Ausgelöst durch aktuelle Fälle von Identitätsdiebstahl und Deepfakes wird erneut diskutiert, wie viel Anonymität online sinnvoll ist. Wir schauen auf die Argumente für oder gegen Dinge wie Klarnamenpflicht und Identifikation, den aktuellen rechtlichen Stand und warum viele die Diskussion für eine Nebelkerze halten.

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Stella:
Hallo, schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt zu einem wilden Ritt durch verschiedene Tech-Themen, die wir für euch mitgebracht haben, wie jede Woche. Wir haben natürlich ein Update, was sehr überraschend ist und wo ich gedacht habe, nächste Woche hätten wir das vielleicht auch so am 1. April dann aufzeichnen können, wisst ihr? Da hätte man auch kurzzeitig überlegen können, ob es ein April-Scherz ist. Aber dazu gleich mehr. Erstmal, wer sind wir eigentlich? Caspar nickt bestätigend. Hallo Caspar.

Caspar:
Hallo, hallo. Live aus Brüssel zugeschaltet, aus dem Hotelzimmer. Ich habe ein bisschen Sorge, was das WLAN betrifft. Falls ich zwischendrin mal weg bahne, lag es einfach da dran. Allerdings ist es belgisches WLAN. Das kann also nur besser sein als deutsches Hotel-WLAN.

Elli:
Direkt geroasted.

Caspar:
Ja.

Stella:
Ihr hört außerdem Elli natürlich zugeschaltet mit hannoverischem WLAN, würde ich mal schätzen.

Elli:
Ja, hallo, guten Tag. Bisher sieht es nicht so aus, als ob wieder jemand bei uns auf der Leitung sitzen würde. Wir haben nämlich vielleicht jetzt hier vor dem Aufzeichnen des Podcasts schon so ein bisschen privat miteinander geschnackt oder geratscht, wie man in Bayern sagen würde. Und das hat gut funktioniert. Also von daher sind wir mal optimistisch, dass das alles hier läuft.

Stella:
Und müssen uns jetzt vielleicht auch sehr auf unsere Tech-Themen fokussieren, um nicht abzudriften. Ich bin Stella und ich habe jetzt Glasfaser, das klingt jetzt wie in so einer Selbsthilfegruppe. Aber da wir alle über unser Internet geredet haben, möchte ich an der Stelle sagen, auch diese Leitung sieht stabil aus. Und wir haben leider noch keinen externen Korrespondenten in Brüssel. Vielleicht kommt das ja eines Tages.

Caspar:
Silicon City Studio in Brüssel. Ja, mal gucken.

Stella:
Aber trotzdem, wir haben Tech-Themen weltweit und wir steigen ein mit einer, ja, einer quasi Breaking News, die ganz überraschend in den Updates um die Ecke kam.

Caspar:
Ja, und die habe ich heute Morgen in der Metro tatsächlich gesehen. Bei den Kolleginnen und Kollegen von Heise war das quasi eine Breaking News morgens. Und die dann auch den Tag über mit den Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich gesprochen habe, auch so Thema quasi des Tages war. Denn es kommt ein bisschen überraschend. Worum geht es? OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, die hat ja auch eine Videoplattform. Sora nennt sich die. Und erst vor einigen Monaten ist auch Sora 2 erschienen, das neueste Modell. Und die Nachricht ist jetzt, Sora wird mit sofortiger Wirkung eingestellt. Also tatsächlich ist jetzt Geschichte, man wolle sich stattdessen auf das Kerngeschäft konzentrieren, also damit ist dann wahrscheinlich wohl Chat-GPT gemeint. Ja, und das Aus kommt wohl auch nicht nur für die Öffentlichkeit relativ überraschend, sondern auch intern für die Belegschaft. Denn es ist wohl so, das schreibt Heise, dass das Sora-Team noch an Projekten gearbeitet hat bis vor wenigen Tagen. Und es ja auch eine Zusammenarbeit mit Disney geben sollte, wo dann Disney-Charaktere, zum Beispiel Marvel-Charaktere in Sora generierbar gewesen wären. Das ist wohl ein Milliardendeal gewesen und der ist jetzt auch geplatzt. Dementsprechend kam das doch für mehrere Seiten überraschend.

Elli:
Also ich bin mal gespannt, ob wir da in der nächsten Woche nicht vielleicht noch ein Update zu geben können, weil irgendwie, irgendwie, das hat so, das riecht so ein bisschen nach was Komischem. Ja, irgendwas. Das ist so plötzlich alles.

Stella:
Also es soll ja so sein, dass das Team, was eben Ansora, wie Caspar beschrieben hat, quasi bis zur letzten Sekunde gearbeitet hat, jetzt in den Bereich Robotik geht. Dann gibt es auch noch die Rumors, dass OpenAI quasi so eine All-Over-App mit Browser und allem drum und dran raushauen möchte. Also Elli, ich kann verstehen, woher dein Bauchgefühl kommt.

Caspar:
Ja, was auch noch nicht so richtig klar sind, die Gründe, ob man sich da nicht so richtig zu geäußert hat, eine Vermutung, die viele Expertinnen und Experten haben und die naheliegt, ich finde sie auch naheliegend, dass Sora einfach sehr viel Geld frisst, also ich habe jetzt keine konkrete Zahl, aber so ein Beispiel, man spricht oft davon, dass KI, wenn es zum Beispiel 1 Dollar einnimmt als KI-Unternehmen, dass man dafür 5 Dollar ausgeben muss, zum Beispiel an Energiekosten und Entwicklungskosten, das ist jetzt nicht auf Sora bezogen, deswegen Vorsicht, Aber Sora wird auch sehr viel teurer sein als das, was sie damit eingenommen haben. Oft war das ja auch kostenlos irgendwie nutzbar. Dementsprechend wird das wahrscheinlich einfach an Ressourcen und Geldmangel dann gelegen haben, dass man gesagt hat, okay, jetzt ziehen wir den Stecker. Aber das ist wie gesagt eine Vermutung. Mal gucken, ob wir nächste Woche noch ein bisschen mehr Begründung bekommen haben.

Stella:
Und wir haben aber noch ein Update für euch mitgebracht. Es geht um ein rein digitales Identifizierungsverfahren. Tolles Wort, ne? E-Pass heißt das Ganze, was steckt denn dahinter?

Elli:
Ja, also wenn ihr eine elektronische Patientenakte habt, dann könnt ihr euch ab dem 25., wir nehmen heute am 25. Auf, März, wir haben es tatsächlich noch nicht getestet, dort rein digital identifizieren und zwar mit den NFC-Daten im Personalausweis. Das heißt, wenn ihr die Digitalfunktion bei eurem Personalausweis aktiviert habt, kann man auf dem Amt machen lassen und dann kriegt man so einen PIN, den man auch gerne mal verlegt, habe ich gehört. Da muss man sich vom Amt einen neuen machen lassen. Sprichst du aus Erfahrung? Wenn man diesen PIN aber hat, dann kann man seinen Personalausweis an das Smartphone legen oder halten. So ein Smartphone hat meistens so einen NFC-Kartenleser mit drin. Außer so Uraltmodelle. Also mit eurem Nokia-Tastenhandy funktioniert es nicht. Aber mit den meisten aktuellen Smartphones sollte es gehen. Und dann kann man sich eben zur elektronischen Patientenakte Zugang verschaffen, indem man einfach mit dem Personalausweis sich ausweist. Fand ich ganz spannend. Wenn ihr es also demnächst mal versucht und da rein wollt in die EPA, dann sagt uns doch gerne Bescheid, wie das so geklappt hat.

Stella:
Vielleicht müssen wir das dann auch noch mal bis nächste Woche testen. Aber das war es mit den Updates. Mir fällt jetzt keine gute Überleitung ein, weil das ist zu dem WTF jetzt so ein großer Schwenk. Weg von elektronischen Patientenakten rüber zu Google, die was wirklich sehr Fragwürdiges machen.

Jingles:
WTF?

Caspar:
Frage, ihr kennt doch sicherlich alle, also von euch beiden weiß ich es von unseren Zuhörerinnen und Zuhörern nicht unbedingt, aber wahrscheinlich viele davon kennen diesen News-Bereich bei Google. Also wenn ihr da was eingebt, ein Thema, meinetwegen, ich habe jetzt für unser Beispiel mal die Deutsche Bahn genommen, weil wir ja vergangene Woche über Transrapid gesprochen haben, ich bin im Zug-Thema drin, ihr merkt es. Wenn man das da eintippt und dann in den News-Bereich geht bei Google, dann tauchen da ganz viele Nachrichten. Nachrichtenbeiträge auf. Das kennt ihr nämlich mal stark an.

Elli:
Wer sich gerade fragt, wo ist er denn, dieser News-Bereich, wenn ihr im Browser oben in die Suchleiste was eingibt bei Google, dann kommen da drunter so kleine Reiter, KI-Modus, alle Suchergebnisse, Videos, Bilder, News und so weiter. Man kann eben die Suche entsprechend filtern.

Caspar:
Genau. So, und in diesem News-Bereich tauchen dann je nach Thema, also passend zu den Themen verschiedene Artikel auf. Ihr seht dann immer die Überschrift, Ihr seht einen Teaser zu dem Artikel und ihr seht ein Artikelbild. Das stammt alles aus dem Artikel in der Regel. Das sage ich jetzt gleich schon dazu. Warum kommen wir gleich zu? Das heißt, die Überschrift, die dort steht, die wählt das Medium aus. Also in unserem Beispiel war da jetzt ein Artikel zum Thema Deutsche Bahn vom MDR. Da ist ein Vergleich mit der Deutschen Bahn und der Bahn in Schweiz gewesen. Ein Artikel der SZ über eine Streckensperrung oder vom RBB, dass die S-Bahn über Ostern in Berlin gesperrt ist. Die Überschrift, der Text, also dieser Teaser und das Bild kommen wie gesagt jeweils von dem Medium. Google zeigt das in dieser News-Übersicht einfach nur an.

Elli:
Genau, da hat sich also jemand Gedanken gemacht, wie können wir das kurz und knackig, aber sachlich richtig formulieren. Betonung liegt in dem Fall auf sachlich richtig. Wir gehen nämlich jetzt raus aus dem, was die Verlage sich überlegt haben oder die zuständigen RedakteurInnen, Online-RedakteurInnen, SEO-Manager, was auch immer, also wer da das halt optimiert hat und gucken zu Google. Die haben sich nämlich gedacht, das können wir doch auch.

Caspar:
Ja, und haben sich überlegt, und in dem Fall muss man das jetzt so formulieren, dass sie vielleicht da so ein bisschen drin herumfuschen in dieser Übersicht an News-Themen. Und zwar, wie könnte es anders sein in der aktuellen Zeit mit KI? Was genau ist passiert? Google hat wohl getestet, wie sie diese Überschriften von diesen Nachrichtenartikeln in den Suchergebnissen mithilfe von KI verändern und ihrer Meinung nach verbessern können. Und betroffen sind dabei Inhalte, vor allem von journalistischen Online-Artikeln. Das Schlimme daran ist, wir haben es ja gerade gesagt, normalerweise legen die Medienhäuser selber fest, was da als Überschrift steht. In dem Fall haben das jetzt, wie gesagt, in der Google-KI geändert und teilweise ist da kompletter Quatsch plötzlich gestanden, beziehungsweise der Inhalt des Artikels hat sich quasi gedreht.

Elli:
Also Googles KI bastelt mal ein bisschen an den Überschriften rum. Die Medienhäuser können das auch nicht irgendwie ändern. Und jetzt kommt es, wir als User sehen auch nicht, ist das die Originalüberschrift oder wurde das verändert? Warum wissen wir das alles? Das US-Tech-Magazin The Verge hat das beobachtet und auch mehrere Fälle dokumentiert.

Stella:
Jetzt könnte man ja aber sagen, hey, vielleicht hat das ja total geholfen mit KI optimiert irgendwie, vielleicht sind die KI-Überschriften verständlicher, sie passen besser zur Suchanfrage und genau das hat sich The Virtue auch angeguckt.

Caspar:
Und hat festgestellt, leider nicht. Ein Beispiel, was Sie sehen, mehrere Beispiele, ein Beispiel in dem Artikel, was Sie erwähnen, ist eine kritische Überschrift über ein KI-Tool. Die Überschrift war auch kritisch, sodass ich als Leser oder Leserin sofort merke, okay, das ist ein kritischer Artikel, den klicke ich jetzt an und dann merke ich das. Diese Überschrift wurde neutral bzw. sogar so umformuliert, dass sie plötzlich werbend klang. Wir kennen das ja ganz oft, dass KI, wenn ihr zum Beispiel einer KI sagt, sie soll irgendeinen Text formulieren, dann klingt der ganz oft werblich oder besonders positiv, weil die schlicht und ergreifend darauf trainiert sind. Und scheinbar ist diese Überschrift in KI von Google entsprechend auch so gewesen. Was wir nicht wissen ist, wie viel Google darum experimentiert hat, wie viele Medienhäuser davon betroffen waren, Welche Länder davon betroffen waren? Es ist wohl so, dass das erstmal nur für bestimmte NutzerInnen oder Regionen verfügbar war. Was wir durch The Verge wissen, ist, dass jetzt definitiv zum Beispiel die USA und eben Tech-Artikel betroffen waren.

Elli:
Man hat dann natürlich nachgefragt bei Google, ja, wie sieht es denn aus? Und tatsächlich hat Google zumindest für die USA eben auch bestätigt, dass man da eben ein Experiment macht. Das Ziel ist so ein bisschen eine bessere Anpassung von Überschriften an Suchanfragen, die User eben in die Suchzahle eingeben und eine höhere Interaktion. Und dann gab es da noch ein Versprechen und Caspar, du hast schon geschrieben, du findest das verwirrend. Was ist denn das Versprechen?

Caspar:
Also ich zitiere mal kurz Google, sollten wir tatsächlich etwas auf der Grundlage dieses Experiments auf den Markt bringen, würde dabei kein generatives Modell verwendet werden und wir würden keine Überschriften mit generativer KI erstellen. Und da bin ich jetzt maximal verwirrt. Also wenn wir etwas rausbringen würden, was Überschriften verändern würde, würden wir das aber ohne KI machen. Hä, sitzt dann da ein Mensch bei Google und passt das händisch an in dem Moment, wo ich eine Suchanfrage erstelle oder wie? Also ich glaube, Google hatte dieses Experiment einfach ausgerollt, hat gehofft, dass es niemand merkt und ist dann doch dummerweise auf Journalistinnen gestoßen, die das bemerkt haben und rudert jetzt so ein bisschen zurück und ich finde das alles ganz seltsam, ehrlicherweise.

Stella:
Naja, aber Zurückrudern, The Verge, da geht es ja genau um das Thema, dass die Überschriften auch KI generiert sind. Also alleine das ist ja schon dann zu sagen, man macht ein Experiment, weiß ich nicht. Ich bin bei Caspar, ich finde es verwirrend. Hat auch so ein bisschen, man würde sich wünschen, es ist auch so ein erstes April-Ding, aber es ist halt erst nächste Woche, also auch das ist kein April-Scherz, sondern wirklich etwas, was gerade passiert und das natürlich auch einfach aus Transparenzgründen, dass man gar nicht genau weiß, ja, wie der Umfang ist, das ist eigentlich, ja, unfassbar.

Caspar:
Ja und da muss man auch sagen, dass die Medienbranche, vor allem die journalistischen Medienhäuser natürlich da besonders herhörig schon sind, weil Google und Co, also es betrifft jetzt nicht nur Google, auch ChatGPT, Gemini von Google, aber auch Claude, da gibt es eine Studie, die ist beauftragt worden, die ist von mehreren europäischen Medienhäusern gemacht worden. Die haben ja geguckt, wenn Nachrichtenquellen von europäischen Medienhäusern in diesen Chatbots zitiert werden, dann war rund 45 Prozent dieser Antworten mit mindestens einem gravierenden Fehler und als Quelle stand halt entsprechend dann die Nachrichtenquelle in diesen Chatbots. Chatbots und das wiederum ist natürlich für die Medienhäuser auch nicht toll, weil auch da ich als Nutzerin und Nutzer von so einem Chatbot nicht sehe, dass die KI den Fehler gemacht hat und nicht der Nachrichtenartikel und niemand macht sich mehr die Mühe, klickt dann auf den Nachrichtenartikel, liest sich den in Ruhe durch, stellt dann fest, das stimmte gar nicht. Das heißt, diese ganze KI-Geschichte und auch Google-KI-Zusammenfassung, das ist alles gerade nicht so glücklich, was Google da macht und die Medienhäuser finden das auch nicht so richtig schön.

Stella:
Und was Caspar gerade angesprochen hat, die Studie findet ihr dann auch verlinkt in den Shownotes zum Nachschauen. Das wäre jetzt eigentlich schon fast ein guter Auftakt für den Input, dass wir uns das auch mal anschauen. Vielleicht tun wir das in einer der folgenden Folgen, weil in dieser haben wir uns für das Thema Klarnamenpflicht entschieden und damit werden wir uns jetzt die nächsten Minuten beschäftigen.

Elli:
Input Ich muss dazu sagen, wir haben über diesen Input den Titel Klarnamenpflicht gute Idee oder eher nicht gestellt. Aber wie das manchmal so ist im Journalismus, wenn man zu einem Thema recherchiert und sich schlau macht und sich reinliest, dann kommt man vom Hölzchen aufs Stöckchen. Und deswegen haben wir ein paar zusätzliche Dinge zu den Klarnamen mit drin. Es geht unter anderem auch darum, um die Frage Identität nachweisen, wenn man sich zum Beispiel bei Social Media anmeldet. Was halten wir davon oder was gibt es da für Meinungen? Aber für das Thema Klarnamen habe ich euch ein Zitat mitgebracht, das ist ein paar Wochen alt schon. Und das geht so. Und ihr könnt mal gleich sagen, ob ihr es erkennt. Ich möchte Klarnamen im Internet lesen. Ich möchte wissen, wer sich da zu Wort meldet.

Caspar:
Ich hätte es nicht gewusst. Es steht jetzt im Doc, deswegen weiß ich es.

Elli:
Ja, dann sag mal hier.

Caspar:
Also es war unser Bundeskanzler Friedrich Merz, der das gesagt hat und auch schon vor einigen Monaten oder vor einem Monat, aber ich habe tatsächlich, dass die Diskussion nicht mehr bekommen und das auch nicht gewusst ist, von ihm stammt. Das stammt, das Zitat.

Elli:
Doch, doch. Herr Merz, da ging es dann auch darum, er meinte dann unter anderem, dass gerade Menschen, die viel Transparenz fordern würden, gerne mal im Internet anonym unterwegs sein. Ah, okay. Und also insgesamt das Thema Klarnamen, er möchte wissen, wer sich da zu Wort meldet. Und wenn euch das Ganze jetzt irgendwie bekannt vorkommt, Klarnamenpflicht und ihr euch fragt, warum ziehen wir das jetzt aus der Schublade? Und auch wenn wir sagen, die Aussage von Herrn Merz ist schon ein paar Wochen alt, warum denn jetzt ein Input? Ja, dazu kommen wir gleich.

Caspar:
Stichwort Transrapid, Stichwort Chat-Kontrolle. Die Klarnamenpflicht ist so ein drittes Thema, was immer wieder auftaucht.

Elli:
Ja, man könnte sagen, die ist fast so alt wie Social Media oder vielleicht noch älter. Ich habe es nicht ganz bis in die tiefen, tiefsten der Vergangenheit zurückverfolgt.

Caspar:
In die Steinzeit bist du nicht zurückgegangen.

Elli:
Und ein kleiner Spoiler, sowohl bei der Chatkontrolle als auch beim Transrapid haben wir ja schon mal das Stichwort Nebelkerzendiskussion mit in den Raum geworfen. Vielleicht kommen wir da bei der Debatte um die Klarnamenpflicht auch noch zu. Aber lasst uns mal mit den Basics starten.

Stella:
Es geht nämlich nicht nur um Herrn Merz, wo Elli ja schon diesen Aufhänger mit Zitat mitgebracht hat, sondern das Thema könnte jetzt auch nochmal Fahrt aufnehmen oder hat es teilweise auch in Teilen schon durch den Fall Colleen Fernandes. Kurz zusammengefasst, laut Colleen Fernandes, einer Moderatorin und Schauspielerin, wurde ihr online die Identität geklaut. Jemand gab sich über Jahre als die Schauspielerin aus, startete über diverse Fake-Profile-Chats mit Männern aus ihrem Umfeld und teilweise ging das Ganze auch zu Telefonsex über. Und in den Chats wurden zudem intime Aufnahmen verschickt, die so aussahen, als wären sie von Fernandes gemacht oder würden sie eben auch zeigen. Und der Spiegel hat dazu in der letzten Woche eine ausführliche Recherche veröffentlicht. Die packen wir euch auch in die Shownotes. Aber da schon ein Hinweis, um die Frustrationsgrenze zu senken, das ist ein Artikel hinter der Paywall.

Elli:
Tja, gegenüber dem Spiegel hat Fernandes auch berichtet, dass ihr Ex-Mann Christian Ulmen, der ist auch Schauspieler, ihr gegenüber gesagt haben soll, dass er diesen Identitätsdiebstahl begangen habe. Jetzt muss man an der Stelle auch sagen, Ulmens Anwälte weisen das sehr, sehr vehement zurück. Insgesamt ist die rechtliche Lage im Fall komplex. Lest euch also gerne nochmal, wenn es euch das weiter interessiert, in die Details ein.

Stella:
Und Fernandes wird verstärkt zum Gesicht jetzt gerade auch nochmal für die Debatte rund um Deepfakes. Also Deepfakes, um das festzuhalten, sind eben mit KI generierte Inhalte und auch um das Thema Schutz der sexuellen Selbstbestimmung im digitalen Raum. Man muss aber auch dazu sagen, dass es sich schon seit Jahren eben gegen Deepfake-Pornografie einsetzt.

Caspar:
Genau, also Deepfake sind vor allem Inhalte, die vorgeben, die Realität zu sein tatsächlich, aber wie du ja gesagt hast, KI generiert sind, also zum Beispiel das Gesicht von jemandem auf einen anderen Körper drauf montieren, wäre so zum Beispiel ein Fall von Deepfake. Jetzt muss man sagen, die Klarnamenpflicht ist nur eines der Themen, die da mit besprochen werden, weil das Ganze ist rechtlich insofern sowieso so ein bisschen bedenklich, weil wir in Deutschland kein echtes Gesetz dagegen haben. Wir haben mehrere Gesetze, die so ein bisschen anwendbar wären, zum Beispiel Recht auf eigenes Bild, aber wir haben zum Beispiel kein Gesetz gegen digitale Gewalt, das soll jetzt kommen, das ist jetzt gerade wieder mal in der Diskussion durch diesen Fall auch aufgekommen, Bundesjustizministerin Stefanie Hubig von der SPD hat sich dazu auch geäußert und rund um diese Gesetze mit der digitalen Gewalt und rund um diese ganze Debatte kommt auch immer wieder, und da haben wir wieder das Thema, es kommt immer wieder auch dieses Thema Klarnamen auf.

Elli:
Es geht jetzt wirklich um dieses Gesetz, was Frau Hubig eben jetzt beschleunigen möchte, dass das kommt. Den Entwurf haben wir schon. Da soll jetzt eben noch diskutiert werden und so weiter. Und dann möchte man unter anderem bis zu zwei Jahre Haft festlegen für das Herstellen, Teilen und Verbreiten von nicht einvernehmlichen, intimen Deepfakes. Das steht da unter anderem mit drin. Und was Frau Hubig da auch mit reinnehmen möchte, ist eine bessere Durchsetzbarkeit des Ganzen. Sie will nämlich ermöglichen, dass IP-Adressen, von denen Postings abgesetzt werden, drei Monate gespeichert werden. Und dass man dann, wenn man eben ein Posting sieht, was zum Beispiel vorgibt, dass man selber das gemacht hat, dann soll man Auskunft beantragen können über den Inhaber einer IP-Adresse. Und im zweiten Schritt auch eine Accountsperrung beantragen und gerichtlich anordnen lassen können.

Caspar:
Wieso das so ein bisschen mit den Klarnamen auch, also warum das mit reinspielt, da kommen wir gleich noch zu, zum Thema IP-Adressenspeicherung, das wird auch noch ein bisschen deutlicher werden.

Stella:
Vielleicht, um das auch mit dem aktuellen Fall, den wir gerade angesprochen haben, von Colleen Fernandes mit zu verknüpfen, sie selbst spricht sich auch für eine Identifikationspflicht im Netz aus, aber da gehen wir auch gleich nochmal drauf ein, weil es ist auch wichtig, Identifikation bedeutet nicht Klarnamenpflicht, das ist auch nochmal ein wichtiger Unterschied.

Elli:
Genau, die Überlegung von Colleen Fernandes ist eben, wenn man sich beim Erstellen von einem Social-Media-Account identifizieren müsste, zum Beispiel mit dem Personalausweis, dann hätten diese Fake-Profile, die ja auf ihren Namen gelaufen sind oder die vorgegeben haben, sie zu sein, hätten vielleicht gar nicht erstellt werden können. Das ist so ihre Hoffnung zumindest. ist.

Stella:
So, bis jetzt haben wir gesagt, der bis jetzt Klarnamen war noch nicht im Fokus, aber trotzdem reden wir heute drüber. Ich glaube, das müssen wir noch einmal klarziehen. Was hat das denn jetzt alles mit dieser Klarnamenpflicht zu tun?

Elli:
Sowohl bei der Klarnamenpflicht, die ja Herr Merz vor einem Monat gefordert hat und die davor auch schon häufig gefordert wurde in unterschiedlichsten Kontexten, als auch die Identifikationspflicht, die jetzt unter anderem von Colin Fernandes in den Raum geworfen wurde. Dabei geht es um die Frage, wie kann man Menschen für das, was sie online tun, besser, vermeintlich besser zur Rechenschaft ziehen? Und wie viel Anonymität quasi ist, als im Netz vertretbar und wo müssen Behörden oder Plattformen Bescheid wissen, wer sich da wie äußert. Bei diesem Identitätsnachweis sind wir eben noch auf dem Status, dass man den zum Beispiel auch nur gegenüber den Netzwerkbetreibenden machen muss. Und dann könnte man weiterhin den Username XY wählen. Wenn man jetzt aber zum Beispiel sagen will, wir machen nur die Klarnamenpflicht, Naja, könnte man überlegen, ist Colin Fernandes nicht auch ein Klarname, den man dann irgendwie fälschlicherweise angeben kann? Naja.

Stella:
Also, wir haben ja schon erwähnt, dass die Klarnamendebatte an sich schon echt ein alter Hut ist. Und deswegen haben wir euch quasi aus der fernen Vergangenheit, sofern ist sie auch nicht, ein Zitat mitgebracht. Und zwar aus dem Jahr 2020.

Elli:
Ich hätte auch noch weiter zurückgehen können. Ich sag's mal so, ich hatte da schon welche liegen. Aber ich hab jetzt mal Wolfgang Schäuble gewählt. Der hat im Januar 2020, damals noch als Bundestagspräsident, Folgendes gesagt. Die Regeln und Werte, die in der analogen Welt gelten, müssen auch in der digitalen Welt gelten. Dazu passt Anonymität nicht. Das hat er gegenüber der BILD am Sonntag gesagt.

Caspar:
Dorothee Bär, damals Digitalministerin, die hat 2020 davon nicht so viel gehalten. Zitat, sie hält 0,0 davon. Sie beobachtet nämlich auch wieder, Zitat, die schlimmsten Drohungen, Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen, sind unter Klarnamen. Also ihr Argument ist da auch an der Stelle, selbst wenn du Klarnamen dran schreibst, die Leute machen selbst sogar sowas wie eine Morddrohung trotzdem.

Elli:
Genau, das hat Frau Bär damals in der Tagesschau gesagt. Man kann das Ganze auch noch auf YouTube sich angucken, wenn man das im Detail möchte. Wir springen aber wieder zurück, ein bisschen weiter zurück in die Gegenwart, in den Dezember 2025, also wir sind noch nicht ganz wieder im Hier und Jetzt angekommen. Denn auch im Dezember 2025 hat jemand mal den Deckel vom Fass der Klarnamendebatte wieder gelupft. Und das war unter anderem der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voskuhle. Und der fände Klarnamen ganz gut, Zitat aus dem Tagesspiegel, um die Diskurskultur etwas zu rationalisieren.

Stella:
Aber auch da haben wir wieder eine, die sich gegen die Forderung aussprach und zwar die Bundesjustizministerin Hubig und zwar gegenüber dem Tagesspiegel. Das Interesse an dauerhafter Anonymität ist nämlich aus ihrer Sicht berechtigt. Es endet zwar dort, Achtung, Zitat, wo Straftaten begangen werden, Zitat Ende, aber es sei ausreichend, wenn es Möglichkeiten gebe, die Identität von StraftäterInnen im Nachhinein zu ermitteln. Also ihr merkt, es gibt eigentlich immer, wenn eine Seite sich meldet, auch von der Gegenseite eine Reaktion darauf.

Elli:
Und zu dem, was sie gesagt hat mit im Nachhinein die TäterInnen ermitteln können, wenn denn eine Straftat vorliegt, der kann jetzt wiederum an den jetzt anstehenden Gesetzesentwurf, befeuert durch den Fall Colin Fernandes denken. Da ist ja die Rede von drei Monate lang gespeicherten IP-Adressen, die man dann eben im Nachhinein sich angucken könnte, wenn es denn einen Vorfall geben sollte.

Caspar:
Jetzt haben wir mehrfach Politiker-Stimmen oder PolitikerInnen-Stimmen gehört. Lasst uns mal ein bisschen auf die Fakten gucken. Elli hat da im Vorfeld zum Glück sehr viel recherchiert, dankenswerterweise. Ich fange mal an mit dem Thema Gesetze und Recht, wie es aktuell so aussieht. Aktuell ist es nämlich so, dass die Anonymität in Deutschland tatsächlich rechtlich festgeschrieben ist. Dafür gucken wir mal in Paragraph 19 des, Achtung, ich liebe es, TDDDG, 3Ds, also nicht TKKG, sondern TDDDG ausgeschrieben.

Stella:
Was heißt denn das?

Caspar:
Telekommunikations-Digitale-Dienste-Datenschutzgesetz, ich liebe Juristinnen, also das war jetzt ernst gemeint. Dort ist festgelegt, Plattformbetreibende müssen ihren UserInnen eine anonyme Nutzung ermöglichen, soweit das technisch möglich und zumutbar ist.

Elli:
Wer also Klarnamen fordert, wie zum Beispiel Herr Merz, der möchte an genau dieser gesetzlichen Vorgabe, die es aktuell gibt, rütteln.

Caspar:
Eine Pflicht, sich bei der Registrierung auszuweisen, also zum Beispiel mit dem Perso, bevor ich mir einen Account in Social Media machen kann, wie das zum Beispiel auch Conan Fernandes fordert, das könnte schon zwar einfacher machbar sein, weil man am Ende dann bei der Plattform ja entsprechend dann trotzdem sich anonym in einen Account-User-Name geben kann. Da schreibt zum Beispiel Rechtsanwalt Jörn Klaas in einem Gastbeitrag für das Newsportal des Beck-Verlages, was wir euch auch mal verlinken in den Shownotes.

Elli:
Genau, er sagt eben, die Identifikationsdaten würden dann nur bei den Betreibern von Plattformen liegen und eben nur im Ernstfall an Polizei und Behörden weitergegeben, wenn ein Straftatbestand vorliegt. Ich fand es ganz spannend. Er bringt in seinem Kommentar auch noch einen potenziellen Nebeneffekt, den so eine Identitätsnachweisregelung hätte. Er sagt nämlich, Bots hätten infolge der Identitätsprüfung keinen beziehungsweise nur erschwerten Zugang zu Plattformen und geht davon aus, dass das ja wohl auch im Interesse der Betreiber sei. Ich muss zugeben, Achtung, persönliche Meinungsäußerung, da bin ich mir bei manchen Betreibern nicht so sicher. Aber es wäre zumindest ein spannender Effekt. Naja, es gibt ja auch Plattformen wie zum Beispiel von Meta, wo tatsächlich ein Mark Zuckerberg aktiv daran gearbeitet hat, dass man auch KI-Profile erstellen kann und sowas. Also das ist ja schon auch eine Idee dahinter bei manchen Plattformen.

Stella:
Ich verstehe den Punkt, aber gleichzeitig muss ich sagen, wir müssen noch ein bisschen bei dem Thema bleiben, damit uns nicht ein ganz wichtiger Punkt jetzt durch die Lappen geht, bevor wir dann auch zu dem Part mit den Nebelkerzen und so kommen, nämlich das Thema Datenschutz. Weil das ist ja etwas, wenn wir jetzt auf die ganze Online-Anonymität gucken, durch die Vorschläge, die ja eben auch Elli und auch die Gesetze, für vulnerable Gruppen kann das sehr wichtig sein, für AktivistInnen, WhistleblowerInnen ganz, ganz besonders. Weil ich finde, bei Anonymität denkt man immer sehr schnell an, Achtung, sehr leicht ausgedrückt, die Bösen, die verbotene Dinge tun. Aber es gibt ja auch eben im Internet Personengruppen, die geschützt werden müssen. Und dafür dreht sich ja auch immer diese Datenschutzdebatte. Nämlich was passiert denn, wenn diese zusätzlich erhobenen Daten plötzlich in die falschen Hände gelangen?

Caspar:
Ja, und dann haben wir hier eine Diskussion, die wir so auch bei dem Social-Media-Verbot für Jugendliche hatten in der Episode. Nämlich, dass in dem Moment, wo ich anfange, zusätzliche Daten zu erheben, zum Beispiel Personalausweisdaten, die ja irgendwo gespeichert oder verarbeitet werden und damit dann im Zweifel auch wieder in die falschen Hände gelangen könnten, zum Beispiel durch einen Leak oder eine Sicherheitslücke.

Elli:
Und was ist mit der Hoffnung der Klarnamenbefürworter, dass so ein Klarname doch noch ... Ein bisschen Hemmungen zumindest auslöst, dass sich die Leute mal auf gut Deutsch gesagt zusammenreißen, wenn da ihr tatsächlicher Name steht. Das könnte man doch gut als Gegenargument zumindest jetzt mal, also als Pro-Argument für die Klarnamenpflicht bringen.

Caspar:
Ja, leider sieht das die Forschung ein bisschen anders. Zwischen 2010 und 2013 haben sich nämlich Forschende der Uni Zürich mit hunderttausenden Kommentaren beschäftigt und zwar auf der deutschen Petitionsplattform openpetition.org und die kam zu dem Schluss in ihrer Studie gepöbelt, wurde häufiger mit Klarnamen als unter Pseudonym und das widerspricht natürlich so ein bisschen dem Argument, wer seinen Klarnamen schreibt, der ist dann freundlicher.

Elli:
Spielt aber auch eben der Beobachtung von Dorothee Bär von 20, wo waren wir, 20, glaube ich, in die Karten, die sagt, naja, das macht den Kohl dann auch nicht mehr fett, ob die Leute da erkennbar sind oder nicht, die schreiben, was sie schreiben wollen.

Stella:
So ihr seht schon das ganze Thema Anonymität im Netz das ist sowohl zeitlos als auch brandaktuell und gleichzeitig, sind wir ja auch schon das ein oder andere Mal schon fast abgedriftet in den abschließenden Meinungsteil den ich dann hiermit jetzt eröffnen würde Caspar du schmunzelst schon ich weiß du musstest dich zusammenreißen also was sind deine Gedanken zu dem Thema Klarnamenpflicht.

Caspar:
Ja, also Nebelkerze ist ein ganz wichtiges Stichwort und es ist ein bisschen, finde ich, wie bei Social Media Verbot. Der Transrapid, den klammern wir jetzt mal aus, der taucht zwar auch immer wieder auf, aber in dem Fall ist es wie beim Social Media Verbot. Ich finde, das führt oft ein bisschen an der Diskussion vorbei. Das ist so eine Diskussion, die wir immer wieder führen. Sollen wir Jugendlichen Social Media wegnehmen? Sollen wir Leute zwingen, ihren Klarnamen bei Social Media anzugeben? Das führt aber an der Diskussion vorbei, dass diese sozialen Netzwerke ein ganz großes Problem sind, dass wie die funktionieren ein ganz großes Problem ist, dass die Algorithmen dahinter ja zum Beispiel auch Hass verstärken nachweislich und dadurch einfach eine digitale Welt schaffen, die nicht schön ist, egal ob da jetzt ein Klarnamen hier steht oder nicht. Und auch die wissenschaftlichen Studien zeigen ja auch, dass das gar nicht unbedingt was bringen würde. Das heißt, lasst uns doch lieber endlich mal wieder darüber sprechen, wie wir die Plattform dazu kriegen können, dass das eine schöne Welt wird oder schönere Welt, sofern das überhaupt möglich ist. Und nicht einfach wieder mit sowas um die Ecke kommen mit, jetzt müsst ihr alle euren Perso hochladen, damit ihr das weiter nutzen könnt. Und dann steht da wirklich Caspar von Alverden. Bei mir steht übrigens im Netz überall, was ich nutze, auch Caspar von Alverden. Aber ich pöbel in der Regel auch sonst nicht rum.

Elli:
Ach so, das ist uns neu.

Caspar:
Ach so, Entschuldigung. Nur wenn die Aufnahme aus ist.

Elli:
Ich mache mal weiter. Also ich habe mir das ja so ein bisschen genauer angeguckt, auch für die Sendung. Und tatsächlich ist das die Sache mit den Klarnamen an sich für mich auch eine relativ oberflächliche Diskussion, die Herr Merz mal wieder eröffnet hat, nachdem sie vor ihm schon zig andere Leute geöffnet haben. Ich kann natürlich verstehen, dass er sagt, wenn ich hier mit Friedrich Merz stehe, beziehungsweise in meinem Social-Media-Team, dass dann auch der Heinz, der mich beleidigt, vielleicht da mit seinem echten Namen stehen sollte. Die Problematik ist aber im Zweifel eben nicht, dass der Heinz da seinen richtigen Namen nicht angegeben hat, sondern unter anderem auch, dass gerade zum Beispiel auch Fälle, wo jetzt schon klar ist, von wem Sachen gekommen sind, Beleidigungen und so weiter, die bleiben trotzdem stehen teilweise, weil die Social-Media-Plattformen nicht hinterherkommen, weil die Behörden nicht hinterherkommen. Und da kann man auch mit Klarnamen an dem eigentlichen Problem nichts retten in dem Moment. Also das vielleicht mal auf anderen Seiten erstmal ansetzen und dann können wir von mir aus in zehn Jahren weitergehen. Die Debatte nochmal führen oder wir müssten sie dann gar nicht mehr führen.

Stella:
Also an einer Stelle will ich dir tatsächlich mit dem nicht hinterherkommen. Das klingt so, sie sind ganz, ganz doll bemüht, die Plattformen, alle Plattformbetreiber und wollen das auf jeden Fall in den Griff kriegen, weil woher kommt denn dieses Klarnamen-Thema? Da geht es ja, also es wird ja nicht angestoßen, weil man möchte, dass alle sich quasi ausweisen müssen im Netz, sondern genau eben, um etwas zu tun gegen Hass und all die schlimmen Dinge, die wir auch teilweise auf Social Media sehen. Dementsprechend, also diesen emotionalen Aspekt. Deswegen kann ich das auch in Teilen nachvollziehen, weil wenn du eine Person des öffentlichen Lebens bist und dir dann irgendwelche Kritschel, Putschel, 1, 8, 7, 5 schreiben, wie schrecklich du bist, das ist jetzt übrigens irgendein Name, also falls jemand den hat, ich weiß zwar nicht, wie man Kritschel, Putschel schreibt, aber das war jetzt kein konkretes Beispiel.

Caspar:
Jetzt kennt ihr Stellas anonymen Account.

Stella:
Kritschel, Kritschel, Putschel. Nee, auch bei mir ist es tatsächlich so, da steht einfach mein Name im Netz, so, weil ich das auch tatsächlich als Journalistin wichtig finde, dass ich da auch einfach auffindbar bin und dann auch das mir klar zuzuordnen ist. Und zugegebenermaßen, weil ich den Namen auch so bei den Profilen einfach für mich besetzen wollte. So, in dem Sinne. Nicht, dass hinterher plötzlich ein Profil mit dem Namen entsteht, was eben nicht du bist. Das ist ja auch ein Problem. Ich kann auch die Seite verstehen, die sagt, ja, aber das ist doch nicht fair, dass manche sich eben so in Anführungszeichen zeigen müssen und andere müssen Ich kann diese Aspekte verstehen, aber ich bin auch bei euch beiden Vorrednerin, dass ich auch nicht glaube, dass es das eigene Problem löst und dass einfach die Gefahr für Vista BlowerInnen, für bevulnerable Gruppen komplett unterschätzt wird. Weil die vielleicht auch nicht unbedingt die lauteste Lobby mitunter haben. Das ist das eine. Und ich fände es auch ehrlich gesagt bei den Plattformbetreibern, sorry, also ich glaube, da geht mehr in der Umsetzung. Elli, das war nämlich der Punkt. Ob die alle so bemüht sind oder ob da nicht echt viel stehen bleibt, auch wenn wir auf das Thema Bots gucken und Co.

Stella:
Also, sorry, ich glaube, da ginge wirklich mehr und würden die Gesetze, die wir haben, die wir euch teilweise auch mitgebracht haben, auch in vorherigen Episoden haben wir an verschiedenen Stellen schon drüber gesprochen, würde das, was gilt, umgesetzt werden, weil auch so ist es so, eigentlich ist ja nicht erlaubt, wilde Hassnachrichten auf zig Kanälen zu teilen, würde es umgesetzt werden und würde was gegen Bots getan werden, wird das ja auch schon helfen. Man müsste es halt nur machen.

Elli:
Ja, jetzt wisst ihr also, wenn das nächste Mal wieder irgendjemand für Klarnamen oder sich für einen Identitätsnachweis ausspricht, dann wisst ihr, A, das ist nicht das Gleiche. Es gibt unterschiedliche Varianten. B, das Ganze ist schon super lange ein Thema. C, wir haben aktuell tatsächlich im TDDDG festgelegt, dass Plattformbetreibende ihren Usern anonyme Nutzung ermöglichen müssen, soweit das technisch möglich und zumutbar ist. Und D, habt ihr jetzt vielleicht auch so ein bisschen unsere Einordnung bekommen, wisst auch, wo quasi auch die KritikerInnen von solchen Vorschlägen stehen und sagen, hey, WhistleblowerInnen, vulnerable Gruppen, Menschen, die vielleicht nicht einen sehr teuren Anwalt sich leisten können.

Elli:
Wenn sie irgendwas Kritisches im Netz posten und dafür dann, verklagt werden. So, das sind so ein bisschen die Punkte, die wir mitgebracht haben und ich fände es natürlich super spannend von euch auch mal zu lesen. Ich bin tatsächlich von uns dreien hier, glaube ich, diejenige, die am wenigsten ihren echten Namen im Internet benutzt. Wenn ich journalistisch arbeite bzw. gearbeitet habe, dann natürlich, aber das auch immer in dem Wissen, dass ich einen Verlag hinter mir hatte, der mich im Zweifel juristisch unterstützt. Und als Privatperson habe ich sowas zum Beispiel natürlich nicht. So, dementsprechend ist da für mich nochmal eine gedanklich große Trennung immer passiert jeweils.

Stella:
Ich würde sagen, wir bleiben so ein bisschen im Bereich Cybercrime, wir bleiben auch beim Thema Bots und trotzdem ist das jetzt eine gute Nachricht, auch wenn das jetzt erstmal vielleicht nicht unbedingt ein Perfekt-Match ist.

Caspar:
Ja, aber wir kriegen den Dreh, ich verspreche es.

Caspar:
Ja, was ist passiert? Internationale ErmittlerInnen konnten zwei der weltweit größten Botnetze für Cyberangriffe zerschlagen. Genauer gesagt, die beiden Botnetze Aizuru und Kim Wolf beteiligt waren an dieser ganzen Aktion unter anderem das Bundeskriminalamt, also das BKA und in Zusammenarbeit mit Behörden aus Kanada und den USA. So, und jetzt habe ich gesagt Botnetze. Ich habe irgendwie Cyberangriffe genannt. Wir müssen einmal ganz kurz so ein bisschen technisch ins Detail gehen. Keine Sorge, wir tauchen nicht zu tief ab. Was haben diese Botnetze gemacht? Sie haben sogenannte DDoS-Angriffe durchgeführt. DDoS steht für Distributed Denial of Service und das wird genutzt, um zum Beispiel Webseiten oder Apps lahmzulegen. Und die Idee dahinter ist relativ simpel. Es werden einfach eine Armee von Bots, also nicht die, die bei Social Media posten, sondern Computer werden übernommen von Chartsoftware und werden dann zusammengeschaltet, um in einer gemeinsamen Aktion massenhaft zum Beispiel eine Webseite anzusteuern und die dann mit diesen Anfragen zu überfluten. Das führt dann am Ende dazu, dass die Webseite bzw. der Server, der dahinter liegt, irgendwann unter der Last zusammenbricht, nicht mehr kann, nicht mehr funktioniert und dann entsprechend zum Beispiel die Webseite nicht mehr abrufbar ist.

Elli:
Kann man sich so ein bisschen vorstellen wie bei Konzerttickets, wenn die veröffentlicht werden für beliebte Konzerte, dann bricht gerne auch mal die Seite zusammen, der Ticketshop. Das ist dann ein Obsi, was eigentlich nicht passieren sollte und wogegen man auch vorher ganz, ganz viele Vorrichtungen eigentlich macht als Anbieter. Im Fall der Botnetze ist das Ganze aber natürlich Absicht, dass man da einen Ansturm provoziert und dann zum Beispiel Informationsangebote der Deutschen Bahn und der DB Navigator App lahmlegt, einfach um den entsprechenden Firmen, Unternehmen, Beteiligten zu schaden.

Caspar:
Diese beiden Bordnetze, die ich gerade erwähnt habe, Isuru und der andere mit dem Wolf, Kim Wolf, die unterscheiden sich auch so ein bisschen. Isuru ist in erster Linie dafür gedacht gewesen, schlecht gesicherte IoT, also Internet of Things Geräte anzugreifen. Das können zum Beispiel sein Router, Überwachungskamera, Smart Home Geräte.

Elli:
Smarte Kühlschränke.

Caspar:
Ja, smarte Kühlschränke zum Beispiel.

Elli:
Katzenfutterautomaten.

Caspar:
Ja, stellt euch vor, euer Kühlschrank fängt plötzlich an, eine DDoS-Attacke loslaufen zu lassen. Ihr kriegt das gar nicht mit. Dieses Netzwerk war wohl auch verantwortlich für den bisher größten bekannten DDoS-Angriff, den es gab. Und dabei wurden 31,4 Terabit pro Sekunde, für alle, die damit nichts anfangen können, das ist sehr, sehr viel pro Sekunde quasi. Last irgendwie verursacht, sodass das System dann einfach nur zusammenbrechen konnte, was dort angegriffen wurde. Und Kim Wolf ist eng verwandt mit iZuru, legt aber den Fokus auf Android- und Consumer-Geräte, zum Beispiel TV-Boxen. Und da wurde mir dann auch mal wieder klar, ja, auch bei sowas ist IT-Sicherheit wichtig, weil wenn man solche Geräte übernimmt und dann massenhaft zusammenschaltet und zu einer Bot-Armee dann zusammenbaut, die irgendwelche Dinge angreifen, ja, das ist nicht so schön, dass das dann die Fernsehbox oder der Kühlschrank für einen macht.

Stella:
Jetzt fehlt uns aber noch so ein bisschen, was ist denn jetzt durch diese Polizeiaktion passiert?

Caspar:
Ja, also die globale Infrastruktur der Botnetze, die konnte abgeschaltet werden. Zwei mutlärliche Administratoren konnten identifiziert werden, also die dahinter stecken. Es gab auch Durchsuchungen in Deutschland und Kanada und dabei wurden Datenträger und Kryptowährungen sichergestellt und die Kryptowährungen sind im fünfstelligen Bereich. Es gibt aber auch ein Aber, Elli.

Elli:
Ja, aber es gab zwar die Durchsuchungen, aber es ist noch niemand festgenommen worden von den Tatverdächtigen und das Netzwerk ist auch noch nicht vollständig zerschlagen. Das heißt, so ganz ist das Ganze noch nicht geschafft. Naja, aber es ist ein Anfang.

Caspar:
Es ist ein Anfang und es ist schön, dass den Ermittlungsbehörden solchen großen Schläge dann auch gelingen und zumindest die Infrastruktur jetzt mal abgeschaltet oder zumindest gestört ist, damit dann auch der DB-Navigator zum Beispiel problemloser funktioniert. Das ist ja im Sinne von uns allen.

Stella:
Von allen Bahnreisenden auf jeden Fall. Aber ich würde sagen, Caspar, wie kommst du eigentlich zurück aus Brüssel?

Caspar:
Mit der Bahn.

Stella:
Guck mal, da. Da ist auf jeden Fall ein Bahnreisender Zeitner da und deswegen, wir beenden jetzt mal diese Folge. Wir hören uns nächste Woche wieder. Perfekt wäre, wenn wir im Update dann mitbringen könnten, ein Update zu dieser guten Nachricht nach dem Motto, ja, jetzt ist das Netzwerk oder beide Netzwerke vollständig zerschlagen. Vielleicht gelingt uns das. Elli ist skeptisch, aber ihr werdet auf jeden Fall nächste Woche am Donnerstag wieder eine Zusammenfassung für all die, frischen Tech-Themen, aber irgendwie klingt das so, frische Tech-Themen, weiß ich nicht. Für die globalen Tech-Themen inklusive Input oder News-Folge, je nachdem was ansteht, hier bei Silicon Weekly. Warm und duften, frisch auf dem Ofen.

Elli:
So passend zum Gründonnerstag nächste Woche, oder?

Caspar:
Stimmt, Oster steht ja vor der Tür.

Elli:
Ja, ja, ja. Die Feiertage stehen bevor. Also wenn ihr uns nächste Woche hört, dann ist der Tag drauf ein Feiertag. Vielleicht hört ihr uns nächste Woche beim Einkaufen.

Stella:
Wenn ihr uns am Donnerstag habt.

Caspar:
Oh ja, beim völlig überfüllten Einkaufen. Vielleicht hört ihr uns dann, vielleicht wart ihr so klug und wart vorher einkaufen. Ich werde es nicht sein, ich werde es wieder vergessen.

Elli:
In diesem Sinne.

Stella:
Also Karfreitag sind ja auch die Läden zu. Na gut, aber ihr habt recht. Wie dem auch sei, wir hören uns auf jeden Fall nächste Woche wieder. Wir freuen uns drauf. Ihr wisst, was ihr tun müsst. Liken, kommentieren, uns Post schicken, uns Faxe schicken und in dem Sinne, bis nächste Woche.

Elli:
Macht's gut. Macht's gut. Tschüss.

Caspar:
Tschüss.

Stella:
Tschüss.

Jingles:
Das war's schon wieder für diese Woche. Folgt oder abonniert uns gerne in eurer Podcast-App und lasst uns dort eine Bewertung da. Das hilft uns sehr. Bis zum nächsten Mal.