagen hätte.
Elli:
Ja, oder ganz schnell auf den Barrikaden mit mehr als nur Flyern. Das stimmt. Kommen wir nochmal zu deiner Vermutung, was so das Gefühl angeht. Da werden KI-Modelle trainiert, die irgendwann Mitarbeiter ersetzen sollen. Ja, also... Diese Softwareinstallation passt zu einer Aktion, die laut Reuters bei Meta auch in den nächsten Wochen passieren soll. Da ist nämlich wohl eine Entlassungswelle im Anmarsch und im Laufe des Jahres will sich Meta von weiteren Teilen der Belegschaft trennen. Ein Schelm, wer da Schlüsse zieht von einem zum anderen.
Caspar:
Ja, ja, ja. Naja, gut. Schauen wir mal, wie lange bei Meta noch überhaupt jemand arbeitet oder ob das irgendwann nur noch eine große K.I. Butze ist.
Elli:
Naja, ich glaube, ich bin sehr optimistisch, dass Mark Zuckerberg bleiben wird.
Caspar:
Ja, wobei der sich ja jetzt auch in einen Avatar umwandeln lässt, damit der für ihn an Meetings teilnehmen kann. Aber das ist eine andere Geschichte. Das gucken wir uns vielleicht irgendwann mal an, wenn es da noch ein paar Neuigkeiten zu gibt, ob das geklappt hat.
Elli:
Okay, also wir hatten jetzt, wir sind wieder, es ist die Big Four, diesmal sind in der Sendung mit dabei. Wir hatten jetzt Elon Musk und Sam Altman, also OpenAI und X und all die anderen Firmen von Musk. Jetzt hatten wir Herrn Zuckerberg, da fehlt doch noch Google in der Reihe. Ja, ja. Deswegen kommen wir mal zum Input.
Caspar:
Genau und gucken mal, was Google da gerade alles Neues plant wieder mal.
Jingels:
Input.
Caspar:
Ich habe nämlich ferngeguckt. Ich habe am Dienstagabend die Eröffnungs-Keynote der Entwicklerkonferenz von Google, die trägt den Namen I.O., die habe ich mir angeguckt. Das ist jetzt quasi ein erstes Kapitel von zwei, was wir heute behandeln, denn Apple wird am 8. Juni auch seine Entwicklungskonferenz abhalten und auch dort Dinge vorstellen. Und ich kann mal spoilern, beide Entwicklungskonferenzen sind durchaus sehr spannend und zwar nicht nur für Entwicklerinnen und Entwickler, sondern auch für uns Otto-Normal-VerbraucherInnen, sage ich mal, weil da einiges gerade im Hintergrund passiert.
Elli:
Jetzt dachte ich schon Juni, Sommer, das klingt nach Sommersonne, Aperol und Erdbeeren und dann kommt da sowas wie eine Entwicklungskonferenz. Das klingt herzlich trocken, aber ihr werdet sehen am Ende des Inputs, du hast es jetzt auch schon gesagt, da sind Sachen dabei, die auch bei uns, während wir Erdbeeren essen und Aperoli trinken, vielleicht in unserem Leben auftauchen.
Caspar:
Ja und keine Sorge, wir werden jetzt nicht alles, was gestern Abend vorgestellt wurde, herunterrattern. Wir werden nicht sagen, Gemini hier, Gemini dort, neue smarte Brillen, neue Videomodelle, neue Suchfunktionen, neue Kreativtools, neue Prozessoren, neue Agenten und zwischendrin ganz viele lustige KI-Videos, sondern wir werden uns auf die wesentlichen und wichtigen Punkte konzentrieren.
Elli:
Ja, denn auch wenn so eine Entwicklerkonferenz ja immer ganz viele einzelne Bestandteile, die du jetzt schon runtergerattert hast, einmal enthält, am Ende des Tages lässt sie sich meistens auch insofern zusammenfassen, als dass man schon so ein bisschen gucken kann, wo soll die Reise hingehen, also abgesehen von den ganzen einzelnen Produktvorschlägen. Guckt man doch gerne mal drauf, was sind die Muster, die wiederkehrend sind bei den einzelnen Themen und was haben wir da für eine Blaupause, die wir uns quasi draus ziehen können.
Caspar:
Man kann über die Betriebssysteme oder über die Software, die dort auch vorgestellt wird, ziemlich gut darauf schließen, was der Plan der Firma für die nächsten 12 bis 24 Monate ist. Und bei Google kann man relativ schnell sagen, die wollen bei Weitem nicht mehr einfach nur noch eine Suchmaschine sein. Gemini, das ist das KI-Modell von Google, das soll auch nicht mehr nur noch ein einfacher Chatbot sein, sondern viel, viel mehr und auch Chrome, also die ganzen anderen Produkte von Google, Chrome, Android, das Betriebssystem für Smartphones, Gmail, YouTube oder auch Google Workspace, also die ganzen Office-Programme von Google, das sollen alles keine einzelnen Produkte mehr sein, sondern das soll viel, viel mehr zu einer gemeinsamen Art Benin-Oberfläche für das Internet zusammenwachsen.
Caspar:
Es geht nicht mehr darum, wo finde ich einzelne Informationen zu einem Thema, sondern Google kann in Zukunft für dich Dinge planen, Sachen zusammenfassen, eine Oberfläche zusammenbasteln, die zu deiner Suchanfrage passt, Dinge im Hintergrund für dich erledigen, für dich Sachen einkaufen und auch sowas wie Videos generieren. Das ist alles sehr, sehr beeindruckend. Sehr viel Marketing, was da auch gestern Abend, in unserem Fall gestern Abend, Dienstagabend zu sehen war und das klingt auch alles richtig schön auf dem Papier. Es ist gleichzeitig aber auch ein bisschen beunruhigend und um diese Zwiegespaltenheit so ein bisschen besser deutlich zu machen, sollten wir uns mal das erste angucken, was gestern Abend so wirklich groß vorgestellt wurde und das ist das, wo die Google-Suche hingehen soll.
Elli:
Ja, also ich weiß ja nicht, wie lange ihr schon mit Google arbeitet, aber solange ich Google benutze, hat sich da schon immer wieder mal was getan. Also es kamen so Krams dazu und dann, also es gibt ja nicht nur diese eine Suchleiste, es gibt Shoppingboxen, es gibt Sportergebnisse, es gibt Wetterkarten und jetzt eben die KI-Zusammenfassungen, die auch gerne mal, Achtung, wieder Hinweis an der Stelle, Quatsch unterhalten, beziehungsweise völlig hanebüchen, sogar wenn sie Quellenangaben haben, trotzdem Blödsinn erzählen. Und, Ja, okay, wir haben diese klassische Suche und wir haben diese extra Tools bisher. Google will jetzt quasi aufs nächste Level. Und das bedeutet, wir verändern in Zukunft wahrscheinlich auch, wie wir Dinge suchen.
Caspar:
Bisher hätte ich vielleicht, wenn ich jetzt eine Wanderung plane rund um Hannover, hätte ich bisher eingegeben in die klassische Google-Suche Wanderroute nahe Hannover. Und dann hätte ich so eine Liste bekommen, da wären vielleicht Webseiten drauf gewesen, Blogs, die über Wanderrouten erzählen, irgendwie einen Link zu Komoot, dieser Wander-App und als mögliche, also eine wirkliche Stichpunktliste, ihr kennt sie alle. Jetzt soll es so sein, dass ich in Zukunft Google einfach sagen kann, plane mir für Samstag einen hundefreundlichen Ausflug mit einer schönen Aussicht, einem Café mit Parkplatz in der Nähe und insgesamt möchte ich zwei Stunden wandern. Und bisher, wenn man das in Google-Suche eingetippt hätte, dann wäre weiterhin irgendwelche Webseiten gekommen. In Zukunft soll es so sein, dass dann tatsächlich ein detaillierter Plan bei rauspurzelt.
Elli:
Oh, warte mal. Ist das nicht etwas, was wir in den vergangenen Monaten vielleicht auch schon mit dem ein oder anderen KI-Tool, der Google-Konkurrenz gemacht haben.
Caspar:
Eventuell. Google hat sich da sicherlich inspirieren lassen. Die sogenannte Search-Box, das ist dieser Suchschlitz, den ich gerade genannt hatte, wo man Sachen eingegeben hat. Das soll jetzt in Zukunft eine Art Startpunkt sein, eine Digenta. Das soll, wie gesagt, Vorschläge machen, es soll Nuancen ergänzen können und man soll da nicht nur Text eingeben können, sondern auch Bilder, Dateien, Videos. Also es wird quasi so ein ganz universelles Ding. Und wie gesagt, Man bekommt dann eben keine 10 Links, sondern man bekommt eine Route vorgeschlagen jetzt für die Hannover Wandersachen. Man bekommt zum Beispiel eine Tabelle, wo die ganzen Abschnitte drinstehen. Man kriegt eine interaktive Karte angezeigt, wo die Route langführt. Man kriegt direkt den Vorschlag, ob man im Café was reservieren soll und kann das dann auch per Klick direkt machen. Und das ist das, wo Google so hin möchte. Weg von dieser Liste hin zu so einem allumfassenden Assistenten quasi.
Elli:
Ja. Ist vielleicht auf der einen Seite bequem, weil wir uns nicht durch irgendwelche zehn Links durchklicken müssen. Auf der anderen Seite heißt das aber auch, Google wird mehr und mehr zum Gatekeeper. Bisher hatte ich ja so den freien Willen, wenn ich gewollt hätte, dann hätte ich auf Seite 10 der Google-Seite gehen, Google-Suche gehen können. Da ganz unten, da wo die Zahlen stehen, wo man sieht, man ist auf Seite 1. Theoretisch hätte ich mir Seite 10 anschauen können. Habe ich ehrlicherweise kaum gemacht. Aber jetzt ist es umso mehr so, dass Google wirklich aussucht, was am Ende wirklich meine Aufmerksamkeit bekommt.
Caspar:
Ja, du hast gerade die zehn Google-Seiten aufgerufen, aber zumindest Seite 1 oder die ersten vier, fünf Treffer davon, die hatten ja noch Aufrufe durch die Google-Suche. Das heißt, wir haben ja viele Unternehmen und auch Medienhäuser versuchen ja, ihre ganzen Webseiten so zu optimieren, dass sie da oben auftauchen. Und das ist ja eine ganze eigene Disziplin geworden. Und das ist für Website-Betreibende tatsächlich eigentlich ein Horrorszenario, das, was Google davor hat. Weil bisher haben Webseiten irgendwelche Oberflächen generiert. Es gab eigene Wander-Apps, es gab Blogs, die sich mit Wandern beschäftigt haben und solchen Dingen, um mal bei diesem Beispiel zu bleiben. Google hat die Leute halt nach der Suchanfrage dort dann hingeschickt, zumindest zu einigen, wie du gerade schon gesagt hast. Jetzt baut Google die Oberfläche selber und das ist natürlich für Publisher, Shops, Foren, Blogs, Vergleichsportale, CreatorInnen ist das im Grunde eine Katastrophe, weil niemand mehr zu ihnen durchkommt. Das heißt natürlich, dass ich in Zukunft dann nur noch da unterwegs bin. Das ist dann das Internet. Ich weiß nicht, wie viel es bei euch früher war. Gerade für ältere Menschen war es ja manchmal so, der Browser ist das Internet. Jetzt in Zukunft ist es ein bisschen so, Google ist das Internet.
Elli:
Also ich weiß jetzt nicht, warum du das nur auf alte Menschen beziehst.
Caspar:
Für viele Menschen ist der Browser das Internet.
Elli:
Ja, das ist tatsächlich aber auch, finde ich, ganz spannend, international unterschiedlich. Es gibt auch Länder, wo einfach Social Media ganz viel hauptsächlich das Internet quasi ist. Aber ja, also habt das vielleicht im Hinterkopf, wenn ihr demnächst seht, wie sich Google weiter verändert. Kommen wir mal von den Search Agents, also von den Suchaufträgen, die Google uns jetzt bald mit ganz toller natürlicher Spracheingabe ermöglichen möchte, zu einer anderen Sache, die auch vorgestellt wurde und zwar Gemini Spark.
Caspar:
Ja, wir kommen zu den Agenten. Das sind ja selbstständig agierende KI-Programme, die eben auch die Lösungswege selbstständig irgendwie suchen. Denen kann ich eine Aufgabe geben und die in Anführungszeichen laufen dann los und sind dann erst glücklich, wenn sie es irgendwie gelöst haben. Wir haben hier schon mal ausführlich über OpenClaw gesprochen, haben den eigenen Input gewidmet. Das hat ja Anfang des Jahres auch für ziemlichen Trubel in der Tech-Welt gesorgt. Das ist nämlich der erste echte wirkliche Agent gewesen, so ein KI-Agent. Und der hat natürlich auch bei den großen Firmen im Rally für ziemliches Aufsehen gesorgt. OpenAI hat ja dann auch den OpenClaw-Entwickler eingekauft und angestellt. Ja, und auch an Google geht das nicht spurlos vorbei. Die haben entsprechende Tools gebaut. Du hast es gerade schon gesagt. Gemini Spark und das, Ist für Google insofern auch naheliegend, weil die ja mit so Diensten wie Google Mail, Google Kalender.
Caspar:
Ihrer Workspace-Dokumentenverwaltung, mit den Chats und den Dateien, die da drin liegen, die haben ja schon all das, was man eigentlich braucht, um so einen Agenten zu betreiben, nämlich ganz viel Wissen über mich. Und da werden jetzt quasi Agenten darauf gesetzt, die können das durchsuchen, können das bearbeiten und später wahrscheinlich auch mal den Chrome-Browser steuern, Webseiten besuchen und von Drittanbietertools gesteuert werden. Ja, und dann am Ende so Dinge tun, wie eine Party für mich planen, Infos aus Mails rausholen, ein Google Sheet pflegen. Zum Beispiel, wenn es um die Partyplanung geht, das war ein Beispiel, was gezeigt wurde. Wenn man eine Mail rausschickt mit einer Einladung, sobald jemand antwortet, wird in dem Google Sheet automatisch von dem Agenten das Feld auf grün, hat zugesagt, gesetzt in der Tabelle und solche Dinge. Ja, das ist jetzt das, was Google damit irgendwie mit den Agenten Neues vorhat.
Elli:
Und da sind wir wieder bei der Zwickmühle unserer Zeit. Alles, was irgendwie schön bequem gemacht wird von Firmen wie Google, bedeutet natürlich auch, ich gebe wahnsinnig viel Informationen ab und die Hoheit über Informationen, die mich betreffen. Ich muss jemandem ganz tief seine Nase in meinen Kalender stecken lassen, damit er mir dann die Erinnerungen dazu schreiben kann. Schwierig haben wir immer wieder und ich erinnere mich aber auch, dass wir bei Gemini, dass wir bei Open Claw waren. Und uns auch so ein bisschen Gedanken um das Thema Sicherheit gemacht haben. Denn wenn so ein Agent zum Beispiel irgendwie was auf meine Einkaufsliste setzen soll und vielleicht sogar Dinge bestellen kann, wie verhindere ich denn dann, dass ich nicht irgendwie was Wichtiges gelöscht bekomme oder dass er meine Zahlungsdaten an irgendjemanden, der mir eine Phishing-E-Mail schreibt, weitergibt?
Caspar:
Da ist Google nicht so richtig drauf eingegangen. Sie haben nur erzählt, dass diese Agenten in geschützten Umgebungen funktionieren sollen. Was genau das heißt, ist aber auch so ein bisschen schwammig geblieben. Und ja, du hast gerade Code Injection angesprochen, Prompt Injection. Also, dass ich eine Mail schreibe an einen Account, wo Gemini Spark irgendwie dahinter sitzt und genau das frage. Sag mal, ganz wichtig, könntest du mir ganz schnell die Kontodaten schicken? Und die stehen halt in irgendeinem Google Doc und der Agent macht das dann. Da ist Google nicht darauf eingegangen, ob sie dafür schon eine Lösung gefunden haben. Das wird also spannend mit der Zeit sich mal anzugucken. Haben die Sicherheitsfunktionen eingebaut und wenn, wie funktionieren die und funktionieren die überhaupt? Mal gucken.
Elli:
Also an der Stelle warten wir noch auf Antworten. Wo es aber schon ein paar Antworten gab, war die Frage, was macht Google so im Bereich Bilder und Videomedälle? Was gab es denn dazu?
Caspar:
Ganz viele Modelle. Und an der Stelle verweisen wir euch auf die Kolleginnen und Kollegen von Heise. Die haben einen Überblickartikel über die Modelle gemacht, weil wir jetzt nicht die ganzen neuen einzelnen Modelle aufdröseln. Das waren relativ viele. Das wäre für euch nicht so richtig interessant. Interessanter war etwas, was bei dieser Keynote auch nur ganz kurz behandelt wurde, aber wahrscheinlich ein bisschen weitreichendere Folgen hat, nämlich Synth-ID und Content-Credentials. Das sind schon wieder zwei großartige Begriffe, die hochgradig trocken und langweilig klingen. Aber ihr werdet gleich merken, dass das wichtig sein könnte und dass da was hinter steckt, was zum Thema KI-Bilder und vor allem Deepfakes, also Bilder, die mit der Realität verwechselt werden könnten, nicht ganz unwichtig sein könnte und uns die Arbeit damit oder zumindest die Erkennung erleichtern könnte.
Elli:
Ja, ich habe das jetzt mal kurz in meinem Kopf übersetzt und bin zu keiner Version zurückgekommen, kommen, die ich euch hier vortragen möchte für Synth-ID und Content-Credentials. Aber in meinem Kopf tat sich da das folgende Fenster auf. Das klingt nach was, was bei der Erkennung von Deepfakes helfen soll, beziehungsweise bei der Verifizierung von echten Inhalten.
Caspar:
Und Google möchte, und das steckt dahinter, jetzt selber zu einer KI-Prüfinstanz werden, weil Google baut ganz viele Tools, mit denen man noch leichter und noch bessere Bilder generieren kann, die aussehen wie die Realität. Videos auch, Audio auch. Musik geht inzwischen auch mit Google-Modellen und so. Ja, Google verkauft uns also quasi den Feuerlöscher, nachdem sie uns den Flammenwerfer vorgestellt haben.
Elli:
Damit muss man aber auch sagen, sind Sie aktuell im Tech-Bereich und im KI-Bereich nicht alleine. Das stimmt. Ach super. Naja, aber wir fragen doch mal direkt, wie soll denn der Feuerlöscher funktionieren, wenn da jetzt ganz kurioses Zeug kreiert werden kann?
Caspar:
Ja, also fangen wir mal mit Synth-ID an. Das ist im Grunde sowas wie ein unsichtbares Wasserzeichen, was in die KI-Bilder reingebrannt wird, wenn sie mit einer Google-KI generiert wurden.
Elli:
Neu ist das aber nicht.
Caspar:
Das gibt es schon eine Weile und laut Google wurde das inzwischen bei 100 Milliarden Bildern und Videos eingebrannt quasi und bei 60.000 Jahren an Audio-Material, was durch Google KIs erstellt wurde. Oh Schande. Ja, also ihr seht, da kommt einiges, da ist einiges generiert worden. Und wie gesagt, das ist hinterlegt und ihr seht das nicht, aber sobald man das zum Beispiel in Gemini wieder hochlädt und fragt, ist das ein KI-Bild oder nicht, dann wird dieses Wasserzeichen erkannt und die KI kann sagen, ja, das ist kein echtes Bild. Und das zweite Stichwort, was wir eben genannt haben, sind die Content Credentials. Das ist im Grunde sowas wie erweiterte Metadaten. Darüber kann man sehen, mit welcher Kamera wurde das aufgenommen. Oder wurde das KI generiert? Wurde das nachträglich bearbeitet? Wurde das zum Beispiel nur mit Photoshop bearbeitet oder ist es mit KI bearbeitet worden? Und was genau wurde bearbeitet? Wurde nur der Hintergrund ausgetauscht? Ist eine Person wegretuschiert worden? Ist eine Person hinzugefügt worden? Also das ist so ein bisschen Zusatzinfos zu den Bildern. Und mit diesen zwei Sachen, die Google in die KI-Geschichten implementiert, will man quasi Suchmechanismen oder Prüfmechanismen einbauen, um dann, wie gesagt, solche Bilder in Zukunft ein bisschen besser erkennen zu können.
Elli:
Was bedeutet das für uns? Wenn wir also in der Google-Suche sind oder im Chrome-Browser von Google, dann kann ich zukünftig auf das Bild klicken, rechtsklicken und dann gibt es da die Möglichkeit zu checken, wurde das mit KI erzeugt und Google sieht dann eben, da ist ein Wasserzeichen drauf, Content-Credentials sehen so und so aus. Ja, das ist höchstwahrscheinlich KI oder eben nicht. Ja, das ist... Mein Haken bisher war da ja immer, wenn sich ein Anbieter sowas ausdenkt, ist ja ganz nett, aber das sind ja dann nur Inhalte von einem Anbieter und man muss auch nicht markieren.
Caspar:
Nee, das sind auch weiterhin die Haken. Jetzt kann man dazu sagen, so ein bisschen ist es besser geworden, weil Google hat auch angekündigt am Dienstagabend, dass seit neuestem jetzt OpenAI, die ja auch sehr viele KI-Modelle, auch generative KI-Modelle haben und Eleven Labs, die ja vor allem für Audio-KI-Modelle bekannt sind, die beiden steigen bei ThintID und Content Credentials mit ein. Das heißt, wir haben jetzt schon drei große KI-Anbieter, die das dann unterstützen und einsetzen und das ist dann natürlich deutlich besser, als wenn das bisher nur Google macht, aber wir sind immer noch weit entfernt, dass das alle KI-Anbieter irgendwie machen und klar, wenn ich böse Absichten habe und etwas generiere, was kein Wasserzeichen enthält oder ich hinterher die Metadaten lösche und es gibt sicherlich auch Mittel, diese Wasserzeichen aus einem Google-KI-generierten Bild irgendwie zu entfernen, da werden die Leute sicherlich kreativ. Dann hilft mir auch diese ganze Verifizierungsgeschichte leider nicht.
Elli:
Ja, und gleichzeitig hat Google damit... Es schafft und sichert sich eine neue Machtposition ein Stück weit, würde ich mal sagen. Denn wenn wir jetzt mal zurückdenken an so einen Gerichtsprozess, vorher haben wir es von der Jury und von der Richterin, die ja beide zu Schlüssen kommen, aber nicht unbedingt aufeinander hören müssen. Ja, Google baut die Bildgeneration, Google baut die Prüfwerkzeuge und integriert das dann in Search und Chrome. Also ist Google Jury und Richterin in einem Schlag und sehr viel mehr Instanzen hat man dann auch irgendwie nicht.
Caspar:
Um so ein bisschen in Richtung Fazit schon vorzudringen, das alles klingt jetzt hochtrabend und sind auch teilweise sicherlich keine unschönen Funktionen dabei und manche sind ja auch sogar wirklich sinnvoll und erleichtern einem das Leben. Aber was unter allem quasi so ein bisschen liegt oder über allem schwebt, ist ein Thema, was bei Google auch aufkam, aber nicht so prominent genannt wurde, aber natürlich mit dazugehört. Und das ist Infrastruktur, weil irgendwo muss das Ganze ja laufen. Und jetzt habe ich euch ein paar Zahlen aus dieser Keynote mitgebracht, die ich persönlich nicht mehr wirklich greifen kann. Ich habe auch nicht versucht, Vergleiche zu finden und das in Fußballfelder umzurechnen, weil das irgendwie nicht funktioniert hat. Die erste Zahl ist, vor zwei Jahren haben Google-Dienste noch 9,7 Billionen Tokens pro Monat verarbeitet. Tokens, das ist quasi die Maßeinheit, in der KIs irgendwie funktionieren. Das ist quasi die kleinste Einheit. Letztes Jahr waren das, also vor zwei Jahren 9,7 Billionen, letztes Jahr waren es 480 Billionen und jetzt wird es lustig, alleine im vergangenen Monat waren es 3,2 Billiarden Tokens pro Monat und Billiarden, damit kann ich jetzt wirklich nichts mehr anfangen.
Elli:
Das, also ich bin da auch komplett raus, was die Vorstellungskraft angeht. Was ich mir aber vorstellen kann, ist, dass das teuer ist.
Caspar:
Ja, das ist nämlich der Punkt. Diese Zahl zeigt eines, das ist keine Spielerei mehr, das ist nichts Kleines mehr in der Garage, wo jemand vor sich hin entwickelt, sondern das ist riesig groß auf Konzernniveau. Google hat auch ein bisschen was zu Investitionen erzählt. 2022, hat Google gesagt, haben sie jährlich 31 Milliarden US-Dollar für Investitionen in diesem Bereich ausgegeben. In diesem Jahr erwartet Google 180 bis 190 Milliarden Dollar, also mal eben ein kleines Stückchen mehr als noch vor drei oder vier Jahren.
Elli:
Ja, das heißt also, Kosten, wo fließen die so hin? In Rechenzentren, in Strom, Chips, Netzwerke, Kühlung, Lieferkette, all das wird von Google bezahlt. Wir gucken mal, was da am Ende auch die Geschäftsmodelle von Google dann sind und wie sich das so, muss ich auch irgendwann rechnen. Und wir sehen eben, auch wenn das auf der Bühne Shiny Shiny Marketing war, dahinter steckt, dass es quasi, wir gehen auf die Rückseite der Bühne und sehen, da ist ganz schön viel Requisite, würde ich mal sagen.
Caspar:
Ja, weil Google hat dadurch natürlich einen entscheidenden Vorteil, wenn man auf die Infrastruktur guckt. Sie entwickeln nicht nur KI-Modelle und einzelne KI-Chips, sondern sie haben auch ganze Rechenzentren. Sie haben ein eigenes Betriebssystem, in welches KI implementiert werden kann mit Android. Sie haben eigene Browser mit Chrome. Sie haben eigenes Mail-Programm. Sie haben YouTube. Sie haben einen Kartendienst. Sie haben Workspaces. Und sie haben in allem zusammen eine Milliarde an Nutzerinnen und Nutzern. Das heißt, Google ist nicht nur eine Firma, die eine Sache anbietet und Software entwickelt, sondern sie haben die gesamte Verwertungskette quasi in einem. Und das hebt sie natürlich ganz stark von anderen Unternehmen ab und macht sie nicht mehr nur noch zur guten alten Suchmaschine, sondern im Gegensatz zu JGPT weit, weit, weit mehr, weil wir die Konkurrenz ja schon angesprochen haben oder klaut. Und ja, und das heißt natürlich aber auch, wer die Infrastruktur kontrolliert, wer die Produkte und die Reichweite irgendwie hat und überall einbauen kann. Ja, das ist dann eine ganz klare Machtfrage. Der ist ziemlich gut unterwegs, was das betrifft.
Elli:
Kurze Ergänzung oder einmal noch, wir spulen geistig einmal ganz kurz zurück. Du hattest gesagt, eine Milliarde Nutzer. Wir sprechen aber von Milliarden. Oh, Entschuldigung.
Caspar:
Ja, eine Milliarde.
Elli:
Das, also das ist, es wird nur größer.
Caspar:
Ja, das stimmt.
Elli:
Ja, wir kommen mal wieder ein bisschen zum Anfangsgedanken zurück, wo wir auch anklingen lassen haben, dass Google so ein bisschen... Versucht hat in den letzten Monaten und in der letzten Zeit insgesamt und jetzt auch mit dieser Keynote eben so ein bisschen anzustinken gegen große KI-Modelle, wo man irgendwann auch mal gesagt hat, ach ja, sowas wie Chat-TPT, das löst Google jetzt vielleicht ab oder das bringt Google in Bedrängnis. Diese Keynote war jetzt eben Googles Aufschlag, um zu zeigen, wir sind nicht abgehängt, wir entwickeln uns weiter und das und das kommt.
Caspar:
KI hilft in Zukunft bei der Suche. Sie erledigt nervige Aufgaben, sie erkennt gefalschte Inhalte, sie navigiert uns durch die Welt. Sie sitzt bald in smarten Brillen, die haben wir noch gar nicht angesprochen, die haben wir auch so ein bisschen weggelassen, die hat Google nämlich auch noch gezeigt. Da wollen wir aber jetzt auch nicht zu tief drauf eingehen. Überraschung, die sind mit einem Brillenhersteller und einem Designer zusammen. Das ist alles kein Blödsinn, was da vorgestellt wurde. Im Gegenteil, manches ist davon ja wirklich beeindruckend und wird auch nützlich sein. Aber wir müssen, und das haben wir auch schon mit der Machtfrage geklärt, einfach genau drauf gucken, was das alles so drumherum heißt und was Googles Schritt von einer Suchmaschine und Tor zum Internet hin zu dem Internet quasi wird.
Elli:
Apropos smarte Brillen, an der Stelle eine Empfehlung. Ich glaube, es war eine Doku von der ARD zum Thema smarte Brillen. Wenn ihr die anschaut, dann braucht ihr das, was jetzt bei uns als nächstes in der Sendung kommt, nämlich danach erstmal eine gute Nachricht.
Caspar:
Das ist auch vielleicht schon ein gutes Stichwort. Ich glaube, wir haben genug zu Google gesagt. Wie gesagt, wir behalten das im Blick und werden uns im Juni dann auch nochmal damit beschäftigen, was Apple so macht. Die werden nämlich mit Google stark zusammenarbeiten im KI-Bereich. Da gucken wir dann am 8. Juni nochmal drauf. Bis dahin soll das Thema aber erstmal ruhen und es wird Zeit für eine gute Nachricht.
Elli:
Wir bleiben bei KI, aber wir gehen weg von Search Agents und Large Language Models und Video- und Fotogenerationen, sondern wir gehen hin vom Consumer-Bereich, also von uns als Verbrauchern hin zur Forschung. Da passieren nämlich auch spannende Dinge mit Algorithmen und unsere Good News kommt diesmal aus dem Bereich Medizin.
Caspar:
Und es geht aber diesmal nicht um KI, die zum Beispiel Brustkrebs oder solche Dinge erkennt, sondern es geht um den Bereich Medikamente. Und bei Medikamenten ist es ja so, dass bevor das in Versuche mit menschlichen ProbandInnen geht, das wissen wir alle, verdrängen das aber oft so ein bisschen, da finden ja dann meist zahlreiche Tierversuche statt. Und zwar sogenannte präklinische Versuche und dort kommen dann Mäuse zum Einsatz. Und ihr ahnt es, wenn man bisher ungetestete Medikamente an Mäusen ausprobiert, das ist häufig qualvoll für die und endet meistens auch im Tod beziehungsweise die Mäuse werden spätestens nach den Versuchen dann auch getötet. Ja, aber da, bisher ist es noch keine so richtig gute Nachricht. Elli, wie kann da KI helfen?
Elli:
Entwickler in der Uni Marburg, der Uni Frankfurt und des Fraunhofer-Instituts für Translationale Medizin und Pharmakologie arbeiten an KI-Prozessen, mit denen sich die Zahl der Tierversuche verringern lässt, beziehungsweise die Zahl der Tiere, die in so einem Versuch zum Einsatz kommen müssen. Wir brechen mal runter, wie das Ganze funktionieren soll. Ein Programm namens GenESOM analysiert erhobene Datensätze und erweitert sie dann auf Basis der Analyse um Zusätzliche Datenpunkte. Die guckt sich also an, wie sehen diese Datensätze, die ich habe, aus und zieht daraus, das ist ja das, was KI macht, zieht daraus die Schlüsse, was wäre quasi das nächste logische Puzzleteil, was auch passen könnte. Diese ergänzten Datenpunkte, das zeigt die Forschung jetzt eben, sind auch dank eingebauter Fehlerkorrektur so passend, als wären sie tatsächlich in zusätzlichen Experimenten erhoben worden. Also die Puzzleteile, die sich die KI dann quasi zusammen überlegt aus dem, was sie da vorgelegt bekommt, die passen auch wirklich. Und damit könnte GenESOM, also das Programm, dafür sorgen, dass bei einem Experiment eben deutlich weniger Versuchstiere als bisher gebraucht werden, um trotzdem eine ausreichend große Datenbasis zu bekommen.
Caspar:
Das Aber hast du jetzt aber schon im Halbsatz mit drin gehabt, weniger Versuchstiere. Das heißt nicht, dass es gar keine Tierversuche in diesem Fall mehr geben kann, sondern es wird versucht, dass die Tierversuche weniger werden. Die PAI braucht ja ein Minimum an Daten, was sie dann, die sie aufbauen kann und weiter prognostizieren kann, um sich sinnvoll orientieren zu können und diese Berechnung durchzuführen. Aber immerhin, und das ist das Positive, laut den Forschenden können durch die Modelle 30 bis 50 Prozent weniger Tiere in den Versuchen für die Entwicklung neuer Medikamente gebraucht werden. Und das ist ja schon mal eine gute Nachricht.
Elli:
Genau, damit entlassen wir euch auch aus dieser Sendung. Ja, ist so eine halbgute Nachricht, aber immerhin. Und auch mal was, wo man sagt, okay, hier geht es nicht darum, dass KI irgendwelche E-Mails liest und dann irgendwelche Erinnerungen schreibt, sondern es geht wirklich um Dinge vielleicht, die die Menschheit ein bisschen besser gebrauchen kann oder auch in dem Fall die Tierwelt. Ja, damit würde ich mal sagen, machen wir einen Deckel für heute drauf.
Caspar:
Ja, es war schön, dass du wieder da bist, Eddie. Nächste Woche muss ich wieder mit Stella vor dir nehmen. Das klingt jetzt unglaublich traurig.
Elli:
Ich wollte gerade sagen, also entschuldige mal.
Caspar:
Stella, falls du uns zuhörst. Nein, so war das nicht gemeint. Nächste Woche sind wir auch nicht zu dritt, wollte ich eigentlich damit sagen.
Elli:
Ich wollte gerade sagen, nächste Woche musst du wieder auf mich verzichten. So.
Caspar:
Ja, so rum. So rum hätte ich sagen müssen. Mein Gott, ich bin aber auch.
Elli:
Genau. Aber ich bin so ein bisschen wie Kai aus der Kiste. Man weiß nicht so ganz, wann ich wieder dabei bin. Doch, wir wissen das schon. Wir haben nicht einen Kalender, wo das drinsteht. Aber ja.
Caspar:
Ja gut. Kai, dann wünsche ich dir noch einen schönen Abend. Hörerinnen und Hörern auch.
Elli:
Ja, eine schöne Woche, wenn ihr uns zu Ende gehört habt. Und ein schönes, langes Wochenende vielleicht, wenn ihr uns vor dem Pfingstwochenende hört.
Caspar:
Stimmt, ist ja auch noch. Der Mai ist wirklich, ich hätte mit fünf Tagen Urlaub, hätte man im Mai 30 Tage freinehmen können.
Elli:
So ähnlich.
Caspar:
Ich habe es nicht gemacht, das ist selber schuld. Egal, an der Stelle, ich gehe jetzt in mich, warum ich keinen Urlaub genommen habe. Und alle anderen denken das auch nochmal. Und wir hören uns nächste Woche wieder.
Elli:
Bis dahin. Macht es gut. Tschüss.
Caspar:
Tschüss.
Jingels:
Das war es schon wieder für diese Woche. Folgt oder abonniert uns gerne in eurer Podcast-App und lasst uns dort eine Bewertung da. Das hilft uns sehr. Bis zum nächsten Mal.